Zweite Runde: Bayerns kleinste Gemeinde kürt Bürgermeister
Nach einer Wahl mit überraschendem Ausgang und monatelanger Prozedur hat Bayerns kleinste Gemeinde endlich einen neuen Bürgermeister gewählt. Wie es dazu kam und was die Inselgemeinde auszeichnet.
Bayerns kleinster Gemeinde Chiemsee hat nach Monaten einen Bürgermeister gewählt. (Archivbild) picture alliance / Angelika Warmuth/dpa
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Nach einer kurios gescheiterten Bürgermeisterwahl im März hat Bayerns kleinste Gemeinde Chiemsee am Sonntag endlich ein Gemeindeoberhaupt gewählt.
Neuer Bürgermeister wird demnach der Keramikmeister Georg Klampfleuthner. Nach dem vorläufigen Endergebnis gaben ihm 78,3 Prozent der rund 140 Wählerinnen und Wähler die Stimme, wie die Verwaltungsgemeinschaft Breitbrunn am Chiemsee mitteilte.
Wieder einziger Kandidat
Klampfleuthner trat für die Freie Wählergruppe Chiemsee an und hatte keinen Gegenkandidaten. Die Freie Wählergruppe hat die einzige Liste in der kleinen Inselgemeinde mit rund 170 Einwohnern.
Bei der Kommunalwahl im März hatte der damalige Amtsinhaber Armin Krämmer nicht die erforderliche Mehrheit erreicht, obwohl auch er keinen Gegenkandidaten hatte. Er trat für die Freie Wählergemeinschaft Chiemsee an, die sich inzwischen in Freie Wählergruppe Chiemsee umbenannte.
Krämmer kam zwar auf 47,7 Prozent der Stimmen. Doch mehr als die Hälfte der Wähler schrieb andere Namen auf den Stimmzettel. Das ist nach dem dortigen Wahlrecht möglich, wenn kein oder nur ein Kandidat auf dem Stimmzettel steht. Auch in einigen anderen bayerischen Gemeinden passierte das.
Unfreiwillig Gewählter lehnt ab
Der normale nächste Schritt wäre dann eine Stichwahl zwei Wochen später zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen gewesen: zwischen Krämmer und einem langjährigen Gemeinderat, der zwar nicht kandidiert, aber mit 21,5 Prozent der Stimmen unfreiwillig den zweiten Platz belegt hatte. Doch der Gemeinderat wollte nicht in die Stichwahl - und damit begann das gesamte Verfahren neu, die Wahl musste komplett neu aufgesetzt werden, der Prozess dauerte monatelang.
Rätselraten über Wahlergebnis
In Chiemsee hatte im März viele überrascht, dass Krämmer als bisheriger Bürgermeister nach seiner ersten Amtszeit nicht die Mehrheit bekam. Einen Skandal oder wie in München Kritik am Amtsinhaber wegen Vereinsmandaten bei einem Fußballverein habe es aber nicht gegeben, hieß es damals im Ort.
Stolz sein kann Chiemsee auf seine Wahlbeteiligung: Sie lag schon im März mit knapp 80 Prozent deutlich über dem Bayern-Durchschnitt. Nun gaben 86,4 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab.
Tourismusbeschäftigte, Fischer, Nonnen
Die Gemeinde Chiemsee umfasst die Fraueninsel mit dem Benediktinerinnenkloster, die Herreninsel mit dem Schloss von König Ludwig II. und die unbewohnte Krautinsel. Neben den Benediktinerinnen wohnen in Chiemsee unter anderem Fischer, Künstler und im Tourismus tätige Personen.
Früher gab es für die Gemeinderatswahl neben der Liste der Freien Wählergemeinschaft Chiemsee auch eine Wählerliste Kloster. Eine der Nonnen war bisher auch im Gemeinderat. Dieses Mal aber schaffte es die einzige Nonne, die kandidiert hatte, nicht in den achtköpfigen Gemeinderat.