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Zeugen Jehovas feiern „Fest der Liebe“ im Volksparkstadion

Drei Jahre nach einem Amoklauf herrscht bei den Zeugen Jehovas in Hamburg Aufbruchstimmung. Die Gemeinschaft will mit Optimismus nach vorne blicken und veranstaltet einen großen Kongress.

Von dpa

13.08.2026

Mit Jubelrufen und Gesängen begrüßen Mitglieder der Zeugen Jehovas Gäste zu ihrem Kongress in Hamburg.Georg Wendt/dpa

Mit Jubelrufen und Gesängen begrüßen Mitglieder der Zeugen Jehovas Gäste zu ihrem Kongress in Hamburg.Georg Wendt/dpa

© Georg Wendt/dpa

Gut drei Jahre nach dem Amoklauf bei den Zeugen Jehovas in Hamburg feiert die Glaubensgemeinschaft einen großen Kongress im Zeichen von Liebe und Harmonie. Zu der Veranstaltung im Volksparkstadion werden von Freitag bis Sonntag 25.000 Teilnehmer pro Tag erwartet, davon 5.000 aus dem Ausland. Weitere 30.000 Mitglieder würden das Programm im Frankfurter Waldstadion über einen Livestream verfolgen, sagte der Sprecher von Jehovas Zeugen Norddeutschland, Michael Tsifidaris. 

Es solle ein „christliches Fest der Liebe, des Friedens und auch der Völkerverständigung“ werden. Ankommende Gäste wurden vor einem Hotel in der Innenstadt von rund 200 Mitgliedern der Gemeinschaft mit Gesängen, Jubel und „We love you“-Rufen begrüßt. „Ich jubel, weil das alle unsere Brüder sind“, sage eine Zeugin Jehovas aus Bredstedt in Nordfriesland. 

Mit dem Kongress wollen die Zeugen Jehovas ein trauriges Kapitel schließen, sagt der Sprecher von Jehovas Zeugen Norddeutschland, Michael Tsifidaris, mit Blick auf den Amoklauf in einem Hamburger Gemeindesaal im März 2023.Georg Wendt/dpa

Mit dem Kongress wollen die Zeugen Jehovas ein trauriges Kapitel schließen, sagt der Sprecher von Jehovas Zeugen Norddeutschland, Michael Tsifidaris, mit Blick auf den Amoklauf in einem Hamburger Gemeindesaal im März 2023.Georg Wendt/dpa

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Gemeinschaft will trauriges Kapitel schließen

„Mit diesem internationalen Kongress versuchen wir, ein trauriges Kapitel zu schließen und mit Freude und der Unterstützung unserer internationalen Freunde ein neues Kapitel des Optimismus und auch eines positiven Blicks auf die Zukunft zu eröffnen“, sagte Tsifidaris. Am 9. März 2023 war ein ehemaliges Mitglied der Zeugen Jehovas kurz nach einem abendlichen Gottesdienst in ein Gemeindezentrum im Stadtteil Alsterdorf eingedrungen und hatte sieben Menschen – darunter ein ungeborenes Kind – und sich selbst erschossen. Die Tat hatte weit über Hamburg hinaus für Bestürzung und große Anteilnahme gesorgt.

Mit dem Kongress will die Glaubensgemeinschaft auch an eine Versammlung auf der Hamburger Moorweide vor 80 Jahren erinnern. 1946 waren nach Angaben des Sprechers in der kriegszerstörten Stadt 4.000 Gläubige aus ganz Norddeutschland zusammengekommen. Nach der Verfolgung unter dem NS-Regime hätten sie ein entschlossenes Zeichen für Frieden und Einheit gesetzt, sagte Tsifidaris. 

Die Versammlung 80 Jahre danach steht unter dem Motto „Ewiges Glück“. Ein Highlight der Veranstaltung sei die Bibelverfilmung „Die gute Botschaft von Jesus“, erklärte der stellvertretende Leiter des Organisationskomitees, Martin Vomstein. An jedem Kongresstag werde eine Folge der Serie gezeigt.

Nach dem Amoklauf im März 2023 (Archivbild)Christian Charisius/dpa

Nach dem Amoklauf im März 2023 (Archivbild)Christian Charisius/dpa

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Erinnerung an Zeugen Jehovas im KZ-Neuengamme

Zum Rahmenprogramm gehören Besucherführungen durch die KZ-Gedenkstätte Neuengamme, bei der es um die Verfolgungsgeschichte der Zeugen Jehovas geht. In dem Konzentrationslager seien mehr als 65 Bibelforscher - wie die Zeugen Jehovas damals genannt wurden - ums Leben gekommen, sagte der Leiter der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte, Oliver von Wrochem, in einer Grußbotschaft. In der Gedenkstätte werde an rund 200 gefangene Zeugen Jehovas erinnert. 

Für die Besucher wurde ein Kaninchenstall teilweise rekonstruiert, in dem einst inhaftierte und zwangsrekrutierte Mitglieder der Glaubensgemeinschaft Angorakaninchen zur Wollproduktion züchten mussten. Unter Lebensgefahr hätten sie andere, vom Hungertod gezeichnete Häftlinge mit Nahrung versorgt und heimliche Bibelkurse veranstaltet, erklärte Tsifidaris. Unter den Besuchern seien Nachkommen von Verfolgten. „Viele möchten etwas darüber erfahren, wie haben es die Zeugen Jehovas in der Vergangenheit geschafft, unter diesem extremen Druck ihren Glauben an Gott zu bewahren“, sagte der Leiter des Organisationskomitees, Daniel Riedel.

Die Zeugen Jehovas sehen ihren Kongress als großes Familienfest. Georg Wendt/dpa

Die Zeugen Jehovas sehen ihren Kongress als großes Familienfest. Georg Wendt/dpa

© Georg Wendt/dpa

Ein großes Familienfest

Die 5.000 geladenen Gäste aus dem Ausland kommen nach seinen Angaben aus 25 Ländern, darunter aus den USA, Paraguay, Malawi, Liberia und der Ukraine. 10.000 Helfer aus 473 Gemeinden seien im Einsatz. Freiwillige hätten am Dienstag das Volksparkstadion geputzt. Der älteste Helfer sei ein 97-Jähriger, der Kongressteilnehmer in der Lüneburger Heide begrüßt habe. „Man kann sich das vorstellen wie ein großes Familienfest“, sagte der Organisationsleiter.

Freiwillige Helfer putzen das Volksparkstadion für den Kongress der Zeugen Jehovas. (Archivbild)Lilli Förter/dpa

Freiwillige Helfer putzen das Volksparkstadion für den Kongress der Zeugen Jehovas. (Archivbild)Lilli Förter/dpa

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Amoklauf ändert nichts an pazifistischer Einstellung

Tsifidaris hob die pazifistische Einstellung der Zeugen Jehovas hervor, an der sich auch nach dem Amoklauf und dem Einsatz der Polizei, die noch Schlimmeres verhinderte, nichts geändert habe. 2026 sei ein besonderes Jahr für die Gemeinschaft, sagte er. Der Königreichssaal an der Deelböge sei nach umfassender Renovierung wiedereröffnet worden. Er sei sich sicher, dass es nun mit dem internationalen Kongress gelinge, dieses traurige Kapitel abzuschließen. 

Auch in Russland weigerten sich die Zeugen Jehovas, Militärdienst zu leisten. „Wir sind froh und glücklich darüber, dass keiner unserer Glaubensbrüder in irgendeinen Angriff oder irgendeinen Gewaltakt gegenüber seinen ukrainischen Brüdern geraten ist.“ Umgekehrt könnten sich alle russischen Bürger und Glaubensbrüder darauf verlassen, dass keine Gewalt von der anderen Seite gegen sie ausgeübt werde. Dem Teufelskreis von Gewalt entziehe man sich nur, indem man ihn durchbreche. 

Liebe kann stärker als Hass sein, sagt ein Sprecher der Zeugen Jehovas.Georg Wendt/dpa

Liebe kann stärker als Hass sein, sagt ein Sprecher der Zeugen Jehovas.Georg Wendt/dpa

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„Liebe stärker als Hass“

Tsifidaris  erinnerte an ein Motto der Friedensbewegung: „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“. Mit Blick auf seine Glaubensgemeinschaft sagte der Sprecher: „Inzwischen haben fast zehn Millionen Menschen beschlossen, weltweit so vorzugehen.“ Er bezeichnete die Zeugen Jehovas als „weltgrößte Friedensbewegung ihrer Art“.

Auf die Frage, ob dieser Punkt in der Religionsgemeinschaft umstritten sei, sagte Tsifidaris: „Nein. Ich denke, es ist für alle Beteiligten, für alle Glaubensmitglieder bei uns ein sehr, sehr gutes Gefühl, dass Liebe stärker sein kann als jeder entzweiende Hass.“ 

Die Gemeinschaft aus Russland ist bei Kongress nicht vertreten, wie Vomstein sagte. Es werde zu jedem Kongress nur eine Auswahl von Ländern eingeladen. Nach Angaben des Organisators lebt in Russland die zweitgrößte Gruppe der Zeugen Jehovas.

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