15 Euro für den Dom? Zu teuer, sagt Ex-Dombaumeisterin
Ab Juli sollen Touristen zahlen, wenn sie in den Kölner Dom wollen. Wie viel ist angemessen? Die einstige Dombaumeisterin hat Zahlen gehört - und sieht diese kritisch.
Der Kölner Dom soll für Touristen bald Eintritt kosten. (Archivfoto)Henning Kaiser/dpa
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Barbara Schock-Werner, Präsidentin des Zentral-Dombau-Vereins (ZDV), warnt vor zu hohen Eintrittspreisen für den Kölner Dom - und nennt auch Zahlen, die im Raum stehen. „Ich hoffe sehr, dass es unter zehn Euro bleibt“, sagte die ehemalige Dombaumeisterin der Deutschen Presse-Agentur. „Das ist so ein moralisches Limit.“ Was sie allerdings höre, seien Beträge um die 12 bis 15 Euro. Zunächst hatte sich Schock-Werner beim „Kölner Stadt-Anzeiger“ geäußert.
Das Problem sei, dass das Domkapitel überhaupt noch nicht habe durchblicken lassen, wie hoch das Eintrittsgeld ungefähr ausfallen solle. „Weil die nichts gesagt haben, schwirren jetzt die Gerüchte“, sagte Schock-Werner. Oft sei zu hören, dass der Mailänder Dom als Orientierungspunkt dienen solle, und der koste 13,50 Euro. „Da wird dann gesagt: „Das können wir auch nehmen.“ Ich hoffe aber nicht, dass das die Wirklichkeit wird.“
Schock-Werner geht nie mehr in die St. Paul’s Cathedral
Das Kölner Domkapitel hat angekündigt, dass der Besuch des Kölner Doms ab Juli Geld kosten soll. Damit sollten die gestiegenen Kosten für Pflege, Schutz und den laufenden Betrieb gedeckt werden, hieß es. Für Gottesdienstbesucher und Betende sowie Mitglieder des Zentral-Dombau-Vereins bleibe der Dom kostenfrei. „Es wird wohl so ähnlich werden wie im Stephansdom, dass man einen Teil ohne Geld sehen kann zum Beten und zum Kerzen aufstellen, dass aber die Gesamtbesichtigung Geld kosten wird“, sagte Schock-Werner.
Die 78-Jährige, die von 1999 bis 2012 Dombaumeisterin war, sagte, in London gehe sie selbst grundsätzlich nicht mehr in die St. Paul’s Cathedral, weil diese mittlerweile umgerechnet um die 30 Euro Eintritt koste. Einen zu hohen Eintrittspreis halte sie für unfair gegenüber kulturinteressierten Menschen. „Wenn sich nur noch Wohlbetuchte den Besuch einer Kirche leisten können, finde ich das sozial ungerecht, und ich hoffe deshalb, dass es unter zehn Euro bleibt.“ Zahllose Leute aus dem Raum Köln hätten ihr zudem bisher immer gesagt: „Immer wenn ich in Köln bin, geh‘ ich als erstes in den Dom.“ Auch das könne nun bald der Vergangenheit angehören.
Sorge um Großspender
Schock-Werner empfahl allen Dom-affinen Rheinländern, Mitglied im Zentral-Dombau-Verein zu werden, so dass sie dann weiter jederzeit in den Dom spazieren könnten. Die Jahresgebühr betrage nur 20 Euro. Der Zentral-Dombau-Verein ist eine Bürgerinitiative zur Erhaltung des Doms. Nach Angaben des Vereins tragen ZDV-Mitglieder bislang pro Jahr rund 60 Prozent der Bauerhaltungskosten.
Nach der Ankündigung des Domkapitels fürchte man durchaus um die Großspender des Vereins, sagte Schock-Werner. „Die könnten sagen: Wenn das Domkapitel jetzt selbst Millioneneinnahmen generiert, dann braucht der Dom unser Geld nicht mehr“, sagte sie. Das sei aber absolut nicht so, denn der ZDV verwende alle Mittel ausschließlich für den Erhalt des Doms, wohingegen die Eintrittsgelder alle möglichen Kosten decken sollten.
Barbara Schock-Werner, Präsidentin des Zentral-Dombau-Vereins (ZDV), warnt vor zu hohen Eintrittspreisen für den Kölner Dom. (Archivfoto)Marius Becker/dpa
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