dpa

Weinanbau in Berlin: Warum Trockenheit ein Vorteil ist

Wein aus Berlin? Die Reben wachsen mitten im Hauptstadttrubel. Warum Dauerregen für Weinbauern in Berlin ein deutlich größeres Problem als Trockenheit ist.

Von Simon Krenge, dpa

24.08.2026

Gärtner Kevin Köstner vom Bezirksamt Mitte kniet vor einem Weinstock mitten in der deutschen Hauptstadt. Michael Brandt/dpa

Gärtner Kevin Köstner vom Bezirksamt Mitte kniet vor einem Weinstock mitten in der deutschen Hauptstadt. Michael Brandt/dpa

© Michael Brandt/dpa

Weinanbau und Berlin - für den Gärtner Kevin Köstner passt das gut zusammen. Er betreut den Weinberg am Humboldthain im Stadtteil Wedding für das Straßen- und Grünflächenamt Mitte. Dort wachsen rund 220 Rebstöcke von der pilzresistenten Weinsorte „Souvignier gris“. Laut Bezirksamt entstehen daraus rund 200 Flaschen „Hauptstadtsekt“ im Jahr.

Der Klimawandel und die damit verbundene Erderwärmung sind nach Einschätzung des Gärtners im speziellen Fall des kleinen Weingartens eher vorteilhaft. „Für uns ist hier das perfekte Wetter: Wir haben fast den ganzen Tag Sonne. Das mag der Wein.“ Zusätzlich bewässern die Mitarbeiter die Reben über ein Schlauch-System mit Wassertröpfchen. 

„Regen ist der schlimmste Feind des Winzers bei der Lese“

Für größere Weingebiete sei der Klimawandel allerdings ein Problem. „Eigentlich ist die Klimaerwärmung nicht gut, weil es zu lange Trockenheit gibt“, stellt Köstner fest. Oft fehle auf Weinbergen ein Wasseranschluss, so bekämen die Rebstöcke nicht genug Flüssigkeit.

Für den Berliner Wein sei Regen aber schädlicher als Hitze, „weil die Reben anfangen zu schimmeln. Regen ist der schlimmste Feind des Winzers bei der Lese“, weiß der gelernte Gärtner. „Letztes Jahr war verdammt schlecht, weil viel Regen war.“ Die Feuchtigkeit mindere die Qualität.

Gerade wachsen dort bis zur Lese im September Rebstöcke der Sorte „Souvignier gris“, eine pilzwiderstandsfähige Weinsorte.Michael Brandt/dpa

Gerade wachsen dort bis zur Lese im September Rebstöcke der Sorte „Souvignier gris“, eine pilzwiderstandsfähige Weinsorte.Michael Brandt/dpa

© Michael Brandt/dpa

Die geernteten Trauben werden in der Gemeinde Achkarren (Baden-Württemberg) versektet. Zum freien Verkauf steht der „Hauptstadtsekt“ nicht. Er dient als Geschenk für Ehrengäste des Bezirksamtes Mitte. Alle zwei bis drei Jahre kann der Sekt laut Köstner auch auf Weinfesten gekostet werden. „Da wird der Wein dann ausgeschenkt. Die Bevölkerung kann kommen und probieren.“ Seit 1987 baut das Straßen- und Grünflächenamt Wein am Humboldthain an.

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg baut ebenfalls Weinreben an und bekräftigt Köstners Einschätzung: „Hitze und Trockenheit mag die Rebe - sie kommt aus dem Süden. Die jungen Reben müssen bewässert werden.“ In Kreuzberg dient der Rot- und Weißwein als Geschenk oder kann gegen eine Spende abgeholt werden.

Mehrere Weingärten in Berlin aktiv

Neben den Weinstöcken am Humboldthain und Kreuzberg gibt es in der Hauptstadt noch weitere Weingärten, etwa in Neukölln und Pankow. Meist werden sie von Vereinen betrieben, die ihren Wein teils auch verkaufen. Möglich wurde der reguläre Weinbau in Berlin Anfang 2016 durch Änderungen des europäischen und deutschen Weinrechts sowie eine entsprechende Anpassung des Berliner Weinrechts durch den Senat. 

Damit wurde der Weinbau in Berlin rechtlich auf eine neue Grundlage gestellt und eine reguläre Vermarktung des erzeugten Weins ermöglicht. Seitdem können für geeignete Flächen Genehmigungen für Neuanpflanzungen beantragt werden. 

Mitten in der deutschen Hauptstadt wächst Wein. Dahinter fährt die S-Bahn. Michael Brandt/dpa

Mitten in der deutschen Hauptstadt wächst Wein. Dahinter fährt die S-Bahn. Michael Brandt/dpa

© Michael Brandt/dpa

Der Weingarten in Neukölln ist deutlich größer als der am Humboldthain. Dort wachsen nach Angaben des Fördervereins Britzer Weinkultur auf knapp 5.000 Quadratmetern rund 1.800 Weinreben. Vereinsmitglied Günter Röder berichtet ebenfalls von Vorteilen durch viel Sonnenschein. Zugleich spricht er von steigenden Bewässerungskosten bei wenig Regen. 

Der Verein bietet in Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Agrarbörse Deutschland Ost seinen selbst hergestellten Wein in einem Hofladen und bei kulturellen Veranstaltungen an. „Wir wollen mit unseren Weinen zeigen, dass auch in Berlin ein guter Wein gekeltert werden kann“, betont Röder. 

Winzer erwarten eine erfolgreiche Weinlese

„Seit Jahren werden auch bei uns die nördlicheren Gebiete immer mehr zum Weinanbau genutzt, weil klimabedingt die Rahmenbedingungen sich immer stärker dazu eignen“, meint er. Daher wäre es aus seiner Sicht sinnvoll, den Weinanbau in Berlin zu erweitern. 

Jedoch seien dafür zusätzliche Flächen und Startkapital nötig. Außerdem bräuchten die Reben je nach Pflanzalter drei bis fünf Jahre, um vollen Ertrag zu bringen. Günter Röder bedauert eine fehlende Agrarförderung.

Auch in anderen Bezirken gibt es Weingärten.Michael Brandt/dpa

Auch in anderen Bezirken gibt es Weingärten.Michael Brandt/dpa

© Michael Brandt/dpa

In Pankow wachsen rund 400 Weinstöcke im Schaugarten am Wasserturm Prenzlauer Berg. Der Förderverein Weingarten bietet bei Veranstaltungen „klassischen Riesling mit typischem Geschmack“ an. Der Wein sei bei Gästen beliebt als Berliner Souvenir, sagt der Vorsitzende Frank Pietsch. Alle befragten Winzer erwarten in diesem Jahr eine erfolgreiche Weinlese im September.

Die Winzer erwarten eine erfolgreiche WeinleseMichael Brandt/dpa

Die Winzer erwarten eine erfolgreiche WeinleseMichael Brandt/dpa

© Michael Brandt/dpa

Karte

Weitere Themen