Panorama

Vom Käfersammeln zum Weltimperium - 30 Jahre Pokémon

Vom Tausch am Game Boy bis zu Millionen-Investments: Pokémon prägt seit 30 Jahren Generationen und Märkte – und bleibt dabei ein weltweites Popkultur-Phänomen.

Von Lars Nicolaysen, dpa

26.02.2026

Pikachu ist das wohl bekannteste Pokémon der Welt. (Symbolbild) Hannes P. Albert/dpa

Pikachu ist das wohl bekannteste Pokémon der Welt. (Symbolbild) Hannes P. Albert/dpa

© Hannes P. Albert/dpa

Satoshi Tajiri war besessen von Käfern. Als Kind, so wird erzählt, liebte es der Japaner, die Krabbeltiere zu fangen und zu studieren – weswegen ihn seine Mitschüler „Konchu-hakase“ (Dr. Insekt) nannten. Jahre später blickte der angehende Spieleentwickler mit Wehmut auf das zubetonierte Tokio, dessen Expansion die Naturräume seiner Kindheit verschlang. Aus seiner Nostalgie entstand eine visionäre Idee: Tajiri wollte die Leidenschaft seiner Kindheit in die digitale Welt retten. Am 27. Februar 1996 schlug die Geburtsstunde von Pokémon, kurz für „Pocket Monsters“ (Taschenmonster).

Mit seinem Team bei Game Freak entwickelte Tajiri, unterstützt von der Nintendo-Ikone Shigeru Miyamoto, ein Konzept für Nintendos Game Boy: Fantastische Wesen mit Superkräften, die man mit Kapseln (Pokébälle) fängt und gegen andere Monster antreten lassen konnte. Was als ambitioniertes Projekt für Nintendos Konsole begann, entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Franchises der Welt, das selbst Micky Maus und Star Wars in den Schatten stellt. Das milliardenschwere Pokémon-Imperium reicht heute von Videospielen, über TV-Serien, Kinofilmen bis hin zu Investment-Anlagen im Millionenwert.

Pikachu erobert die Welt

Die technischen Herausforderungen waren anfangs enorm: 151 verschiedene Monster mussten in den kleinen Speicher einer Game-Boy-Kassette passen. Der eigentliche Clou war jedoch das Tausch-Konzept. Durch das Link-Kabel wurden die Spieler gezwungen, sich zu treffen, um ihre Sammlungen zu vervollständigen – ein soziales Netzwerk lange vor den Smartphones.

Von TV bis Gaming: Pokémon ist in zahlreiche Medien zu finden. (Symbolbild) Hannes P. Albert/dpa

Von TV bis Gaming: Pokémon ist in zahlreiche Medien zu finden. (Symbolbild) Hannes P. Albert/dpa

© Hannes P. Albert/dpa

Nachdem die „Pokémania“ Japan überrollt hatte, trat das Franchise 1998 seinen globalen Siegeszug an. Das gelbe Aushängeschild Pikachu, das an eine Maus mit blitzförmigem Schwanz erinnert, stieg zu einem globalen Botschafter der Popkultur auf. Es folgten Anime, Kinofilme und schließlich das Sammelkartenspiel (TCG), das Schulhöfe in Börsenplätze verwandelte. Heute gibt es in dem Universum bereits mehr als 1.000 verschiedene Pokémon.

Wendepunkt „Pokémon GO“

Einen technologischen Wendepunkt markierte „Pokémon GO“, das die Barriere zwischen Fiktion und Realität einriss: Das Smartphone-Spiel nutzt die Kamera des Handys, um die digitalen Wesen direkt in die reale Umgebung des Spielers einzublenden (Augmented Reality). Millionen Menschen rannten plötzlich los, um virtuelle Monster im örtlichen Stadtpark zu fangen – womit die Marke bewies, dass sie auch im Zeitalter von Smartphones Massen mobilisieren kann.

Mit Pokémon Go feierte das Franchise einen großen Erfolg auf Smartphones. (Symbolbild) Peter Steffen/dpa

Mit Pokémon Go feierte das Franchise einen großen Erfolg auf Smartphones. (Symbolbild) Peter Steffen/dpa

© Peter Steffen/dpa

„Die Pokémon-Community ist von Beginn an das Fundament und die Inspiration für die Marke, und die Leidenschaft unserer Fans hat es Pokémon ermöglicht, einen bleibenden Einfluss auf die Popkultur weltweit und über Generationen hinweg zu haben“, sagte Kenji Okubo, Präsident von The Pokémon Company International. 

Das Phänomen in Deutschland

30 Jahre nach dem Start ist das Pokémon-Fieber auch in Deutschland ungebrochen. Ob Pikachu-Mottopartys bei Kindergeburtstagen oder riesige Schlangen vor Spielwarenläden wie jüngst in Köln, wo neue Karten binnen 20 Minuten ausverkauft waren – Pokémon ist überall. Influencer streamen stundenlang das Öffnen von Karten-Päckchen, und Charaktere wie Glurak oder Pummeluff zieren alles von T-Shirts bis zu TV-Bildschirmen.

Sammelkarten als Millionen-Investment

Wie wertvoll die Marke Pokémon heute ist, zeigt der Markt für die Sammelkarten. Wenige Tage vor dem 30. Geburtstag von Pokémon wurde die äußerst seltene Sammelkarte mit dem Namen „Pikachu Illustrator“ in den USA für den Rekordpreis von unglaublichen rund 16,5 Millionen Dollar (13,9 Millionen Euro) versteigert. Der Verkäufer ist der Influencer und Wrestler Logan Paul, der Käufer der Risikokapitalgeber AJ Scaramucci. 

Jedes Jahr am 27. Februar feiern Pokémon-Fans auf der ganzen Welt den Pokémon-Tag, um an die Veröffentlichung der allerersten Pokémon-Videospiele in Japan zu erinnern. Aus Anlass des 30. Geburtstages gibt es eine gestempelte Promo-Karte mit Pikachu und eine Metallmünze mit einem besonderen Logo sowie drei Boosterpacks aus verschiedenen Sammelkartenspiel-Erweiterungen. Dazu startet eine Kooperation mit dem Lego-Konzern mit Modellen der klassischen Pokémon zum Zusammenbauen.

Auch Autos gib es in Pikachu-From. (Archivbild) picture alliance / dpa

Auch Autos gib es in Pikachu-From. (Archivbild) picture alliance / dpa

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