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Zeltlager für Obdachlose: Gute Sache oder keine Dauerlösung?

Nach der Schließung einer Notunterkunft hat Frankfurt ein Zeltlager für obdachlose Menschen errichtet. Die Stadt sucht weiter nach einer besseren Lösung. Die Menschen vor Ort haben gemischte Gefühle.

Von Jenny Tobien und Mona Wenisch, dpa

30.06.2026

In den Zelten stehen Feldbetten.Andreas Arnold/dpa

In den Zelten stehen Feldbetten.Andreas Arnold/dpa

© Andreas Arnold/dpa

„Feuerwehr Sperrzone“ steht auf dem rot-weißen Flatterband, das zwischen Bäumen auf einem Areal der Eschenheimer Anlage festgebunden ist. Dahinter sind große weiße Zelte zu sehen, dicht an dicht stehen darin Feldbetten. Das Zeltlager ist nördlich der Innenstadt und in Laufnähe der Alten Oper. 

Um die 100 Plätze für obdachlose Menschen gibt es hier seit Montag - laut Sozial- und Gesundheitsdezernat Frankfurt waren in der Nacht zum Dienstag alle belegt. Das Zeltlager ist ein Provisorium, es wurde von Einsatzkräften der Feuerwehr und Helfern am Montagnachmittag schnell aufgebaut. Denn die eigentliche Notunterkunft in der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor ist kurzfristig geschlossen worden. Grund: unzureichender Brandschutz. 

In der vergangenen Nacht war jeder Platz belegt.Andreas Arnold/dpa

In der vergangenen Nacht war jeder Platz belegt.Andreas Arnold/dpa

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„Es ist erschreckend zu sehen, dass in einer Millionenstadt wie Frankfurt kein Gebäude und keine Halle zur Verfügung steht, damit Menschen in Not - obdachlose Menschen - darin Schutz suchen können“, teilte Sozial- und Gesundheitsdezernentin Elke Voitl (Grüne) mit. Innerhalb weniger Stunden habe die Stadt gemeinsam mit der Feuerwehr daher eine funktionierende Lösung auf die Beine gestellt. „Entscheidend war für uns einzig, dass niemand ohne Schutz für die Nacht bleiben musste.“

„Wir haben ja trotzdem noch genug Platz“

Nicht alle finden die Lage der Zelte glücklich gewählt. Schräg gegenüber ist ein Kiosk und die Terrasse eines Hotels. Eine Passantin, die am Dienstagmittag in der Nähe der leeren Zelte vorbeispaziert, hält das Zeltlager nicht unbedingt für eine Lösung. Es sei „eine Klatsche für die Stadt“, dass sie keine andere Behausung gefunden habe, sagt sie. „Die Menschen müssen ja irgendwo hin.“

Eine andere Passantin meint, es gäbe ohnehin viel Obdachlosigkeit und Probleme mit der Hygiene im Park. Das könne keine Dauerlösung sein, sagte sie. Obdachlose Menschen sollten ihrer Meinung nach nicht in einem Park untergebracht werden, wo Kinder seien und eine Schule in der Nähe sei. „Da muss sich der Staat etwas Grundlegendes überlegen.“

Das Zeltlager nimmt einen recht kleinen Teil des Parks ein.Andreas Arnold/dpa

Das Zeltlager nimmt einen recht kleinen Teil des Parks ein.Andreas Arnold/dpa

© Andreas Arnold/dpa

Ein Mann, der mit seinem Hund vorbeispaziert, sieht das anders. „Ist ‚ne gute Sache, eigentlich“, sagt er, angesprochen auf die Zelte. „Könnte es öfter geben.“ Durch die Zelte werde der Park nicht beeinträchtigt, sagt er. „Wir haben ja trotzdem noch genug Platz hier. Ich glaube, es ist ein bisschen wichtiger, dass vielleicht Leute einen Schlafplatz haben.“ Obdachlose Menschen waren am Dienstagmittag nicht vor Ort zu sehen.

Werden Gewitter und Hitze zum Problem?

Und ein Mann, der schräg gegenüber dem Lager an einer Tischtennisplatte spielt, fragt sich, wie heiß es in den Zelten werde. Und ob die Menschen etwa bei der nächsten Hitzewelle in den Zelten richtig geschützt seien.

Gerade angesichts der angekündigten Gewitter sei es wichtig gewesen, das Zeltlager aufzubauen, sagte Voitl. „Unser gemeinsames Ziel war und bleibt, keinen Menschen in unserer Stadt schutzlos zurückzulassen.“

Die Stadt Frankfurt suche intensiv weiter nach einer Ersatzlösung für eine Notübernachtung im Stadtzentrum. „Obdachlose Menschen sind oftmals immobil. Wir brauchen also einen Standort, der leicht zu erreichen ist“, sagt sie. „Ich setze dabei große Hoffnungen in das neue Baudezernat der künftigen Stadtregierung.“

Linke: „Politisches Versagen auf dem Rücken der Betroffenen“ 

Die Linke-Fraktion im Römer übt hingegen scharfe Kritik: „Zelte unter den Bankentürmen - ist das die neue Frankfurter Humanität? Es braucht umgehend ein Obdach für die Notübernachtung! Wie lange dieses Provisorium für die größte Notunterkunft von Obdachlosen nun herhalten muss, scheint unklar“, heißt es dort. Und: „Was wir aktuell sehen, ist politisches Versagen auf dem Rücken der Betroffenen.“ 

CDU: Kann keine dauerhafte Lösung sein

Die CDU sei am Montag in der Frankfurter Koalition informiert worden, dass kurzfristig eine Notlösung gefunden werden müsse und dass eventuell auch das Aufstellen von Zelten erfolge, teilt Fraktionsvorsitzender Nils Kößler auf Anfrage mit. Aus der Zeitung habe man dann am Dienstag erfahren, dass es dazu gekommen sei. 

„Für uns ist klar: In einer akuten Notsituation hat zunächst oberste Priorität, dass die Sicherheit und Versorgung der obdachlosen Menschen gewährleistet werden kann und sie nicht ohne jede Unterkunft bleiben“, sagt Kößler. Vor diesem Hintergrund sei es richtig, dass die Stadt handlungsfähig bleibe und kurzfristig pragmatische Lösungen ermögliche. 

„Gleichzeitig kann eine Unterbringung in Zelten keine dauerhafte Lösung sein“, meint der CDU-Politiker. „Frankfurt braucht bei der Versorgung wohnungsloser und obdachloser Menschen verlässliche Strukturen, ausreichende Kapazitäten in festen Einrichtungen und ein Unterbringungssystem, das auch in schwierigen Situationen stabil funktioniert.“

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