Sieben Jahre Haft nach Armbrust-Angriff auf Ex-Vermieter
Mit einer Armbrust soll ein Mann auf seinen ehemaligen Vermieter geschossen haben. Vor Gericht spricht der 37-Jährige von Kränkung und Existenzängsten nach der Kündigung. Nun fiel das Urteil.
„Es fing damit an, dass ich eine Krise hatte“, sagte der Angeklagte vor Gericht.Felix Müschen/dpa
© Felix Müschen/dpa
Nachdem ein Senior im März im Kreis Rendsburg-Eckernförde mit einer Armbrust schwer verletzt worden war, hat das Landgericht einen 37-Jährigen wegen versuchten Morden und gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Der Angeklagte erhält eine siebenjährige Haftstrafe, wie ein Sprecher des Gerichts mitteilte. Zudem müsse er 50.000 Euro Schmerzensgeld an das Opfer zahlen. Zuvor berichtete der „NDR“.
Die Staatsanwaltschaft hatte dem Mann beim Prozessauftakt am 24. August vorgeworfen, heimtückisch versucht zu haben, den Mann zu töten. „Der Angeklagte bewegte sich zur Wohnanschrift mit der Absicht, den Mann aus Wut zu töten, weil dieser ihm die Mietwohnung gekündigt hatte“, sagte Staatsanwalt Achim Hackethal. Dafür habe er eine Armbrust und 19 Bolzen dabeigehabt.
Verteidigung kündigt Revision an
Nach Ansicht der Richter konnte eine psychische Erkrankung nicht ausgeschlossen werden. Dies wurde strafmildernd gewertet. Ebenso ging es um die Frage, ob der Angeklagte an einer autistischen Störung leidet. Eine Gutachterin bestätigte eine frühere Diagnose jedoch nicht. Wie der NDR berichtete, kündigte der Verteidiger des Angeklagten an, in Revision zu gehen.
Nach Angaben des Angeklagten hatte er sich wegen der Probleme mit dem Vermieter und schließlich der fristlosen Kündigung am Abend des 16. März mit dem Fahrrad und der Armbrust zum Grundstück des Vermieters aufgemacht. Ihn habe ein „Gefühlschaos aus Kränkung und Existenzängsten“ begleitet, hatte der Mann vor Gericht erklärt. Er sei dabei ganz in Schwarz gekleidet gewesen und habe Handschuhe getragen, um nach eigener Aussage keine Fingerabdrücke zu hinterlassen. Gleichzeitig habe er mit sich gerungen, ob er die Tat überhaupt durchziehen solle.
Bolzen traf Ex-Vermieter in die Brust
Als der Angeklagte an der Wohnung eintraf, klingelte er laut Staatsanwalt an der Tür des 73-Jährigen und wartete auf der gegenüberliegenden Straßenseite, bis sich die Tür öffnete. Um in der Dunkelheit unentdeckt zu bleiben, trug er schwarze Kleidung. Als die Tür aufging, drehte er sich um und schoss ohne Vorwarnung auf den Senior. Ein Bolzen traf ihn in die Brust, so die Anklage. Die Ehefrau des Schwerverletzten zog ihn in die Wohnung und verriegelte die Tür. Der Angeklagte konnte nach der Tat von der Polizei gestellt und festgenommen werden - seitdem sitzt er in Haft.
Nach Angaben von Hackethal durchbohrte der Bolzen den rechten Lungenflügel des Mannes. Noch in der Nacht wurde er operiert, verbrachte vier Wochen auf der Intensivstation und musste zeitweise im Koma künstlich beatmet werden. Ende April konnte er das Krankenhaus verlassen.