Häusliche Gewalt: Starker Anstieg der Todesopfer
Die häusliche Gewalt hat in Nordrhein-Westfalen zwar nur leicht zugenommen, ist aber deutlich tödlicher geworden. Ein neues Lagebild zeigt die eigenen vier Wände als Tatort.
Deutlich mehr Todesopfer bei häuslicher Gewalt. (Symbolbild)Fabian Sommer/dpa
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Die Zahl der Todesopfer durch häusliche Gewalt ist in Nordrhein-Westfalen stark gestiegen. 65 Opfer überlebten den Angriff in den eigenen vier Wänden im vergangenen Jahr nicht - nach 51 im Vorjahr. Das entspricht einem Anstieg um 27 Prozent, wie aus dem neuen Lagebild „Häusliche Gewalt“ des Landeskriminalamts NRW hervorgeht.
Die Gesamtzahl der Fälle häuslicher Gewalt stieg im vergangenen Jahr zudem auf ein neues Rekordhoch, auch wenn sich der Anstieg verlangsamte. Die Zunahme auf 61.900 Fälle entsprach einem Anstieg um 0,8 Prozent oder knapp 500 Fälle - nach rund zwei Prozent im Jahr zuvor. Die Gesamtzahl der Opfer stieg dabei um 1,1 Prozent auf 66.750. Die „WAZ“ (Funke Medien) hatte zuvor über das neue Lagebild berichtet.
Innenminister wirbt für frühe Strafanzeige
„65 Menschen sind im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen durch häusliche Gewalt ums Leben gekommen, die meisten davon Frauen. Wir wissen aus unserer Forschung: Tötungen kommen selten aus dem Nichts. Wer früh anzeigt, gibt uns die Chance, den Täter zu stoppen, bevor es zu spät ist“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). Kontaktverbot, Wohnungsverweisung, Gewaltschutzanordnung: Der Rechtsstaat habe Werkzeuge. „Wir können sie aber nur einsetzen, wenn wir von der Gewalt erfahren.“
Mit dem Täter unter einem Dach
„Mehr als die Hälfte der Opfer lebt mit dem Täter unter einem Dach, und viele schweigen aus Scham oder Angst“, sagte Reul. Der Minister appellierte an Nachbarn, Freunde und Kollegen: „Schauen Sie nicht weg. Ein Anruf bei der 110 kann ein Leben verändern, manchmal auch retten.“
Zugleich ging Reul von einer erheblichen Dunkelziffer aus: „Studien zeigen uns: Die allermeisten Taten werden nie angezeigt. Die Wahrheit ist also noch bitterer als diese Statistik.“ 71,2 Prozent der Opfer waren weiblich, 75,2 Prozent der Verdächtigen waren männlich. Bei den Fällen handelte es sich größtenteils um Körperverletzungen, Bedrohungen, Stalking und Nötigung.