Weinbau Saale-Unstrut: Sorgen trotz voller Keller
Wie reagieren Winzer an Saale-Unstrut auf sinkende Nachfrage bei vollen Lagern? Der Verband fordert ein Umdenken bei Produktion und Vermarktung.
Die Weinregion Saale-Unstrut ist das nördlichste deutsche Qualitätsweinanbaugebiet und umfasst etwa 847 Hektar Fläche.Bodo Schackow/dpa
© Bodo Schackow/dpa
Die Winzer an Saale-Unstrut blicken trotz einer guten Weinlese im vergangenen Jahr mit Unsicherheit in die Zukunft. Die Weinbranche stecke aufgrund von Kaufzurückhaltung und eines generell rückläufigen Weinkonsums in einer Krise, erklärte der Präsident des Weinbauverbands Saale-Unstrut, Andreas Clauß, zum Weinbautag in Naumburg. Der Wein und die Vermarktung müssten daher neu gedacht werden.
„In den letzten Jahrzehnten haben wir gelernt, höhere Erträge zu erreichen, nun gilt es umzudenken, um marktgerechte Mengen zu produzieren“, sagte Clauß. Eine übergroße Weinmenge sei sicherlich ein Stück weit naturgegeben, aber durchaus auch durch die Winzer steuerbar. Es gelte, die Produktion in diesem Jahr anzupassen.
Weniger Menge, mehr Markt
„Wir müssen es schaffen, beste Qualitäten in vernünftigen Mengen zu produzieren, damit wir weiterhin als kleines Weinbaugebiet in einem internationalen Markt bestehen können.“ Aufgrund der allgemeinen Absatzprobleme seien künftig auch Flächenstilllegungen nicht ausgeschlossen, sagte Clauß. Derzeit seien diese aber nicht akut.
Die Keller der Winzer seien gegenwärtig wieder gut gefüllt. Nach Verbandsangaben konnte 2025 an Saale und Unstrut eine - über die Jahre gesehen - reichliche Ernte eingefahren werden. Die Gesamtmenge liege allein in Sachsen-Anhalt bei rund 5,2 Millionen Liter und somit deutlich über dem langjährigen Mittel der Saale-Unstrut-Region, hieß es.
Kleines Anbaugebiet
Die Weinregion Saale-Unstrut ist das nördlichste deutsche Qualitätsweinanbaugebiet und erstreckt sich über die Bundesländer Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg. Mit etwa 847 Hektar Fläche rangiert es nach seiner Größe im hinteren Drittel der 13 deutschen Weinbaugebiete. Der Weinbauverband zählt nach eigenen Angaben 241 Mitglieder, die rund 90 Prozent der Rebfläche des Anbaugebietes repräsentieren.
Aus Sicht des Weinbauverbandes müssen unter anderem bei der Vermarktung neue Wege eingeschlagen werden.Bodo Schackow/dpa
© Bodo Schackow/dpa