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Mehr Komfort und Tempo - Frecciarossa auf Probefahrt

Ledersitze, kostenlose Drinks und kein Umsteigen mehr - im Frecciarossa sollen Fahrgäste bequem nach Italien reisen können. Zurzeit ist der Zug aber noch ein rollendes Testlabor.

Von Irena Güttel, dpa

02.09.2026

Der italienische Schnellzug soll ab Sommer 2027 München mit Rom und Mailand verbinden. Daniel Karmann/dpa

Der italienische Schnellzug soll ab Sommer 2027 München mit Rom und Mailand verbinden. Daniel Karmann/dpa

© Daniel Karmann/dpa

Bequem mit dem Zug nach Rom oder Mailand - das soll künftig mit dem italienischen Schnellzug Frecciarossa gehen. Ohne Umsteigen, in gemütlichen Ledersitzen oder gegen Aufpreis in drehbaren Sesseln mit Fußstütze, kostenlosen Getränken und Speisen. Doch bis dahin sind noch etliche Probefahrten nötig, damit der Frecciarossa über deutsche und österreichische Schienen rollen kann. 

Ein erster umgerüsteter roter Pfeil - so heißt der Zug auf Deutsch übersetzt - ist seit Mitte Juni testweise zwischen Nürnberg und Ingolstadt sowie zwischen Leipzig und Erfurt unterwegs. Ein zweites Fahrzeug fährt seit August in Österreich von Kufstein bis zum Brenner sowie zwischen Salzburg und Wien. 

An diesem Tag steht der italienische Schnellzug allerdings vor typisch deutschen Problemen: Wegen einer Weichenstörung startet die Probefahrt nicht in Ingolstadt, sondern in Kinding, einer Regionalzug-Haltestelle auf der Strecke nach Nürnberg. Von außen ist der Frecciarossa mit Graffiti beschmiert. Außerdem muss eine der drei geplanten Testfahrten wegen eines Personenunfalls auf der Strecke ausfallen. 

Geplant sind fünf Verbindungen täglich 

Noch steht deshalb nur auf dem Papier, wie die Fahrgäste von der neuen Direktverbindung von Deutscher Bahn (DB), Trenitalia und Österreichische Bundesbahnen profitieren sollen: Ab Sommer 2027 soll täglich nach DB-Angaben zunächst ein Zug von München nach Rom und einer nach Mailand fahren - und eine Zeitersparnis auf der Strecke von 45 beziehungsweise 75 Minuten bringen. Später soll es fünf Verbindungen täglich geben. Ab Dezember 2028 ist zudem eine Verlängerung nach Berlin und Neapel geplant. 

Zurzeit gleicht der 200 Meter lange Schnellzug vor allem einem rollenden Testlabor: Im Inneren ziehen sich lange Kabel für die Messtechnik an der Decke entlang. Sandsäcke liegen auf dem Boden und auf Sitzen, um das Gewicht von Fahrgästen und Gepäck zu simulieren. Der Teppich ist zum Schutz mit Gummimatten bedeckt. Die drehbaren Luxussitze sind ausgebaut, um großen Wassertanks Platz zu machen, die bei Bremstests Flüssigkeit auf die Schienen sprühen. Ein Waggon beherbergt lange Tische mit Computern, an die die zahlreichen Sensoren Daten übermitteln. 

In einem Waggon ist ein Testlabor eingerichtet. Daniel Karmann/dpa

In einem Waggon ist ein Testlabor eingerichtet. Daniel Karmann/dpa

© Daniel Karmann/dpa

„Wir testen heute die Aerodynamik des Stromabnehmers“, erläutert Nassim Kereimeyd, der als Projektleiter bei der DB Systemtechnik die Hersteller Hitachi und Alstom bei den Probefahrten unterstützt. Da sich das deutsche Bahn-Stromnetz und die Signaltechnik von denen in Italien unterscheiden, mussten die Hersteller unter anderem Antriebstechnik, Bremsen und Stromabnehmer anpassen. Nun muss die neue Technik umfangreich getestet werden, 300 Testtage sind laut Bahn insgesamt geplant. Anschließend müssen die Eisenbahnbehörden den umgebauten Zug für Deutschland und Österreich neu zulassen. In Italien ist eine Wiederzulassung nötig. 

Gerade mal zehn Minuten braucht der Frecciarossa an dem Tag bis Nürnberg, zwischendurch ist er rund 300 km/h schnell. Ein Tempo, das laut DB der neue ICE-3-Zug sogar noch etwas übertrifft. Doch wieso kommt dieser auf der neuen Direktverbindung nicht zum Einsatz? Der Bahn zufolge hat das technische Gründe: In Italien sind automatische Feuerlöschsysteme in Zügen vorgeschrieben. Die deutschen Schnellzüge damit auszustatten, wäre demnach komplizierter gewesen als den Frecciarossa mit der in Deutschland nötigen Magnetschienenbremse. 

Mehr Reisekomfort, höhere Ticketpreise? 

Wie teuer die neue Zugverbindung die Bahn kommt, kann diese eigenen Angaben nach nicht beziffern, weil sich die Kosten auf drei Länder verteilen. Die Bahn sieht im grenzüberschreitenden Verkehr aber großes Potenzial. 25 Millionen Fahrgäste sind ihr zufolge jährlich in Europa damit unterwegs - Tendenz steigend. 

Doch was bedeutet die Reise mit dem Zugpferd der Trenitalia für die Fahrgäste aus Deutschland? Immerhin verspricht der Frecciarossa mehr Luxus und Reisekomfort. Auf der geplanten neuen Strecke wird es laut der Bahn drei Klassen geben. Zwei davon entsprechen der 1. und 2. Klasse in den ICE-Zügen. Die Ticketpreise stehen demnach noch nicht fest, sollen sich aber an denen orientieren, die bisher auf der Strecke gelten. Wer aber in der gehobenen Executive-Klasse reisen möchte, wird tiefer in die Tasche greifen müssen.

Der Schnellzug erreicht bei den Probefahrten eine Geschwindigkeit von bis zu 300 Kilometer pro Stunde. Daniel Karmann/dpa

Der Schnellzug erreicht bei den Probefahrten eine Geschwindigkeit von bis zu 300 Kilometer pro Stunde. Daniel Karmann/dpa

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Die Wassertanks kommen bei den Bremstests zum Einsatz. Aus ihnen wird Flüssigkeit auf die Schienen gesprüht, um Regen, Schnee oder Eis zu simulieren. Daniel Karmann/dpa

Die Wassertanks kommen bei den Bremstests zum Einsatz. Aus ihnen wird Flüssigkeit auf die Schienen gesprüht, um Regen, Schnee oder Eis zu simulieren. Daniel Karmann/dpa

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Die Sitze sind bei den Probefahrten zum Schutz mit Folie abgedeckt. Daniel Karmann/dpa

Die Sitze sind bei den Probefahrten zum Schutz mit Folie abgedeckt. Daniel Karmann/dpa

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Die Sandsäcke simulieren das Gewicht von Fahrgästen und Gepäck. Daniel Karmann/dpa

Die Sandsäcke simulieren das Gewicht von Fahrgästen und Gepäck. Daniel Karmann/dpa

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