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Oft in der Grauzone: Land will Steuern von Influencern

Influencer in Thüringen müssen künftig damit rechnen, dass sich das Finanzamt meldet. Eine Taskforce beschäftigt sich derzeit damit, was sie im Internet verdienen und wie ehrlich sie sind.

Von dpa

07.04.2026

Influencer stärker im Fokus der Thüringer Finanzämter Niklas Graeber/dpa

Influencer stärker im Fokus der Thüringer Finanzämter Niklas Graeber/dpa

© Niklas Graeber/dpa

Thüringen will es Influencern schwer machen, ihre Einnahmen im Internet am Fiskus vorbei zu manövrieren. Es gebe mehr hauptberufliche Influencer mit Sitz in Thüringen als gedacht, sagte Finanzministerin Katja Wolf (BSW) in Erfurt. Das Land habe eine 15-köpfige Taskforce aus Fachleuten der Finanzverwaltung und der Steuerfahndung eingesetzt, die derzeit die verschiedenen Social-Media-Kanäle und Plattformen auf Influencer durchforste. „Es darf im digitalen Bereich kein Steuerdefizit geben“, so die Ministerin. 

Bisher seien mehr als 500 Hauptberufler in dieser Gruppe mit Sitz in Thüringen festgestellt worden - einige von ihnen mit mehr als einer Million Follower. „Davon kann man durchaus gut leben“, so die Ministerin. Die Zahl derer, die nebenberufliche in dem Metier unterwegs seien, könne noch nicht beziffert werden. 

 Steuerguide für Influencer

Fachleute des Finanzministeriums gehen für das Land nach einer ersten Prognose von möglichen Steuereinnahmen in einstelliger Millionenhöhe aus. Eine genaue Größenordnung zu nennen, sei beim derzeitigen Erkenntnisstand Spekulation, sagte Wolf. 

Ihr gehe es vor allem darum, Steuergerechtigkeit mit anderen Berufsgruppen herzustellen, aber auch um Information und Aufklärung der vielfach jungen Menschen, die im Internet als Markenbotschafter oder Trendsetter unterwegs seien. Dazu habe das Ministerium jetzt einen Flyer mit den nötigen Informationen - eine Art Steuerguide für Influencer - aufgelegt. 

Es muss nicht immer Geld sein 

Es gebe bei der Finanzverwaltung auch andere Hilfsangebote - bis zum Tipp, bei Steuerdefiziten eine Selbstanzeige zu stellen. „Je eher man sich meldet, umso leichter wird es, das Ganze aufzuarbeiten“, sagte Wolf. 

Die Geschäftsmodelle der Influencer seien vielfältig und reichten von Werbung, versteckten Produktempfehlungen über Abo- und Bezahlsysteme bis zu vermeintlichen Spenden. Steuerlich relevante Einnahmen müssten auch nicht immer Geld sein - es könnte sich auch um Sachwerte oder andere Vorzüge handeln. „Unwissenheit schützt nicht vor der Besteuerung von Einnahmen“, sagte Wolf. Die Recherchen der Taskforce im Internet seien aufwendig, weil oft nicht mit Klarnamen agiert werde und mitunter auch ein Auslandsbezug eine Rolle spiele. Verlässliche Ergebnisse erwartete die Ministerin bis Jahresende. 

Grauzone wird durchforstet   

Erste Betriebsprüfungen bei bekannten Influencern habe es bereits gegeben. Bei einer Reihe von ihnen seien die steuerlichen Verhältnisse in Ordnung gewesen. Bei den Betriebsprüfungen gehe es zunächst um den Zeitraum 2021 bis 2023. „Es gibt noch erhebliches Grau in diesem Bereich“, so Wolf. 

Auch andere Bundesländer nähmen die Einnahmen von Influencerin in den Blick. Große Bundesländer prüften sogar die Einrichtung eigener Steuerbereiche dafür, weil von Umsätzen von jährlich 500 Millionen bis zu einer Milliarde Euro ausgegangen werde. 

Im vergangenen November hatte das Finanzministerium mitgeteilt, dass die Thüringer Finanzbehörden bisher 22 Ermittlungen gegen Influencer geführt hätten. Bei zehn abgeschlossenen Fällen habe es zwei Aufforderungen zu Steuernachzahlungen gegeben. Insgesamt sei es um 30.000 Euro gegangen.

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