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Experten warnen: Hitzewelle führt zu mehr Todesfällen

Mehr Todesfälle als durch den Verkehr? Zahlen zu Hitzetoten lassen sich schwer bestimmen, trotzdem sehen Experten einen Zusammenhang zwischen erhöhten Temperaturen und vermehrten Sterberaten.

Von dpa

30.06.2026

Vor allem bei älteren und vorerkrankten Menschen lässt sich Hitze als direkte oder indirekte Todesursache nur schwer nachweisen. (Symbolbild)Christoph Reichwein/dpa

Vor allem bei älteren und vorerkrankten Menschen lässt sich Hitze als direkte oder indirekte Todesursache nur schwer nachweisen. (Symbolbild)Christoph Reichwein/dpa

© Christoph Reichwein/dpa

Die Extremtemperaturen der vergangenen Wochen haben nach Einschätzungen verschiedener Experten zu mehr Todesfällen auch in Nordrhein-Westfalen geführt. „Sowas habe ich noch nicht erlebt“, sagte der medizinische Geschäftsführer der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Uwe Janssens. 

Genaue Zahlen zu sogenannten Hitzetoten lassen sich nur schwer erfassen. „Dass die hohen Temperaturen Einfluss nehmen, ist unstrittig - aber in welchem Umfang ist oft unklar“, betonte der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Köln, Alexander Lechleuthner. „Das sind keine Laborbedingungen.“ 

Vor allem bei Menschen, die bereits durch Faktoren wie ein hohes Alter oder Erkrankungen vorbelastet waren, lasse sich deshalb oft ein direkter oder indirekter Zusammenhang zwischen Todesfällen und der Hitze nicht eindeutig nachweisen. Auch in Todesbescheinigungen werde letztlich nicht die Hitze als Ursache des Versterbens angegeben, meinte auch Janssens.

Durch den Klimawandel werde Hitze als Risikofaktor weiter zunehmen. „Wir haben mit hoher Sicherheit mehr hitzeassoziierte Todesfälle als Verkehrstote“, sagte Janssens, der auch als Chefarzt im St. Antonius-Hospital in Eschweiler praktiziert.

Belastungsgrenze für medizinische Versorgung

Überdurchschnittliche Patientenzahlen, überlastetes Personal und überhitzte Räume: Janssens sieht Krankenhäuser nicht auf die Folgen von zukünftigen Hitzeperioden vorbereitet. Die meisten Krankenhäuser befänden sich „auf dem Stand der Zeit, in der man noch nie über Klimaschäden nachgedacht hat“.

Rettungsteams und Notaufnahmen vieler Krankenhäuser waren während der vergangenen Hitzeperiode enorm gefordert. Einsatzkräfte wurden außerdem zu Seniorenheimen gerufen, wo Bewohnerinnen und Bewohner kollabierten oder aus überhitzten Gebäudeteilen gerettet werden mussten. Um die medizinische Versorgung etwas zu entlasten, wurde etwa in Köln eine Messehalle zum Notfallversorgungszentrum mit Kälteinsel umfunktioniert.

In besonders betroffenen Gebieten kamen im Rettungsdienst zudem zusätzliche Fahrzeuge, Personal sowie Ressourcen des Katastrophenschutzes zum Einsatz, wie das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen mitteilte. Lechleuthner wies jedoch darauf hin, dass Belastungen in überfüllten Krankenhäusern sich langsamer abbauen, da Patienten untersucht und behandelt werden müssen. 

Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, sprach am Sonntag auf der Plattform X von 1.300 zusätzlich verzeichneten Todesfällen in Europa im Zusammenhang mit den hohen Temperaturen seit dem 21. Juni. Europäische Wohnungen, Arbeitsplätze und Schulen seien für solche extremen Temperaturen nicht ausgelegt.

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