Wie Naturschützer Bibern das Leben retten wollen
Mehr als 10.000 Unterstützer haben sie schon: Naturschützer fordern, die neue Verordnung zum leichteren Abschuss von Problem-Bibern zurückzunehmen. Was sie an der Regelung besonders kritisieren.
Rund 12.400 Biber gibt es in Baden-Württemberg. (Archivbild)Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
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Mit einer Unterschriften-Aktion wollen Naturschützer erreichen, dass eine neue Verordnung zum leichteren Abschuss von Problem-Bibern zurückgenommen wird. Vier Wochen nach dem Start der Petition ist das nötige Quorum mit 10.000 Unterschriften erreicht, wie die Landesverbände von BUND und Nabu mitteilten. „Damit muss sich der Petitionsausschuss des Themas annehmen.“ Noch bis zum 20. März können Menschen das Anliegen auf dem Online-Portal des Landtags unterstützen und ihre Stimme abgeben.
Abschuss als letztes Mittel
Die grün-schwarze Landesregierung hatte im Januar über die Verordnung informiert, die das bisherige Biber-Management erweitert. Beauftragte Fachleute sollen Biber nun vergrämen können, wenn es keine zumutbaren Alternativen gibt - schnell und ohne bürokratisches Verfahren. Als letztes Mittel können die Tiere getötet werden - aber nur, wenn die andere Maßnahmen nicht helfen und erhebliche Gefahren oder hohe wirtschaftliche Schäden drohen.
Bibern soll es in Baden-Württemberg künftig an den Kragen gehen, wenn sie zu viele Probleme bereiten. (Archivbild)Thomas Warnack/dpa
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BUND und Nabu sehen in der Verordnung einen Rückschritt, der das funktionierende Biber-Management im Land gefährde und rechtliche Unsicherheit schaffe. Die Naturschutzverbände kritisierten Bestrebungen der Politik, „Wildtiere vermehrt zu bejagen und Konflikte mit Schrot und Blei zu lösen“, wie es in der Mitteilung formuliert ist. „Die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht sowie die Biberverordnung im Land scheinen Teil einer politischen Strategie zu sein, die den Artenschutz insgesamt schwächen will.“
Mehr als 12.000 Tiere
Hintergrund der Verordnung ist, dass die Zahl der Biber in den vergangenen Jahrzehnten enorm zugelegt hat. Den Angaben zufolge wurden die Tiere im 19. Jahrhundert in Baden-Württemberg ausgerottet. Unter anderem im Zuge von Wiederansiedlungs-Projekten breiten sie sich seit einiger Zeit wieder aus. Aktuell werde die Population im Land auf rund 12.400 Tiere geschätzt.
Damit nehmen auch Konflikte zu: Während Naturschützer betonen, der Biber verbessere Wasserqualität und Artenschutz, verweisen vor allem Landwirte auf Schäden auf ihren Feldern. Außerdem können durch Biberdämme zum Beispiel Straßen überschwemmt, Eisenbahndämme unterspült und Trinkwasserbrunnen verunreinigt werden. Zu Problemen könne es auch bei Kläranlagen, Kanälen von Wasserkraftanlagen und Hochwasserschutzbecken kommen.