Ronaldo gegen Modrić: Letztes WM-Spiel für einen Ü40-Star
Mit Real Madrid gewannen sie zusammen die Champions League. Jetzt wird das Duell Portugal - Kroatien zum letzten WM-Spiel für Cristiano Ronaldo oder Luka Modrić. Warum halten Altstars so lange durch?
Schon Gegner bei der EM 2016: Portugals Cristiano Ronaldo und Kroatiens Luka Modric (r).picture alliance / dpa
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Luka Modrić weiß genau, wie sich das anhört: Wenn Cristiano Ronaldo richtig sauer ist. Nach der WM 2018 schnappte Kroatiens Starspieler seinem langjährigen Teamkollegen einst den „Ballon d’Or“ weg. Das ist die wichtigste Auszeichnung, die ein Fußballspieler persönlich erhalten kann. Ronaldo gratulierte ihm zwar per Textnachricht. Doch er blieb auch etwas beleidigt der Ehrung fern und sagte in einem Interview: „Nächstes Jahr werden wir uns wiedersehen. Und ich werde alles tun, um wieder den Preis zu erobern.“
Nach dieser Weltmeisterschaft wird es wohl kein nächstes Mal geben. Wenn Ronaldos Portugiesen und Modrić‘ Kroaten am Donnerstag Ortszeit in Toronto in der ersten K.-o.-Runde aufeinandertreffen, wird ein ehemaliger Weltfußballer den anderen endgültig von der WM-Bühne schieben.
Modrić ist 40 Jahre alt und überlegt, ob er nach diesem Turnier überhaupt noch weiterspielt. Ronaldo ist sogar schon 41 und für sein Team bislang mehr Belastung als wirkliche Hilfe. Es ist kaum vorstellbar, dass beide mit dann 44 und 45 Jahren auch bei der WM 2030 noch einmal antreten werden.
Cristiano Ronaldo und Luka Modrić bei Real Madrid.picture alliance / dpa
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Wie geht das - mit über 40 bei einer WM?
Viermal gewannen beide zusammen mit Real Madrid die Champions League. Auf ihr Wiedersehen in Toronto (Freitag, 1.00 Uhr/Magenta TV) wird die ganze Fußball-Welt schauen. Viele frühere Mit- und Gegenspieler sind bei dieser WM auch dabei - nur nicht mehr als Spieler. Sie arbeiten jetzt als Trainer, TV-Experten oder als Mitglieder der „FIFA Technical Study Group“, die dieses Turnier für den Weltverband analysiert.
In Miami stellte die Expertengruppe ihren Zwischenbericht vor und ein Thema war auch: Wie geht das überhaupt - in diesem Alter noch Topleistungen auf WM-Niveau zu zeigen? Und das gleich bei so vielen Spielern wie Modrić, Ronaldo, Lionel Messi (39) oder Edin Džeko (40)?
Der langjährige argentinische Nationalspieler Pablo Zabaleta (41) gehört zur „Study Group“ und ist sich sogar sicher: „Wir werden in Zukunft immer mehr Spieler sehen, die noch bis mindestens 38, 39 spielen.“
Faktor Training, Ernährung, Regeneration
Grund seien die medizinischen, sport- und ernährungswissenschaftlichen Erkenntnisse. „Die Spieler bekommen alles, was sie benötigen“, sagt Zabaleta. „Sie wissen genau, was sie an Ernährung, Regeneration, Prävention oder zusätzlichem Training brauchen. Manche bezahlen noch einen eigenen Koch oder einen persönlichen Coach dazu.“
Der Sportmediziner Hans-Georg Predel bestätigt dies. „Aus physiologischer Sicht nimmt die maximale körperliche Leistungsfähigkeit zwar bereits ab dem dritten bis vierten Lebensjahrzehnt langsam ab“, sagt der Leiter des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. „Dieser Prozess verläuft jedoch deutlich langsamer als früher angenommen“. Er könne durch die enorme Professionalisierung von Training oder Belastungssteuerung sogar „erheblich verlangsamt werden“.
Hinzu kommt: „Spitzenfußball ist weit mehr ist als reine Athletik“, sagt Predel. „Er basiert auf einem komplexen Zusammenspiel aus Technik, Spielintelligenz, Antizipation, taktischem Verständnis und Erfahrung.“ Darin würden Spieler mit zunehmendem Alter sogar besser. „Ältere Spieler kompensieren daher einen Teil der altersbedingten körperlichen Einbußen durch effizientere Laufwege, bessere Entscheidungen und ein exzellentes Stellungsspiel.“
Lionel Messi (r) und Pablo Zabaleta bei der argentinischen Nationalmannschaft.picture alliance / dpa
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Genervt von Ronaldo, begeistert von Modrić
Genau das beobachtet Zabaleta bei Ronaldo oder Messi: „Er geht manchmal nur über das Spielfeld. Aber er geht nicht spazieren. Sondern er scannt genau: Welcher Raum könnte sich auftun? Welche Position nehme ich am besten ein?“
Klar ist auch: Ohne ihr Ausnahmetalent, ihren Ehrgeiz und ihre Disziplin hätten Modrić und Ronaldo auch alle sportwissenschaftlichen Fortschritte nicht geholfen. Ausnahmeerscheinungen - so nennt sie auch der Experte Predel.
Der Unterschied bei dieser WM ist nur: Bei den Portugiesen stören sich einige aufstrebende Spieler sehr offensichtlich daran, dass sich alles immer nur um Ronaldo dreht. Bei den Kroaten ist die Verehrung für Modrić weiter grenzenlos. „Luka ist unglaublich“, sagte sein Teamkollege Nikola Vlašić. „Es ist so, als könnte er die Zeit anhalten - und wir sind immer noch zehn Jahre zurück.“
Kroatiens Kapitän Luka Modric nach dem Sieg gegen Ghana.Petr Josek/AP/dpa
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Portugals Superstar Cristiano Ronaldo nach dem 0:0 gegen Kolumbien.Rebecca Blackwell/AP/dpa
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