dpa

„Roter Zauber“ in Freiburg: Mit Teamwork an Tabellenspitze

Der SC Freiburg mischt die Bundesliga auf - auch, weil neben aufstrebenden DFB-Debütanten Spieler aus der zweiten Reihe überzeugen. Neuzugang Goto etwa beeindruckt nicht nur seinen Trainer.

Von Christoph Lother, dpa

12.10.2026

Überzeugt bisher als Joker: Freiburgs Neuzugang Keisuke Goto.Tom Weller/dpa

Überzeugt bisher als Joker: Freiburgs Neuzugang Keisuke Goto.Tom Weller/dpa

© Tom Weller/dpa

Eines werde er jetzt sicher nicht machen, kündigte Igor Matanovic an: Die Beine hochlegen und glauben, dass es von allein laufe. Nach dem Sprung an die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga geht der Blick beim SC Freiburg schon wieder zum nächsten Spiel in der Conference League. Auch den tschechischen Außenseiter FK Jablonec werde man nicht unterschätzen, beteuerte Matanovic vor der Partie am Donnerstag (21.00 Uhr/Sky). „Um Gottes Willen“, sagte der Stürmer. „So wurden wir alle auch nicht erzogen.“ 

Erziehung ist ein passendes Stichwort, wenn man auf den aktuellen Höhenflug der Freiburger blickt. Das 2:1 gegen den FC Schalke 04 am Sonntag war bereits der siebte Sieg im achten Pflichtspiel der Saison - verloren hat der SC bislang noch nicht. Eine beeindruckende Bilanz. 

Tabellenspitze für Schuster kein Thema

Was die Breisgauer so stark macht? Ihr ausgeprägter Teamgedanke. Die Bereitschaft, sich in die passende Rolle einzufügen. Die Breite im Kader.

Die Tabellenspitze habe „weder vor noch nach dem Spiel irgendeine Rolle gespielt“, sagte Trainer Julian Schuster nach dem späten Coup gegen Schalke. „Die Erfahrung gemacht zu haben, in Unterzahl zu gewinnen und so pressen zu können, ist eine viel wichtigere und größere Tatsache.“

Trainer Julian Schuster bejubelt mit Keisuke Goto den Sieg gegen Schalke.Tom Weller/dpa

Trainer Julian Schuster bejubelt mit Keisuke Goto den Sieg gegen Schalke.Tom Weller/dpa

© Tom Weller/dpa

Matanovic von Goto beeindruckt

Die Art und Weise, wie sie gegen den Revierclub nach der Gelb-Roten Karte gegen Yuito Suzuki in der 64. Minute noch mal aufdrehten und durch Keisuke Goto zum späten Siegtreffer (85.) kamen, sagt viel über die Freiburger aus. 

Die Senkrechtstarter Derry Scherhant und Philipp Treu, die zuletzt auch in der Nationalmannschaft überzeugende Debüts hinlegten, sind das eine. Die Spieler, die aktuell aus der zweiten Reihe kommen, das andere. „Die Mannschaft war für Yuito da“, erklärte Coach Schuster nach dem emotionalen Erfolg gegen die Königsblauen. „Die Jungs, die rein gekommen sind, waren für Yuito da.“

Zu denen gehört auch Goto. Von „rotem Zauber“ sprach Matanovic, als er auf seinen Teamkollegen mit den rot gefärbten Haaren angesprochen wurde. Man müsse diesen Weg schon anerkennen, meinte Matanovic über den Sommer-Einkauf vom RSC Anderlecht. Der Japaner ist weit weg von der Heimat, muss sich an eine neue Kultur anpassen. Doch trotz Sprachbarriere habe er sich prima integriert - auch mit Hilfe der Landsmänner Suzuki und Rihito Yamamoto.

„Spitzenreiter, Spitzenreiter“: Die SC-Profis feierten ausgelassen mit den Fans.Tom Weller/dpa

„Spitzenreiter, Spitzenreiter“: Die SC-Profis feierten ausgelassen mit den Fans.Tom Weller/dpa

© Tom Weller/dpa

Schon drei Joker-Tore für den Neuzugang

Wettbewerbsübergreifend hat Goto in dieser noch jungen Saison bereits drei Mal als Joker für den Sport-Club getroffen. „Der Junge hat so viel Hunger, nimmt alles an, fragt nach“, lobte Schuster den 21-Jährigen. „Es ist ein Glück für uns als Trainer-Team, solche Jungs wie ihn zu haben.“ Goto werde den Breisgauern sicher auch in Zukunft noch viel Spaß bereiten.

So wie Vincenzo Grifo schon seit Jahren. Freiburgs Rekordtorschütze spielt hinter dem aufstrebenden Scherhant auf dem linken Flügel derzeit nur eine Nebenrolle, murrt aber nicht - und leistete bei Gotos Siegtor die punktgenaue Vorarbeit. „Über Vinces rechten Fuß brauchen wir nicht reden“, meinte Mittelfeldchef Maximilian Eggestein. Grifos Vorlage könne man an diesem für den SC ohnehin schon besonderen Abend durchaus mal „hervorheben“.

Weil sie eben auch so viel aussagt über diese furiosen Freiburger. Mit Teamwork an die Tabellenspitze. Und etwas „rotem Zauber“ obendrauf.

Karte