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Trockenheit setzt Böden teils zu – Waldbrandgefahr steigt

Der letzte Regen ist lange her, dafür steigen die Temperaturen. Hat das bereits Folgen für die Natur in Hessen?

Von dpa

30.04.2026

Komplett trocken ist diese Acker im südhessischen Ried.Boris Roessler/dpa

Komplett trocken ist diese Acker im südhessischen Ried.Boris Roessler/dpa

© Boris Roessler/dpa

Sonne satt und sommerliche Temperaturen: In Hessen herrscht weiterhin bestes Frühlingswetter. Am 1. Mai sind laut dem Deutschen Wetterdienst gar bis zu 26 Grad möglich. Regen? Fehlanzeige. Erst für Samstag sagen die Meteorologen wieder ein zunehmendes Schauerrisiko vorher. 

„Was vor allem Sonnenliebhaber freut, lässt Landwirte und Gärtner doch zunehmend die Stirn runzeln“, gibt DWD-Meteorologe Oliver Reuter zu bedenken. Der in Teilen Deutschlands dringend benötigte Regen für das Pflanzenwachstum bleibe auch in den kommenden Tagen weiter aus. Frühestens am Wochenende könnte es einen Wetterumschwung geben.

Pflanzenexperte sieht momentan noch keine Probleme

Für Hessen sieht Agrarmeteorologe Andreas Brömser das Thema Trockenheit weniger kritisch: „Im Moment gibt es kein Problem“, sagte der Pflanzenexperte des DWD der Deutschen Presse-Agentur. Vergleiche man die aktuelle Bodenfeuchte in Hessen mit dem langjährigen Durchschnitt seit Anfang der 1990er Jahre, zeigten sich regionale Unterschiede: Nordhessen liege immer noch im Durchschnitt, während es in der Mitte und im Süden des Bundeslandes an der Oberfläche trockener sei als üblicherweise Ende April. 

„Aber in tieferen Schichten ist noch genug Winterfeuchte vorhanden, so dass sich jede Pflanze noch problemlos mit Wasser versorgen kann“, so Brömser. Bis Landwirtschaft und Natur Probleme bekämen, müsste es weitere drei bis vier Wochen trocken bleiben. 

Wind trocknet Böden zusätzlich aus

Aktuell könne noch nicht von Ertragsschäden gesprochen werden, erklärte auch der hessische Bauernverband. Noch sei laut DWD kein extremer Trockenstress im Oberboden festzustellen. „Dennoch sind Anschlussniederschläge für eine gute Wasserversorgung für Kulturen mit noch wenig Wurzeltiefe wichtig“, erläuterte Pressesprecherin Marie-Claire von Spee. 

Trockenheit, Wind und fehlende Niederschläge beeinflussen die Entwicklung frisch gesäter Pflanzen wie etwa Zuckerrüben. (Symbolbild)Patrick Pleul/dpa

Trockenheit, Wind und fehlende Niederschläge beeinflussen die Entwicklung frisch gesäter Pflanzen wie etwa Zuckerrüben. (Symbolbild)Patrick Pleul/dpa

© Patrick Pleul/dpa

Problematisch sei neben den fehlenden Niederschlägen und hohen Temperaturen auch der aktuell häufig wehende Wind, der den Boden zudem stark austrockne. Die Frühjahrstrockenheit sei in diesem Jahr tendenziell früher und treffe damit fast alle Kulturpflanzen in empfindlichen Entwicklungsstadien. Sie benötigten für ihr Wachstum und ihre Gesundheit Wasser und Nährstoffe. Bleibe das aus, könne die Pflanze nicht wachsen und es könne zu Ertragsschäden kommen. Sie sei zudem anfälliger für Schädlinge und Krankheiten. 

Junge Pflanzen brauchen Wasser und Nährstoffe

Betroffen seien derzeit je nach regionalen Bedingungen und Boden vor allem die erst im Frühjahr ausgesäten Kulturen wie beispielsweise Zuckerrüben und Braugerste. Die noch jungen Pflanzen seien am Beginn ihrer Entwicklung und benötigten nun für ein gesundes Wachstum Wasser und Nährstoffe aus dem Boden. „Zudem haben diese ein noch nicht so ausgeprägtes Wurzelsystem“, führte von Spee aus. 

Das treffe auch auf Mais zu, der in den vergangenen Wochen erst gesät wurde oder noch ausgesät wird. Er benötige Wasser für die Keimung. „Insbesondere auf flachgründigen oder sandigen Böden gibt es nur wenig Wasserspeicherkapazität.“

Landwirte wünschen sich Regen

Für eine langfristige Prognose sei es noch zu früh, „insbesondere auch aufgrund der großen regionalen Unterschiede, von Niederschlagsmengen über die Qualität des Bodens bis hin zu den Temperaturen“. Je nachdem wie lange es trocken sei und bleibe, werd das Wachstum und damit später auch die Ertragsbildung der Pflanzen gehemmt. Wünschenswert seien Niederschläge zwischen den warmen und trockenen Tagen für die Versorgung im Oberboden, erklärte von Spee. 

Waldbrandgefahr in Hessen gestiegen

Die anhaltenden Trockenheit hat die Waldbrandgefahr in Hessen bereits steigen lassen: Der Waldbrand-Gefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes (DWD) hat fast überall im Bundesland die Stufen drei (mittlere Gefahr) und vier (hohe Gefahr) erreicht. 

Die anhaltende Trockenheit in Hessen sorgt für steigende Waldbrandgefahr. (Archivbild)Boris Roessler/dpa

Die anhaltende Trockenheit in Hessen sorgt für steigende Waldbrandgefahr. (Archivbild)Boris Roessler/dpa

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Die höchste Gefahrenstufe fünf wird aber wohl bis einschließlich Sonntag in Hessen nicht erreicht. In Nachbarregionen Hessens ist jedoch es schon so weit: Am Donnerstag und Freitag herrscht Gefahrenstufe fünf im Süden von Rheinland-Pfalz und in Unterfranken. 

So verhalten Sie sich im Notfall richtig

Das hessische Landwirtschaftsministerium gibt bei Waldbrandgefahr folgende Verhaltenstipps: 

  • Kein offenes Feuer in Wäldern machen
  • Nur auf ausgewiesenen Grillplätzen grillen
  • Im Wald nie rauchen 
  • Nur auf ausgewiesenen Parkplätzen parken - heiße Katalysatoren der Auspuffrohre können trockenes Gras entzünden
  • Brände oder Rauch sofort über die Notrufnummer 112 melden
Mit einem Wetterumschwung ist laut dem Deutschen Wetterdienst frühestens am Wochenende zu rechnen. (Symbolbild)Sascha Ditscher/dpa

Mit einem Wetterumschwung ist laut dem Deutschen Wetterdienst frühestens am Wochenende zu rechnen. (Symbolbild)Sascha Ditscher/dpa

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Noch ist die Trockenheit kein Problem. (Archivbild)Helmut Fricke/dpa

Noch ist die Trockenheit kein Problem. (Archivbild)Helmut Fricke/dpa

© Helmut Fricke/dpa

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