Mehr Vorfälle in NRW-Zügen – Ticketkontrollen oft Auslöser
Bahnfahren gilt als sicher. Doch die Zahl der erfassten Vorfälle in Nahverkehrszügen steigt. Besonders das Zugpersonal ist Zielscheibe von Gewalt.
Zugpersonal wird in Deeskalationstrainings geschult. (Symbolbild)Roberto Pfeil/dpa
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Von Sachbeschädigung über Beleidigung bis zu Körperverletzung und Waffengebrauch: In den Nahverkehrszügen in Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der sicherheitsrelevanten Vorfälle 2025 gestiegen. Insgesamt wurden vergangenes Jahr über 20.150 Vorfälle erfasst - fast 1.350 mehr als im Vorjahr. Das geht aus dem neuen Sicherheitsbericht 2025 für den Regionalverkehr in NRW hervor.
Maßgeblich für den Anstieg waren demnach vor allem mehr Sachbeschädigungen und Verunreinigungen. Während Diebstähle und Körperverletzungen zurückgingen, stieg die Zahl der Bedrohungen leicht an. Die Zahl der Körperverletzungen mit Waffengebrauch erhöhte sich von 35 auf 46 Fälle. Die Zahl der Beleidigungen sank zwar deutlich um 619 Fälle. Dennoch bilden Beleidigungen mit rund 5.550 Fällen mit Abstand den größten Anteil an erfassten Vorfällen.
Die vom Verkehrsministerium und dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) vorgelegte Auswertung listet sicherheitsrelevante Vorfälle in Zügen, an Bahnhöfen und Stationen auf.
Attacken auf Personal
Besonders das Zugpersonal ist dem Bericht zufolge Zielscheibe von verbaler und körperlicher Gewalt. Mit Abstand der häufigste Auslöser von Konflikten und Übergriffen sind die Ticketkontrollen. Das Personal leiste täglich einen unverzichtbaren Beitrag für einen funktionierenden Nahverkehr und verdiene daher Respekt, Schutz und Rückhalt, sagte VRR-Vorstandssprecher Oliver Wittke. „Gewalt und Bedrohungen gegen das Personal sind in keiner Weise akzeptabel.“
Vor allem bei Ticketkontrollen kommt es häufig zu Konflikten und Angriffen. (Symbolbild)Daniel Karmann/dpa/dpa-tmn
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Der neue Sicherheitsbericht zeige aber auch, dass der Schienennahverkehr in NRW sicher sei. Das spiegele sich im Verhältnis der rund 20.000 registrierten Vorfälle zu den jährlich 400 Millionen getätigten Fahrten wieder, so Wittke.
Anfang des Jahres war es in Rheinland-Pfalz zu einem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter bei einer Ticketkontrolle in einem Regionalzug gekommen. Der Fall hatte bundesweit eine Debatte über mehr Sicherheit im Bahnverkehr ausgelöst.
Ausbau der Sicherheitsmaßnahmen
Mit zahlreichen Maßnahmen sollen Personal und Fahrgäste besser geschützt werden. Dazu zählen:
- Einsatz von Personal in Doppelbesetzung
- Weiterentwicklung der Videotechnik. Bereits heute sind rund 95 Prozent der Nahverkehrszüge in NRW mit Videotechnik ausgestattet. Künftig soll die Videoüberwachung schrittweise modernisiert werden. Geprüft werden unter anderem KI-gestützte Systeme zur frühzeitigen Erkennung von Gewaltsituationen sowie erweiterte Möglichkeiten zur Liveaufschaltung durch die Bundespolizei in modernen Fahrzeugen.
- In einem vom Land finanzierten Pilotlehrgang werden Beschäftigte auf Konflikt- und Gefahrensituationen vorbereitet und ihre Kompetenzen bei Kommunikation und Deeskalation gestärkt. In vierstündigen Zivilcourage- und Deeskalationstrainings werden Beschäftigte der Verkehrsunternehmen geschult.
- Hierzu läuft derzeit eine landesweite Bestandsaufnahme der vorhandenen Technik in den Nahverkehrszügen.
- Verkehrsunternehmen werden bei der Einführung von Bodycams unterstützt. Allen Zugbegleiterinnen und -begleitern soll auf freiwilliger Basis die Nutzung dieser Technik ermöglicht werden.