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Sechs Tote in Stade sorgen für Fassungslosigkeit

Ein Termin zum Sorgerecht eskaliert in tödlicher Gewalt: In Stade erschießt ein Mann sechs Menschen in einer Jugendhilfeeinrichtung. Die Ermittler sprechen von einer kaltblütigen Tat.

Von Leonard Fischer, dpa

29.06.2026

Polizeibeamte betreuen Angehörige vor einem Gebäude einer Jugendeinrichtung – dem Tatort.Ulrich Perrey/dpa

Polizeibeamte betreuen Angehörige vor einem Gebäude einer Jugendeinrichtung – dem Tatort.Ulrich Perrey/dpa

© Ulrich Perrey/dpa

Noch am Abend ringt Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens um Worte. Diese schreckliche Tat werde Stade lange beschäftigen und Spuren hinterlassen, sagt die SPD-Politikerin nach den Schüssen in einer Jugendhilfeeinrichtung mit sechs Toten. „Mir war es ein Anliegen, dass ich heute Abend hier sein kann, um meine Solidarität und meine Anteilnahme zu zeigen.“

Sechs Menschen starben – alle waren Mitarbeiter

Gegen 12.00 Uhr waren mehrere Notrufe bei der Leitstelle eingegangen. In der Einrichtung seien mehrere Schüsse gefallen, sagte Lüneburgs Polizeipräsidentin Kathrin Schuol. Einsatzkräfte fanden vier Tote in dem Gebäude, eine weitere Person starb trotz Reanimationsversuchen vor Ort, eine sechste später an ihren schweren Verletzungen.

Bei den Opfern handelt es sich nach Polizeiangaben um vier Frauen und zwei Männer – allesamt Erwachsene aus dem Umfeld der Jugendhilfeeinrichtung, Mitarbeiter eines privaten Trägers oder des Jugendamtes.

Als mutmaßlicher Schütze wurde ein 45 Jahre alter Mann aus dem Raum Hannover festgenommen. Er ist laut Polizei in Deutschland geboren und hat türkische Wurzeln. Schuol zufolge hatte er in der Einrichtung einen Termin wegen des Sorgerechts für seine drei Monate alte Tochter – zusammen mit einigen seiner späteren Opfer. Das Motiv liege „vermutlich im Umfeld, das heißt in einem Sorgerechtsstreit“, sagte die Polizeipräsidentin.

Baby und die Kindsmutter blieben unverletzt

Das Baby und die Kindsmutter blieben unverletzt. Der mutmaßliche Täter floh den Angaben zufolge zunächst als Beifahrer in einem Auto, das von einer Frau gesteuert wurde. Polizeikräfte verfolgten den Wagen, gaben Schüsse ab, offenbar wurden Reifen getroffen. Schließlich wurden der Verdächtige und die Fahrerin festgenommen. Die Frau habe eine enge Verbindung zur Familie des Mannes, sagte Schuol.

Zum Tatverdächtigen lagen nach Polizeiangaben Erkenntnisse unter anderem wegen Bedrohung vor. Er habe aber „bisher nicht als absolut gewalttätig“ gegolten. Eine Waffe wurde sichergestellt – eine waffenrechtliche Erlaubnis hatte der Mann nach Angaben der Polizei nicht. Ob am Dienstag Haftbefehl beantragt wird, war am Abend noch offen.

Eine Mordkommission und ein Hinweisportal

Die Ermittler richteten eine Mordkommission ein und schalteten ein Hinweisportal. Polizeivizepräsident Jörg Wesemann sprach von einem „weitläufigen Tatort“ und kündigte weitere Spurensicherungen an. Innenministerin Behrens sagte: „Ich kann Ihnen versichern, dass die Polizei, die Ermittlungsbehörden alles tun, was sie können, um diese Tat aufzuklären.“

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