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Wo ist das nächste Einhorn? Start-ups in MV

Es gibt spannende Firmengründungen in Mecklenburg-Vorpommern. Noch sind es nicht genug. Die Politik hat das erkannt.

Von Iris Leithold, dpa

19.03.2026

Cheplapharm wurde 1998 gegründet. (Archivbild)Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

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Der weltgrößte Tanker für den Transport von flüssigem Wasserstoff, Entengrütze als Lebensmittel, Kaltes Plasma für die Wundheilung - das sind drei aktuelle Ideen, mit denen Start-up-Gründer in Mecklenburg-Vorpommern durchstarten und Geld verdienen wollen. Haben sie Erfolg, bedeutet das Steuereinnahmen und Arbeitsplätze in der Zukunft. Doch der Weg ist lang, steinig und kostspielig - und birgt immer auch die Gefahr des Scheiterns.

Dass Start-ups im Nordosten Ermutigung finden, loslegen und wachsen können - dabei will die Gründungswerft helfen. Die Initiative wurde 2021 an der Universität Greifswald gegründet, hat nach eigenen Angaben mehr als 450 Mitglieder von Gründern über Berater bis hin zu Investoren und bezeichnet sich selbst als die größte Gründungsinitiative in Norddeutschland.

„Gemeinsam arbeiten wir an einem positiven Umfeld, in dem sich inspirierende Persönlichkeiten verwirklichen“, heißt es. Geschäftsführer Chuck Henjes ist optimistisch: „Wir sind davon überzeugt, dass die Einzigartigkeit der von uns mitgestalteten Gründungsszene in wenigen Jahren dazu führt, das Bundesland zu einem Top-Standort für innovative Unternehmensgründungen und Start-ups zu entwickeln.“

Start-Ups sind junge, vielversprechende und oft technologiegetriebene Unternehmen. (Symbolbild)Jörg Carstensen/dpa

Start-Ups sind junge, vielversprechende und oft technologiegetriebene Unternehmen. (Symbolbild)Jörg Carstensen/dpa

© Jörg Carstensen/dpa

Start-up-Szene in MV noch überschaubar

Noch sind die Ergebnisse überschaubar. Laut dem Bundesverband Deutsche Startups gibt es im Nordosten derzeit 158 aktive potenzielle Wachstumsfirmen. Das sind zehn je 100.000 Einwohner und das wiederum bedeutet Platz 14 unter den 16 Bundesländern, wie Verbandsgeschäftsführer Christoph Stresing sagt. Hinter MV liegen demnach nur noch Thüringen und Sachsen-Anhalt.

Beim Start von Neugründungen sieht es Stresing zufolge bisher auch nicht sehr dynamisch aus. Der Verband meldet für Mecklenburg-Vorpommern 2025 ganze 17 Neugründungen. Das sind zwar zwei mehr als im Jahr davor, aber die wenigsten in einem Bundesland überhaupt. Bundesweit stieg die Zahl der Start-up-Gründungen voriges Jahr auf einen Rekord: 3.568 potenzielle Wachstumsfirmen entstanden, 29 Prozent mehr als 2024, wie eine Analyse des Verbands zeigt.

Start-ups Thema im Landtag

Bundesländer müssten ihre Potenziale, gerade in der Forschung, besser ausspielen, so der Verband. Die Politik in MV hat das durchaus erkannt - das Thema beschäftigt den Landtag. Die CDU hat einen Antrag vorgelegt, der am Freitag diskutiert werden soll. Die Oppositionsfraktion will bessere Bedingungen für innovative Gründer in MV schaffen. 

Sie schlägt unter anderem vor, öffentliche Förderprogramme besser auf die besondere Situation von Start-ups zuzuschneiden. So sollte aus Sicht der CDU die Technologieförderung des Landes für die Vorgründungsphase neuer Unternehmen geöffnet werden - in dieser Phase wird etwa die Machbarkeit der Idee geprüft, ein Business-Plan entwickelt und der Finanzbedarf ermittelt.

Auf Initiative der CDU will der Landtag am Freitag über die Start-up-Szene in Mecklenburg-Vorpommern diskutieren. (Archivbild)Jens Büttner/dpa

Auf Initiative der CDU will der Landtag am Freitag über die Start-up-Szene in Mecklenburg-Vorpommern diskutieren. (Archivbild)Jens Büttner/dpa

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Zugang zu Risikokapital

Außerdem müsse der Zugang zu Risikokapital verbessert werden, fordert die Union. Dazu müssten etwa regionale Geldgeber mobilisiert und Co-Investment-Modelle mit öffentlichen Fonds entwickelt werden. So könnten Finanzierungslücken in der Früh- und Wachstumsphase technologieorientierter Gründungen geschlossen werden.

Auch Wirtschaftsminister Wolfgang Blank (parteilos) hat die Bedeutung von Start-ups für die künftige Wirtschaftskraft des Landes erkannt. Er strebt mehr innovative Gründungen an. Erst im Februar war er mit einer Delegation der Universität Greifswald in Texas und besuchte dort die University of Texas Medical Branch (UTMB) in Galveston. Der Minister wollte sich anschauen, wie universitäre Forschungsergebnisse in die Wirtschaft und zum Markterfolg gebracht werden können, hieß es aus dem Ministerium.

Die von Sebastian Braun geführte Firma Cheplapharm gilt als das erste „Einhorn“ unter den Start-Ups in Mecklenburg-Vorpommern mit einer Bewertung von über eine Milliarde Euro. (Archivbild)Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Die von Sebastian Braun geführte Firma Cheplapharm gilt als das erste „Einhorn“ unter den Start-Ups in Mecklenburg-Vorpommern mit einer Bewertung von über eine Milliarde Euro. (Archivbild)Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

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Das erste Einhorn

In MV ist laut Gründungswerft trotz aller Schwierigkeiten bereits ein Einhorn herangewachsen, das 1998 gegründete Pharmaunternehmen Cheplapharm in Greifswald. Als Einhörner werden junge, innovative Unternehmen bezeichnet, die mit mindestens einer Milliarde Euro bewertet werden. Cheplapharm vermarktet etablierte spezialisierte Arzneien, nachdem sie aus dem Patentschutz herausgefallen sind. Die Firma beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 780 Mitarbeiter, die meisten davon in Greifswald, und verzeichnete 2024 einen Umsatz von gut 1,5 Milliarden Euro.

Weltgrößter Wasserstoff-Tanker

Der erst 21 Jahre alte Rostocker Paul Louis Kiesow will mit seiner 2022 gegründeten Firma Hytra UG das nächste Einhorn made in MV werden. Sein Projekt sind Entwicklung und Bau eines 60.000 Kubikmeter fassenden Wasserstoff-Tankers. Zum Vergleich: Der japanische Industriekonzern Kawasaki gab im Januar bekannt, einen Tanker mit einem Fassungsvermögen von 40.000 Kubikmetern bauen zu wollen. Bisher gibt es erst 1.500-Kubikmeter-Tanker.

Er will in ein paar Jahren ein „Einhorn“ sein: Der Rostocker Jungunternehmer Paul Louis Kiesow hat einen Großtanker für flüssigen Wasserstoff entwickelt und pastentieren lasen. Bernd Wüstneck/dpa

Er will in ein paar Jahren ein „Einhorn“ sein: Der Rostocker Jungunternehmer Paul Louis Kiesow hat einen Großtanker für flüssigen Wasserstoff entwickelt und pastentieren lasen. Bernd Wüstneck/dpa

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Der bisher größte Erfolg Kiesows und seiner aktuell 14 Mitarbeiter: Nach der Patentierung des Tankers 2024 konnten sie 2025 einen Geldgeber in Doha (Katar) überzeugen, zehn Millionen Euro in die weitere Entwicklung zu investieren. Die TIN Ltd. (The Intelligence Network) verspricht sich von Großtankern einen effizienten Export von flüssigem Wasserstoff aus der Golfregion in die Märkte Asiens und Europas. 

Kiesows Plan: Für 2028 strebt er zunächst den Bau eines kleinen Demo-Tankers an. Die Fertigung des ersten Großtankers plant er 2030 auf einer Werft in Asien. „Spätestens dann sind wir über eine Milliarde wert.“

Cheplapharm wurde 1998 gegründet. (Archivbild)Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Cheplapharm wurde 1998 gegründet. (Archivbild)Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

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Jüngst hat Kiesow zehn Millionen Euro in Katar für die weitere Entwicklung eingeworben.Bernd Wüstneck/dpa

Jüngst hat Kiesow zehn Millionen Euro in Katar für die weitere Entwicklung eingeworben.Bernd Wüstneck/dpa

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