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Job-Chance für Behinderte: Elektro-Firma zeigt, wie’s geht

Menschen mit Behinderungen haben es oft schwer, Arbeit zu finden. Ein Unternehmen in Hohenstein-Ernstthal hat zwei gehörlosen Frauen eine Chance gegeben. Wie das im Arbeitsalltag läuft.

Von dpa

11.08.2026

Die gehörlose Uliana Zghodzynska arbeitet seit vorigem Jahr in der Herstellung von Kabelverbindern bei der Haufe GmbH in Hohenstein-Ernstthal (Landkreis Zwickau). Bodo Schackow/dpa

Die gehörlose Uliana Zghodzynska arbeitet seit vorigem Jahr in der Herstellung von Kabelverbindern bei der Haufe GmbH in Hohenstein-Ernstthal (Landkreis Zwickau). Bodo Schackow/dpa

© Bodo Schackow/dpa

Uliana Zghodzynska hat durch eine Krankheit ihr Gehör verloren. Für die 27-jährige Ukrainerin war es daher zusätzlich schwer, in Deutschland Fuß zu fassen. Erst recht bei der Suche nach einem Job. Zwei Jahre habe sie Arbeit gesucht, erklärt sie per Übersetzer-App. „Besonders schwer war es, weil ich nicht fließend Deutsch sprechen und hören kann.“ Seit vorigem Jahr ist sie Teil des Teams der Haufe GmbH in einem Gewerbegebiet in Hohenstein-Ernstthal (Landkreis Zwickau). Zusammen mit Yuliia Romanschuk, die von Geburt an gehörlos ist und ebenfalls aus der Ukraine stammt. 

Für das Familienunternehmen mit knapp 30 Beschäftigten sei das in dieser Form Neuland gewesen, erzählt Geschäftsführer Dirk Haufe. Das Unternehmen fertigt Kabelsätze und Spezialkabel auch in kleinen Stückzahlen. Abnehmer ist die Automobilindustrie, aber auch in Medizin- und Labortechnik sowie in Hausgeräten finden sich die Kabel.

„Sie haben sich super eingearbeitet, und ihre Arbeit ist ein selbstverständlicher Teil unserer Fertigung geworden“, konstatiert Haufe mit Blick auf die neuen Mitarbeiterinnen. „Was mich beeindruckt ist, welchen Leistungswillen sie an den Tag legen und welche Fähigkeiten sie entwickelt haben, nur durch Beobachten Zusammenhänge zu verstehen.“

Weil sie nichts hört, kommuniziert Yuliia Romanschuk über eine Handy-App mit ihrem Kollegen Kevin Meißner. Bodo Schackow/dpa

Weil sie nichts hört, kommuniziert Yuliia Romanschuk über eine Handy-App mit ihrem Kollegen Kevin Meißner. Bodo Schackow/dpa

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Viele Betriebe erfüllen Vorgabe nicht - Strafabgabe

Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten sind laut Bundesagentur für Arbeit verpflichtet, mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit Schwerbehinderten oder ihnen Gleichgestellten zu besetzen. Das seien in Sachsen etwa 8.860 Betriebe, so die Regionaldirektion. Dafür gibt es Unterstützungsangebote - vom Eingliederungszuschuss über Zuschüsse für erforderliche Technik am Arbeitsplatz bis hin zur Möglichkeit der Probebeschäftigung. 

Doch längst nicht alle der Unternehmen erfüllen die gesetzliche Vorgabe. Mehr als 2.100 beschäftigen gar keine Menschen mit Behinderung, obwohl sie dazu verpflichtet wären. Das ist laut Regionaldirektion etwa jeder Vierte. Weitere rund 36 Prozent erfüllten die Vorgabe nur zum Teil. Firmen, die dieser Pflicht nicht nachkommen, müssen den Angaben zufolge eine Abgabe von bis zu 720 Euro pro Monat und Platz bezahlen. 

Die Zahlen beziehen sich auf 2024. Die statistische Erfassung und Auswertung erfolge immer erst mit einigem zeitlichem Abstand, sodass die genauen Daten stets erst mit einiger Verzögerung zur Verfügung stünden, heißt es.

Menschen mit Behinderung sind oft gut ausgebildet

Häufig seien Vorurteile eine große Hürde, warum Unternehmen keine Menschen mit Behinderung einstellen, sagt der Chef der Regionaldirektion, Klaus-Peter Hansen. Dabei ließen sich Einschränkungen durch Handicaps oft mit Hilfsmitteln überwinden. Zudem brächten sie häufig ganz spezielle Kompetenzen auf anderen Gebieten mit. 

Es gebe viele positive Beispiele, die man meist nicht erwarten würde - etwa einen Kampfsporttrainer im Rollstuhl oder einen fast blinden CNC-Präzisionsdreher. Die Erfahrung zeige, dass Unternehmer, die selbst im Umfeld mit behinderten Menschen zu tun haben, eher bereit seien, solche Menschen im eigenen Betrieb zu beschäftigten, sagt Hansen. 

Der Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Klaus-Peter Hansen: „Menschen mit Behinderung sind in Sachsen ein wichtiges Fachkräftepotenzial.“Bodo Schackow/dpa

Der Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Klaus-Peter Hansen: „Menschen mit Behinderung sind in Sachsen ein wichtiges Fachkräftepotenzial.“Bodo Schackow/dpa

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Und diese seien oft gut qualifiziert. Zudem könnten sie helfen, den Mangel an Fachkräften in manchen Berufen zu begegnen. Hansen: „Menschen mit Behinderung sind in Sachsen ein wichtiges Fachkräftepotenzial - gut ausgebildet, motiviert und in vielen Branchen längst unverzichtbar.“

In den vergangenen Jahren ist aber die Arbeitslosigkeit auch in dieser Gruppe gestiegen. Im ersten Corona-Jahr 2020 waren es noch etwas mehr als 8.200, 2025 rund 9.500. Zwei Drittel von ihnen hätten einen Berufsabschluss oder eine akademische Ausbildung - mehr als der Durchschnitt der Arbeitslosen in Sachsen (59,3 Prozent). Viele Menschen mit Behinderung arbeiten laut Statistik in der Verwaltung, aber auch im Verarbeitenden Gewerbe. Vergleichsweise wenige sind es in der Landwirtschaft, in der Zeitarbeit und im Gastgewerbe. 

„Die Zusammenarbeit im Arbeitsalltag funktioniert sehr gut.“

Für seinen Betrieb seien die beiden gehörlosen Mitarbeiterinnen eine große Bereicherung, resümiert Unternehmer Haufe. Zu ihren Aufgaben zähle etwa das Bestücken von Steckergehäusen. Zudem arbeiteten sie etwa an einem Prüfplatz für elektrische Baugruppen oder bedienten einen Kabel-Vollautomaten. 

„Die Zusammenarbeit im Arbeitsalltag funktioniert sehr gut“, sagt Haufe. Neben der Verständigung per Übersetzungs-App helfen auch bildliche Darstellungen in Arbeitsanweisungen. „Und falls es doch mal Verständigungsschwierigkeiten gibt, helfen wir uns zur Not auch mal mit Händen und Füßen.“

Trotz Behinderung eine geschätzte Mitarbeiterin: Die gehörlose Yuliia Romanschuk fertigt beim Unternehmen Haufe in Hohenstein-Ernstthal (Landkreis Zwickau) Kabelverbinder. Bodo Schackow/dpa

Trotz Behinderung eine geschätzte Mitarbeiterin: Die gehörlose Yuliia Romanschuk fertigt beim Unternehmen Haufe in Hohenstein-Ernstthal (Landkreis Zwickau) Kabelverbinder. Bodo Schackow/dpa

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