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Niedrigwasser erhöht Schadstoffkonzentration in Gewässern

Die anhaltende Trockenheit ließ die Flusspegel extrem sinken. Laut einem Experten können dadurch die Schadstoffkonzentrationen steigen. Mit welchen Folgen?

Von dpa

30.09.2026

Die Pegelstände im Wasser sind stark gesunken. Vielerorts wurden historische Tiefstände gemessen.Thomas Frey/dpa

Die Pegelstände im Wasser sind stark gesunken. Vielerorts wurden historische Tiefstände gemessen.Thomas Frey/dpa

© Thomas Frey/dpa

Extreme Trockenheit hat vielerorts zu Niedrigwasser geführt - für Gewässer kann das auch mit Blick auf Schadstoffe zum Problem werden. „Stoffeinträge, die bei höherer Wasserführung stärker verdünnt werden, können bei geringer Wasserführung zu höheren Konzentrationen führen“, erklärte Holger Martin vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) in Wiesbaden. Besonders relevant seien kontinuierliche Einträge aus kommunalen und industriellen Kläranlagen, weil bei Niedrigwasser der Abwasseranteil im Fluss höher sei. 

Vor allem im Sommer sei Niedrigwasser für die Gewässerökologie relevant, betonte Martin. Hinzu kämen höhere Wassertemperaturen und schwankende Sauerstoffwerte. Besonders morgens könne der Sauerstoffgehalt niedrig sein. Dann ist dem Fachmann zufolge auch die natürliche Selbstreinigungskraft des Gewässers eingeschränkt. Wegen des Klimawandels dürften Trockenperioden künftig häufiger werden.

Was an Rückständen bleibt

Kläranlagen entfernten zwar die meisten Abwasserinhaltsstoffe. Schwer abbaubare oder persistente Stoffe wie Arzneimittelrückstände, Industriechemikalien und Süßstoffe gelangten dennoch in die Gewässer, hieß es in einer Mitteilung des HLNUG.

Kläranlagen filtern chemische Substanzen aus dem Abwasser. (Archivbild) Lando Hass/dpa

Kläranlagen filtern chemische Substanzen aus dem Abwasser. (Archivbild) Lando Hass/dpa

© Lando Hass/dpa

Nicht nur einzelne Stoffe können demnach Wasserorganismen beeinflussen. Auch Stoffgemische könnten „Summenwirkungen“ auslösen. Die Bewertung sei komplex. „Auch wenn einzelne Stoffe jeweils unterhalb einer akut wirksamen Konzentration liegen, kann eine längerfristige Belastung durch mehrere Substanzen für Wasserorganismen relevant sein“, ergänzte die Behörde. Folgen könnten Veränderungen körperlicher Abläufe und des Verhaltens sowie Beeinträchtigungen des Immunsystems sein.

Messungen zeigen Veränderungen

Der Mitteilung des HLNUG zufolge sind Gewässergüte-Messstationen eine wichtige Grundlage, um die Wasserqualität zu bewerten. Sie messen kontinuierlich pH-Wert, elektrische Leitfähigkeit, Sauerstoffgehalt und Wassertemperatur. So ließen sich Veränderungen über Stunden, Tage und Wochen verfolgen. Regelmäßige Laboranalysen von Wasserproben ergänzten die Messungen. 

Fachbehörde: Gewässerschutz wird wichtiger

„Um die Belastung der Gewässer weiter zu reduzieren, kommt daher der Verbesserung der Abwasserreinigung eine wichtige Rolle zu“, so die Mitteilung des HLNUG. Für manche Stoffe reichten die üblichen Reinigungsstufen nicht aus. Daher „können weitergehende Verfahren wie eine vierte Reinigungsstufe mit Ozonung und/oder Aktivkohlefiltration einen zusätzlichen Beitrag zur Reduzierung von Spurenstoffeinträgen leisten“, hieß es weiter.

Auch Sebastian Exner, stellvertretender Geschäftsführer des Landesverbands Energie- und Wasserwirtschaft Hessen/Rheinland-Pfalz, sieht die Wasserqualität langfristig als Herausforderung. Wasserressourcen müssten stärker vor Schadstoffeinträgen geschützt und an trockenere Sommer angepasst werden. 

Problematisch seien unter anderem Nitrat und per- und polyfluorierte Chemikalien (PFAS). PFAS sind eine Gruppe von Stoffen, die nicht natürlich vorkommen. Aufgrund ihrer Langlebigkeit werden sie laut Umweltbundesamt auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet. Bestimmte Wasserressourcen könnten Exner zufolge dadurch schwerer oder gar nicht mehr für die Trinkwasserversorgung genutzt werden.

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