Nächtliches „Rudelgucken“ - was in Thüringen zu erwarten ist
Wegen der Zeitverschiebung zu Amerika beginnen viele Fußball-WM-Spiele, wenn in Deutschland schon Nachtruhe herrscht. Beim Public Viewing können Kommunen Ausnahmeregelungen zulassen.
Das Public Viewing bei Fußball-Meisterschaften fällt in Thüringen in der Regel nicht so groß aus wie in anderen Bundesländern.Andreas Arnold/dpa
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Die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko mit späten Anstoßzeiten wegen der Zeitverschiebung stellt Gastronomen mit Public-Viewing-Plänen vor Herausforderungen. „Der Lärmschutz ist das eine“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga in Thüringen, Dirk Ellinger, der Deutschen Presse-Agentur. Positiv sei, dass dafür grundsätzlich Ausnahmeregelungen möglich seien. „Die andere Frage ist, ob die Gäste so späte Übertragungen an Werktagen überhaupt in Anspruch nehmen, wenn sie am nächsten Tag zur Arbeit müssen.“
Bisher zumindest scheine das Interesse der Branche in Thüringen an Public-Viewing-Angeboten noch gering. Das könne sich aber im Turnierverlauf ändern und hänge nicht zuletzt vom Abschneiden der deutschen Elf ab, so Ellinger.
Die WM wird am 11. Juni mit dem Auftaktspiel Mexiko – Südafrika eröffnet. Die deutsche Mannschaft steigt am 14. Juni gegen den Außenseiter Curacao ein. Vor allem in der spannenderen Phase ab dem Achtelfinale werden die Spiele oft erst um 22.00 Uhr oder gar nach Mitternacht angepfiffen – bei Verlängerung und Elfmeterschießen werden das also kurze Nächte für die Fans.
Ausnahmeregeln beim Lärmschutz möglich
Als Nachtzeit gilt in Deutschland normalerweise der Zeitraum von 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr. Damit das „Rudelgucken“ in Biergärten, Bars oder auf öffentlichen Plätzen dennoch möglich wird, hat das Bundeskabinett eigens Ausnahmen von den nächtlichen Lärmschutzregeln beschlossen und eine Verordnung dazu erlassen. Die Entscheidung, ob und wie Ausnahmen umgesetzt werden, liegt bei den Kommunen. Sie müssen dabei zwischen dem öffentlichen Interesse an der Übertragung der Spiele und dem Lärmschutz für die Nachbarschaft abwägen.
Anmeldungen in größeren Thüringer Städten
In den größeren Thüringer Städten liegen bislang einzelne Anmeldungen für Public Viewing vor. In Erfurt werden nach Angaben einer Sprecherin drei Anträge geprüft. In Gera ist laut Stadtverwaltung bisher eine Ausnahmegenehmigung eines privaten Veranstalters im Stadtzentrum angemeldet worden. Die Stadt Weimar wird einem Sprecher zufolge von der Ausnahmeverordnung Gebrauch machen, um Spielübertragungen auch nach 22.00 Uhr zu ermöglichen. Dies betreffe nach derzeitigem Stand fünf Veranstaltungsorte.
In Gera sind bestimmte Auflagen mit einer Erlaubnis verbunden. So ist Public Viewing täglich bis Mitternacht möglich, mit Ausnahme der Deutschlandspiele. Hier ist eine Stunde nach Spielende Schluss. Der erlaubte Lärmpegel liegt bei 70 Dezibel, wobei ein sachverständiger Tontechniker die Beschallungsanlage einstellen muss. Veranstalter müssen einen jederzeit für die städtischen Behörden, die Polizei und für Bürger ansprechbaren Verantwortlichen benennen.