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Bali: Wie Ubud vom Künstlerdorf zum Kultort wurde

Spätestens seit „Eat Pray Love“ in die Kinos kam, hat Ubud endgültig die Weltbühne betreten. Der Ort auf Bali lockt ebenso Yogis wie digitale Nomaden. Hat der Massentourismus den Zauber zerstört?

Von Carola Frentzen, dpa

26.08.2026

„Smile Baby, you are in Ubud“, das empfinden viele Fans des Ortes.Carola Frentzen/dpa

„Smile Baby, you are in Ubud“, das empfinden viele Fans des Ortes.Carola Frentzen/dpa

© Carola Frentzen/dpa

„Welcome home!“, ruft der DJ in die Menge. Und spricht damit genau das aus, was die etwa 200 Anwesenden fühlen. Denn viele empfinden Ubud als eine Art zweites Zuhause - egal, ob sie hier leben oder nur für eine Weile bleiben. Der Ort im grünen Herzen von Bali hat Suchtpotenzial - obwohl er längst mit den Schattenseiten seines Erfolgs ringt. Dann startet die Musik, und der „Ecstatic Dance“ beginnt. 

Wie jeden Sonntagmorgen haben sich im Yoga Barn, dem wohl bekanntesten spirituellen Zentrum Ubuds, Tanzende aus aller Welt versammelt - barfuß und meist leicht bekleidet.

Ubud heißt Medizin

Für zwei Stunden verschmelzen sie zu einer Gemeinschaft im Takt der Beats: Gesprochen wird nicht, Smartphones bleiben in den Taschen. Selbst Fotos sind tabu. Ein Zufluchtsort fernab des digitalen Lärms.

Was Menschen seit Jahrzehnten nach Ubud zieht, lässt sich schwer in Worte fassen. Der Ort ist aber schon lange weltberühmt für seine Yoga-Studios, Retreats, Meditations- und Atemkurse, Sound-Healing-Angebote sowie Massagen und andere Anwendungen für ganzheitliches Wohlbefinden. Wer sich für diese Themen interessiert, findet hier etliche Gleichgesinnte.

Der Yoga Barn ist Kult in Ubud und eines der bekanntesten Zentren für Yoga, Meditation und Sound Healing.Carola Frentzen/dpa

Der Yoga Barn ist Kult in Ubud und eines der bekanntesten Zentren für Yoga, Meditation und Sound Healing.Carola Frentzen/dpa

© Carola Frentzen/dpa

Manche sprechen von einer besonderen Energie – kraftvoll und zugleich erdend und heilend. Nicht umsonst bedeutet der Name Ubud so viel wie „Medizin“. Vielen gilt der Ort als Platz der Selbstfindung und alternativer Lebensweisen – ähnlich wie Sedona im US-Bundesstaat Arizona oder Byron Bay in Australien.

„Viele Gäste haben mir schon bestätigt, dass sie hier jedes Mal etwas Besonderes empfinden, eben genau diese Energie, die Ubud zugeschrieben wird“, erzählt Giri, die als Rezeptionistin im Hotel „Ubud Aura“ arbeitet.

Deutscher Künstler machte den Ort berühmt

Ob da etwas dran ist, sei dahingestellt. Sicher ist, dass Ubud schon seit 100 Jahren Menschen aus aller Welt verzaubert. Als der deutsche Maler und Musiker Walter Spies (1895-1942) Ende der 1920er-Jahre nach Ubud kam, war das Dorf kaum mehr als eine Ansammlung von Tempeln, Reisfeldern und schmalen Pfaden. 

Spies machte Ubud in Europa überhaupt erst bekannt. Zusammen mit dem niederländischen Künstler Rudolf Bonnet förderte er junge balinesische Maler und verwandelte das Dorf in eine internationale Künstlerkolonie.

In seinem zweistöckigen Holzhaus oberhalb des Campuhan-Tals mit Blick auf den Dschungel empfing er einst die Größen seiner Zeit, von Charlie Chaplin bis zur US-Völkerkundlerin Margaret Mead. 

Das Haus des deutschen Malers und Musikers Walter Spies (1895-1942), der lange in Ubud lebte, gehört heute zum „Hotel Tjampuhan & Spa“.Carola Frentzen/dpa

Das Haus des deutschen Malers und Musikers Walter Spies (1895-1942), der lange in Ubud lebte, gehört heute zum „Hotel Tjampuhan & Spa“.Carola Frentzen/dpa

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Inzwischen gehört das Haus samt Lotusteich zum legendären „Tjampuhan“, dem ältesten Hotel Ubuds, und kann als exklusive Unterkunft gemietet werden. Wo einst Künstler auf der Veranda saßen, Pfeife rauchten und die Stille genossen, rollen heute die Koffer wohlhabender Urlauber über denselben Boden.

Walter Spies würde seine Wahlheimat wohl nicht wiedererkennen. Noch bis in die 1970er Jahre galt Ubud als Rückzugsort für Rucksackreisende und Aussteiger. Wer hierherkam, suchte vor allem Ruhe, Kultur und das „ursprüngliche“ Bali. Kleine Familienpensionen - sogenannte Homestays - prägten das Ortsbild, Reisfelder reichten bis ins Zentrum, Autos waren selten. 

Sinnbild einer Reise zu sich selbst

In den folgenden Jahrzehnten jedoch wurden immer mehr Reisende auf den Ort aufmerksam. Der Wandel hatte begonnen - zunächst schleichend, dann immer schneller.

Dann erlebte Ubud 2006 durch den Bestseller „Eat Pray Love“ der US-Autorin Elizabeth Gilbert einen gewaltigen Schub. In dem autobiografischen Buch - und noch stärker nach der Hollywood-Verfilmung mit Julia Roberts im Jahr 2010 - wurde das Städtchen für Millionen Menschen zum Sinnbild einer Reise zu sich selbst.

Wellnessangebote, Souvenirshops und vegane Café schossen aus dem Boden, während die Besucherzahlen rasant anstiegen. Plötzlich rauschten internationale Touristenbusse durch die Hauptstraßen, und Heiler wie der im Buch prominent erwähnte Ketut Liyer wurden so populär, dass Besucher teils stundenlang auf eine Audienz warten mussten. Mittlerweile kommen laut der Tourismusplattform „Discover Ubud“ jährlich mehr als drei Millionen ausländische Gäste. 

Überall in Ubud gibt es hübsche, luftige Cafés, wie hier das „Mudra“. Hier arbeiten auch viele digitale Nomaden.Carola Frentzen/dpa

Überall in Ubud gibt es hübsche, luftige Cafés, wie hier das „Mudra“. Hier arbeiten auch viele digitale Nomaden.Carola Frentzen/dpa

© Carola Frentzen/dpa

Diesen Wandel hat der Musiker und bekannte Klangtherapeut Shervin Boloorian, der seit fast 20 Jahren in Ubud lebt, hautnah miterlebt. Ruhig und ursprünglich sei der Ort früher gewesen, erinnert sich der gebürtige Iraner. Ein Treffpunkt für Menschen, die nach einem bewussteren Leben suchten.

„Wir hatten das Gefühl, Teil einer Bewegung zu sein“, sagt er. Für ihn sei schnell klar gewesen, dass er bleiben wollte. „Ubud hatte alles, was ich gesucht habe - Kultur, Musik, Natur und freundliche Menschen.“ 

Staus und stibitzende Affen

„Dann hat sich das Geheimnis herumgesprochen“, sagt Boloorian mit leichter Wehmut. Der Strom von Touristen habe stetig zugenommen und das Ortsbild komplett verändert. „Der Verkehr ist inzwischen schrecklich.“ Massenweise Autos, Touristenbusse und Motorräder quälen sich täglich durch die Hauptstraßen Jalan Hanuman und Jalan Monkey Forest.

Apropos Monkey Forest: Auch Affen gehören zu den Attraktionen von Ubud. Hunderte Langschwanzmakaken, die im Affenwald mitten im Ort leben, sitzen regelmäßig auf Tempelmauern, balancieren über Stromleitungen oder beobachten das Treiben von den Dächern der Häuser. Wer nicht aufpasst, muss allerdings damit rechnen, dass die geschickten Primaten blitzschnell nach Sonnenbrille oder Handy greifen.

Einmal im Jahr wird die spirituelle Hochburg dann zur Bühne für die Literatur. Beim Ubud Writers & Readers Festival treffen sich jeden Oktober Autoren und Leser aus aller Welt und diskutieren über die großen Fragen des Lebens. Für viele ist das Festival der Beweis, dass in Ubud noch immer das kulturelle Herz Balis schlägt.

 

Wer aus dem Zentrum herausgeht, findet immer noch viele stille Ecken, in denen die balinesische Kultur weiterlebt.Carola Frentzen/dpa

Wer aus dem Zentrum herausgeht, findet immer noch viele stille Ecken, in denen die balinesische Kultur weiterlebt.Carola Frentzen/dpa

© Carola Frentzen/dpa

Und wer ganz früh am Morgen spazieren geht und sich in kleinen Seitenstraßen verliert, erlebt sie auch noch immer - die Magie von Ubud. „Man muss allerdings sehr genau hinsehen, um sie noch zu finden“, sagt Klangtherapeut Boloorian. Der Duft von Lotus-Räucherstäbchen mischt sich mit dem sanften Klang von Windspielen aus Bambus, irgendwo in der Ferne spielt ein Gamelan-Orchester traditionelle Musik. 

Sicher, Ubud ist heute nicht mehr das Dorf, das Walter Spies einst verzauberte. Doch der Ort hat sich etwas bewahrt, das viele Besucher bis heute anzieht. Ubud ist ein Gefühl - und wer ihm einmal verfallen ist, kommt immer wieder. Massentourismus hin oder her. 

Links, Tipps, Praktisches:

Anreise: Flüge von Deutschland nach Denpasar/Bali sind nur mit mindestens einem Zwischenstopp möglich, mit Fluggesellschaften wie Lufthansa, Singapore Airlines, Emirates oder Qatar. Meist werden Drehkreuze wie Bangkok, Singapur oder Dubai genutzt. Vom Flughafen Denpasar können Besucher ein Taxi nach Ubud nehmen oder die Fahrdienst-App Grab nutzen (meist billiger). Die Fahrt dauert eine bis eineinhalb Stunden.

Einreise: Deutsche Staatsangehörige benötigen ein Visum, das elektronisch beantragt werden kann (evisa.imigrasi.go.id). Es kostet umgerechnet etwa 25 Euro und gilt für 30 Tage. Damit können Reisende bei der Ankunft bequem die elektronische Passkontrolle nutzen, ohne am Schalter Schlange zu stehen. Vor der Einreise müssen Urlauber außerdem eine elektronische Zollanmeldung ausfüllen (ecd.beacukai.go.id) sowie die Bali-Touristenabgabe von rund 8 Euro entrichten - am besten vorab online (lovebali.baliprov.go.id).

Klima: Die beste Reisezeit für Ubud ist die Trockenzeit von April bis Oktober, wenn es größtenteils sonnig ist und die Luftfeuchtigkeit niedriger liegt. Als besonders angenehm gelten die Monate Mai, Juni und September, weil dann weniger Besucher kommen als in der Hauptferienzeit im Juli und August.

Weitere Infos: indonesia.travel/de/de/destination/bali-nusa-tenggara/bali/ubud

Hier weilte schon Charlie Chaplin: Das Haus des deutschen Malers Walter Spies war vor 100 Jahren Treffpunkt der Größen seiner Zeit.Carola Frentzen/dpa

Hier weilte schon Charlie Chaplin: Das Haus des deutschen Malers Walter Spies war vor 100 Jahren Treffpunkt der Größen seiner Zeit.Carola Frentzen/dpa

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Der Sacred Monkey Forest ist eine der Hauptattraktionen in Ubud. Carola Frentzen/dpa

Der Sacred Monkey Forest ist eine der Hauptattraktionen in Ubud. Carola Frentzen/dpa

© Carola Frentzen/dpa

Der Ubud Palace ist eine wichtige Sehenswürdigkeit des Ortes und die offizielle Residenz der königlichen Familie. Bekannt ist er für seine traditionelle balinesische Architektur und abendliche Tanzvorführungen.Carola Frentzen/dpa

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Ubud ist bei Yogis aus aller Welt beliebt und bietet Kurse aller Art.Carola Frentzen/dpa

Ubud ist bei Yogis aus aller Welt beliebt und bietet Kurse aller Art.Carola Frentzen/dpa

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Ein Spa-Besuch ist ein Muss in Ubud. Wer im „Taksu“ bucht, geht durch einen kleinen Dschungel zu den Massageräumen.Carola Frentzen/dpa

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Ubud ist auch bekannt für Klangtherapie (Sound Healing). Viele Geschäfte verkaufen traditionelle Instrumente, die dabei verwendet werden.Carola Frentzen/dpa

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© Carola Frentzen/dpa

Im Zentrum von Ubud gibt es unzählige Souvenirläden mit hübschen Andenken, wie etwa Windspielen.Carola Frentzen/dpa

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© Carola Frentzen/dpa

Die Schattenseite des Ruhms ist der Verkehr: In Ubud herrscht meistens Stau.Carola Frentzen/dpa

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© Carola Frentzen/dpa

Die Balinesen sind für ihre Gastfreundlichkeit bekannt - und leben gleichzeitig ihre Traditionen weiter.Carola Frentzen/dpa

Die Balinesen sind für ihre Gastfreundlichkeit bekannt - und leben gleichzeitig ihre Traditionen weiter.Carola Frentzen/dpa

© Carola Frentzen/dpa

Ubud ist knapp 30 km von Denpasar entfernt und gilt als kulturelles Zentrum Balis.dpa-infografik/dpa-tmn

Ubud ist knapp 30 km von Denpasar entfernt und gilt als kulturelles Zentrum Balis.dpa-infografik/dpa-tmn

© dpa-infografik/dpa-tmn

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