Ohne Tarif-Wirrwarr: Wie eine App den ÖPNV einfacher macht
App starten, einsteigen, losfahren: NRW will Bus und Bahn für Gelegenheitsnutzer einfacher machen. Viele Fahrgäste können davon profitieren - man braucht lediglich ein Smartphone.
Einchecken und losfahren: Mit dem Eezy-Ticket wollen Land und Verkehrsverbünde den ÖPNV für Gelegenheitsnutzer einfacher machen.Oliver Berg/dpa
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Wer kein Deutschlandticket besitzt und nur gelegentlich Bus und Bahn fährt, stand in NRW lange vor einem Tarif-Dschungel. Um den zu lichten, wollen das Land und die Verkehrsverbünde das digitale Eezy-Ticket attraktiver machen. Das Versprechen: Reisende müssen sich nicht mehr um den besten Tarif für ihre Fahrt kümmern, weil die App das automatisch macht. Das macht das Angebot für viele, die den ÖPNV nur ab und zu nutzen, attraktiv.
Wie kauft man das Eezy-Ticket?
Das Ticket gibt es nur online. Man braucht eine passende App - hat dabei aber die Auswahl zwischen rund 40 Angeboten. Nutzen kann man etwa die Apps der großen Verkehrsverbünde VRR oder VRS oder die Apps einzelner Stadtwerke. Bei Fahrbeginn klickt man auf „Check-in“ - beim Aussteigen auf „Check-out“. Die App berechnet dann anhand der zurückgelegten Strecke den Fahrpreis und bucht ihn vom hinterlegten Zahlungsmittel ab. Man kann auch ein gemeinsames Ticket für mehrere Erwachsene, Kinder oder die Fahrradmitnahme buchen.
Was ist der Vorteil gegenüber dem klassischen Einzelticket?
Liegt das Ziel noch in Tarifstufe A oder schon in B - oder (noch komplizierter) sogar im nächsten Tarifverbund? Während es früher gar nicht so einfach war, das richtige Ticket zu kaufen, berechnet die App den Preis automatisch anhand der Luftlinie zwischen Start- und Zielpunkt. Damit soll der Kauf für Gelegenheitsnutzer einfacher werden.
Kann ich das Eezy-Ticket überall in NRW nutzen?
S-Bahn, Regionalzug, Bus, Straßenbahn, U-Bahn: Das Ticket gilt tatsächlich für alle Fahrten im Nahverkehr in NRW. Aufpassen muss man nur, wenn man die Grenze zu einem anderen Bundesland überquert - denn das Eezy-Ticket wird nur in NRW angeboten.
Das hat auch einige Tücken in Grenznähe: Wer etwa mit dem Zug von Siegen nach Köln (beides in NRW) fährt, den führt die Strecke ein Stück durch Rheinland-Pfalz. Kurz hinter der Ländergrenze werden Reisende beim Eezy-Ticket automatisch ausgeloggt und auf dem Display erscheint der Hinweis, das man nun ohne gültiges Ticket unterwegs ist. An einer grenzübergreifenden Lösung werde zwar gearbeitet - aber kurzfristig stellen die Verkehrsverbünde dafür keine Lösung in Aussicht.
Gibt es günstigere Alternativen zum Eezy-Ticket?
Das Land und die Verkehrsverbünde werben seit dem Jahreswechsel mit dem Versprechen, dass man mit dem Eezy-Ticket immer und überall den günstigsten Tarif habe. Sobald eine Verbindung mit dem Eezy-Ticket teurer wäre als mit einem Einzelticket zum klassischen Tarif, wird der Preis gedeckelt. Auch einen monatlichen Preisdeckel gibt es: Mehr als 63 Euro, also den Preis eines Deutschland-Tickets, muss man nie bezahlen.
Der Eezy-Tarif funktioniert mit rund 40 verschiedenen Apps von Verkehrsverbänden und Stadtwerken.Oliver Berg/dpa
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Ein paar Ausnahmen gibt es aber doch noch: Wer an einem Tag mehrmals in den ÖPNV einsteigt, ist mit einem klassischen 24-Stunden-Ticket oft günstiger unterwegs als im Eezy-Tarif. Das Gleiche gilt für Gruppen, die gemeinsam auf Reisen gehen.
Immerhin gilt der Preisdeckel seit dem Jahreswechsel auch für Kinder. Denn bislang mussten Eltern etwa im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) im Eezy-Tarif deutlich mehr zahlen als bei einem klassischen Einzelticket.
Welche Einschränkungen gibt es für Jugendliche?
Es gibt ein Mindestalter für die Nutzung des Eezy-Tickets - und das ist auch noch je nach Verkehrsverbund oder Stadtwerke unterschiedlich. Wer jünger als 18 oder teilweise 16 Jahre alt ist, kann das Angebot nicht selbst nutzen. Die Anbieter nennen dafür rechtliche Gründe.
Für Jugendliche bedeutet das: Fahren sie ohne einen Erwachsenen mit Bus und Bahn, müssen sie die teils deutlich teureren Einzeltickets nutzen. Die Verkehrsverbünde stellen aber bis zum 1. Juni eine flächendeckende Lösung in Aussicht, um auch Jugendlichen die Nutzung des Digital-Tarifs zu ermöglichen.
Wie ist es mit dem Datenschutz?
Wer den Eezy-Tarif nutzen will, muss deutlich mehr Daten von sich preisgeben als bei den klassischen Tickets. So müssen Nutzer der App erlauben, den eigenen Standort immer erfassen zu können - nicht nur, wenn man die App nutzt. Die Betreiber versichern allerdings, Standortdaten würden nur erfasst, während Fahrgäste eingecheckt sind.
Außerdem verbraucht die App Daten und Akku, während man unterwegs ist. Laut Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) fällt pro Stunde allerdings nur 1 MB Datenverbrauch an, beim Akku schlägt die App hingegen schon mit 5 Prozent pro Stunde zu Buche. Und Vorsicht: Wem unterwegs der Akku leer geht, der wird bei einer Kontrolle erstmal wie ein Schwarzfahrer behandelt.
Glaubt, dass das Eezy-Ticket künftig noch deutlich häufiger genutzt wird: NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne). (Archivbild)Henning Kaiser/dpa
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