Was Bahn-Reisende in Nürnberg und Regensburg wissen müssen
Fünf Monate Sperrung: Wer zwischen Nürnberg und Regensburg mit dem Zug pendelt, muss viel mehr Zeit einplanen. Welche Umwege und Ersatzbusse jetzt wichtig werden.
Während der Generalsanierung wird der Fernverkehr über Ingolstadt umgeleitet. Daniel Karmann/dpa
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Die Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Regensburg gehört zu den wichtigsten Verkehrsachsen in Bayern. Nun wird sie über Monate gesperrt. Der Grund: Die Deutsche Bahn (DB) wird eigenen Angaben nach Gleise, Weichen, Oberleitungen und Bahnhöfe entlang der rund 90 Kilometer langen Bahnlinie umfassend sanieren. Am Abend sollten die Oberleitungen abgeschaltet und somit die Bauphase eingeläutet werden.
Der Abschnitt gehört nach DB-Angaben mit mehr als 350 Zügen täglich zu den verkehrsreichsten Strecken in Bayern und gilt insofern als hochbelastet. Die Infrastruktur sei teilweise veraltet und sehr störanfällig. Für die Maßnahme sind knapp 1,4 Milliarden Euro an Kosten vorgesehen. Den Startschuss gab Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) zusammen mit Gerd-Dietrich Bolte, Infrastrukturplanungs-Vorstand bei der Bahn, in Neumarkt in der Oberpfalz.
Was Reisende zu der Generalsanierung wissen müssen:
Wann wird gebaut?
Die Generalsanierung hat am Freitag begonnen. Laut DB sollen die Bauarbeiten fünf Monate dauern und am 10. Juli enden.
Was wird saniert?
Entlang der Bahnlinie sollen auf 96 Kilometern neue Gleise verlegt und auf 81 Kilometern Oberleitungen erneuert werden. 20 Bahnhöfe sollen modernisiert und so barrierefrei sowie 74 Weichen erneuert werden.
An sieben Stationen sollen etwa Bahnsteige neu errichtet werden, damit Reisende künftig stufenlos in die Züge steigen können. In Beratzhausen (Landkreis Regensburg) und Parsberg (Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz) sollen zum Beispiel Aufzüge eingebaut werden.
Ein Fokus liegt laut der Bahn auf der Sanierung eines 37 Meter hohen Bahndamms bei Deining (Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz), der sich seit vielen Jahren verformt. Außerdem wird an einer Brücke bei Burgthann gebaut.
Gibt es einen Ersatzverkehr?
Ja, während der Generalsanierung fahren im Regionalverkehr zwischen Nürnberg und Regensburg purpurfarbene Busse auf den Linien S3, RE 22, RE 50 und RB 51. Auf jeder Linie soll es mehrere Busse pro Stunde geben. Die Fahrtzeit verlängert sich dabei aber beträchtlich: Während man normalerweise mit dem RE 50 knapp eine Stunde von Nürnberg nach Regensburg braucht, wird es mit dem Bus doppelt so lange dauern.
Dazu gibt es Expressbusse, die über die Autobahn fahren. Außerdem kann man per Zug mit der Linie RE 40 von Nürnberg über Schwandorf nach Regensburg fahren. Die Fahrtzeit beträgt eine Stunde und 40 Minuten.
Ersatzverkehr wird es auch auf angrenzenden Strecken zwischen Ingolstadt und Regensburg sowie München und Passau geben, weil Güterzüge wegen der Bauarbeiten umgeleitet werden müssen. Damit das klappt, muss laut Bahn der Zugverkehr auf diesen Strecken ausgedünnt werden.
Reisende müssen sich auf längere Fahrtzeiten gefasst machen.Daniel Karmann/dpa
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Mehr Zeit im Fernverkehr nötig
Im Fernverkehr müssen die Reisenden vor allem mehr Zeit mitbringen. ICE-Züge werden von Nürnberg über Ingolstadt umgeleitet und brauchen rund eine Stunde länger als bisher, um nach Regensburg zu kommen.
Zusätzlich wird ein ICE pro Tag und Richtung von München über Landshut, Regensburg und Passau nach Wien fahren. Alle weiteren ICE-Züge beginnen beziehungsweise enden bereits in Nürnberg.
Weil dann zwischen Nürnberg und München noch mehr Züge fahren werden als sonst, werden die ICE bis zu 15 Minuten länger für die Strecke brauchen.
Wo findet man Informationen?
Reisende können sich auf der Website der Deutschen Bahn oder in der App DB Navigator über alternative Verbindungen informieren. Außerdem hat die Bahn einen WhatsApp-Kanal „Generalsanierung Nürnberg - Regensburg“ eingerichtet, in dem es regelmäßig Informationen zu den Bauarbeiten gibt.
Wer ist sonst noch betroffen?
Das private Eisenbahnunternehmen Agilis muss wegen der Generalsanierung Nürnberg-Regensburg und der anschließenden Generalsanierung zwischen Obertraublingen und Passau nach eigenen Angaben über zehn Monate seinen Betrieb einschränken. „Mir ist kein Fall bekannt, in dem ein Netz durch eine so einschneidende Baumaßnahme über einen derart langen Zeitraum zu weiten Teilen lahmgelegt wird“, teilte der betriebliche Geschäftsführer Axel Hennighausen mit. Agilis hatte deshalb dafür plädiert, die Strecke immer nur teilweise statt komplett zu sperren.
Was sagen Fahrgastverband und Gewerkschaft?
Der Fahrgastverband Pro Bahn bemängelt, dass die Auswirkungen in fast ganz Bayern zu spüren seien. „Sogar noch zwischen Augsburg und Donauwörth fallen deswegen Züge aus, weil Güterzüge umgeleitet werden müssen“, sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende Lukas Iffländer dem Bayerischen Rundfunk. Insgesamt sei die fünfmonatige Vollsperrung aber weniger schmerzhaft als es eine jahrelange Bautätigkeit im laufenden Betrieb wäre. Es gab auch Lob: So habe sich die Bahn bei den Ersatzbussen „richtig Mühe“ gegeben, sagte Iffländer.
Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) betrachtet die Generalsanierung als dringend notwendig, sieht aber die Hauptlast bei den Eisenbahnern. Für sie bedeute das: „Dienstplanänderungen, Versetzungen quer durch Bayern und spürbare Einschnitte ins Privatleben. Von den Beschäftigten wird höchste Flexibilität erwartet – vom verlegten Urlaub bis zu mehrmonatigen Einsätzen fern der Familie“, sagte Bayerns GDL-Vorsitzender Uwe Böhm. Letztlich sei die Generalsanierung „in weiten Teilen die Aufarbeitung jahrzehntelanger Versäumnisse bei Instandhaltung und Investitionen“.
Wie geht es mit den Bahn-Baustellen in Bayern weiter?
Im zweiten Halbjahr 2026 wird die Strecke zwischen Obertraubling und Passau für Bauarbeiten gesperrt. Von Juni bis Dezember fahren dort ebenfalls keine Züge mehr. 2027 kommt die stark frequentierte Strecke zwischen Rosenheim und Salzburg an die Reihe, 2028 folgen die Strecke zwischen München und Rosenheim sowie die vor allem für den Güterverkehr relevante Strecke zwischen Würzburg und Treuchtlingen.
Die Bauarbeiten sollen fünf Monate bis zum 10. Juli dauern.Daniel Karmann/dpa
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