Wildfische am Limit – Forelle bald teurer im Handel?
Dürre und Hitze wirken sich in den Gewässern aus. Deshalb sind Talsperren für Fische in Flüssen jetzt so wichtig. In Seen und Teichen können technische Lösungen helfen. Das gilt auch für Speisefisch.
Ein Belüftungsgerät schwimmt auf dem Aasee in Münster. Lars Berg/dpa
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So manchen Wildfischen droht bei einem weiteren kräftigen Anstieg der Wassertemperatur der Hitzetod. Einigen Zuchtfischen soll unterdessen eine kleine Diät mehr Erleichterung bringen. Was bedeuten Hitze und Dürre für das Angebot an Speisefisch und dessen Preise?
Gibt es bereits ein großes Fischsterben?
Die Kombination aus anhaltender Hitze und gesunkenen Wasserständen gefährde derzeit Fische, Bachmuscheln und auch viele andere Lebewesen in den zahlreichen Flüssen, Bächen und Seen in ganz Nordrhein-Westfalen. Zu dieser aktuellen Einschätzung kommt das Umweltministerium des Landes.
Bisher gebe es zwar kein weitreichendes Fischsterben. Aber die Natur stehe unter Dauerstress und viele Fischbestände seien am Rand ihrer Belastbarkeit. Der Rhein erreichte den Angaben zufolge zuletzt Temperaturen von über 26 Grad. Aber auch Zuflüsse wie die Sieg lägen bereits bei mehr als 25 Grad.
Warum wird es für Wildfische kritisch?
Bei wenig Wasser steige die Schadstoffkonzentration, während vermehrtes Algenwachstum Sauerstoff knapp mache, zählt das Ministerium auf. Auch drohe der direkte Hitzetod. Bei einem Hecht sei eine Wassertemperatur von 30 Grad lebensgefährlich, unabhängig davon, wie viel Sauerstoff noch im Wasser ist.
„Temperaturen, die Richtung 30 Grad gehen, können für einige Fischarten lebensbedrohlich werden“, sagt auch Diplombiologe Carsten Nolting. Tote Fische seien die Ersten, die man bäuchlings oben treiben sehe. Unter den extremen Temperaturen litten auch Muscheln, Kleinstlebewesen und Pflanzen.
Was kann das mittel- und langfristig für Folgen haben?
Wildfische wie die Bachforelle oder die Äsche gehörten voraussichtlich zu den Verlierern des Klimawandels. Gewinner seien die, die höhere Temperaturen vertragen, erklärt Nolting, der stellvertretender Geschäftsführer des Landes-Fischerverbandes Westfalen und Lippe ist. Ein Profiteur sei hier der Wels.
Solche Veränderungen könnten unter Umständen einen Dominoeffekt nach sich ziehen: Wenn sich der Wels als ein großer Räuber deutlich stärker ausbreite und in einer immer höheren Zahl in den Gewässern auftrete, wirke sich das auch auf andere Fischarten aus, verdeutlicht Nolting. Das greife in den Naturraum ein.
Wie kann man gegensteuern?
In stehenden Gewässern könnte künstliche Belüftung helfen, den Gehalt an Sauerstoff erträglich zu halten. „Bei Fließgewässern kann man nur mittel- bis langfristig dafür sorgen, dass sie zum Fließen kommen“, erklärt Nolting. Auf Querbauwerke sollte verzichtet werden. Bei einem Aufstauen von Gewässern fließe das Wasser langsamer und sei so stärker der Sonne ausgesetzt.
Das Umweltministerium hebt die Funktion der Talsperren hervor. „Während sie bei Flutereignissen das Wasser zurückhalten, geben sie es nun gezielt ab. Sie schaffen einen stetigen Zufluss und verhindern einen noch größeren Schaden an den Fließgewässern“, heißt es. Die Talsperren des Ruhrverbandes geben derzeit laut dem Ministerium rund 14.000 Liter Wasser pro Sekunde ab.
Mehr als 20 Tonnen Fisch sind im August 2018 in Münsters Aasee verendet. (Archivbild)-/AWM/dpa
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Was kann kleinen Seen helfen?
Im Aasee in Münster kam es 2018 zum massenhaften Fischsterben. Über 20 Tonnen Fisch verendeten. Als Reaktion sei ein Aktionsplan entwickelt worden, zu dem ein Belüfter und schwimmende Pflanzeninseln für den künstlich angelegten, sehr flachen See gehörten, erklärt die Stadt. Der Fischbestand werde kontrolliert, um Raub- und Friedfische im Gleichgewicht zu halten.
Eine schwimmende Pflanzenzone im Uferbereich am Aasee in Münster. Lars Berg/dpa
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In manchen Kommunen bestehen laut Ministerium Kooperationen zwischen Wasserbehörden, Fischereiverantwortlichen und Feuerwehr. So könnten mobile Pumpen zur „Beregnung“ eingesetzt werden, um Sauerstoff in die betroffenen Gewässer einzutragen. „Ich danke den Kommunen und Feuerwehren für bereits ergriffene Maßnahmen“, sagte NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Grüne).
Wie reagiert die Fischwirtschaft?
Die Branche arbeite bereits seit längerem mit technischem Sauerstoff aus Tanks, der dem Wasser zugefügt werde, sagt Philipp Mohnen, Vorsitzender des Verbandes nordrhein-westfälischer Fischzüchter und Teichwirte. Damit sei der Bestand abgesichert. Die Sauerstoffabgabe könne bei Bedarf erhöht werden.
Wenn die Temperaturen hoch sind, werde in der Regel die Futterdosierung angepasst. Das könnten 70 Prozent oder auch etwa nur 30 Prozent der sonst üblichen Ration sein. Es gebe auch Betriebe, die wochenlang nicht fütterten. Die Fische verlören in dieser Zeit etwas Gewicht, zehrten von ihrem Fett.
„Der Klimawandel wird auch in unserer Branche seine Veränderungen fordern“, meint Mohnen. Sehr kalte Winter seien selten geworden, die Sommerhitze stehe im Vordergrund. Man müsse schauen, ob der Fischbestand im Sommer verkleinert und die Wachstumsperiode außerhalb dieser Zeit gelegt werde.
Wird Speisefisch jetzt teurer?
Bei der in NRW-Fischwirtschaft dominierenden Forelle seien die Futter- und Energiekosten in Form von Strom und Sauerstoff gestiegen. „Da gibt es eine deutliche Verteuerung“, sagt Mohnen. Es könnte sein, dass der Preis für Forellen aus der Region im Herbst um etwa zehn Prozent steige. Preissprünge mit Folgen für den Absatz seien hingegen unwahrscheinlich. „Wenn der Fisch zu teuer wird, orientiert sich der Verbraucher schnell Richtung Hühnchen.“
Segelboote fahren auf dem Aasee in Münster. Lars Berg/dpa
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Eine schwimmende Pflanzenzone im Uferbereich des Aasee in Münster.Lars Berg/dpa
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Ein verendeter Vogel liegt am Uferbereich des Aasee in Münster. Lars Berg/dpa
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