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Nach Jugendprotesten: Özdemir wirbt weiter für Pflichtjahr

Nach den Gen-Z-Protesten dringt Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir erneut auf ein Pflichtjahr für junge Menschen. Kein Zwang, ein Jahr – mit freier Wahl des Einsatzorts.

Von dpa

06.11.2026

Junge Menschen sollen selbst entscheiden, ob sie den Dienst im sozialen Bereich, im Natur- oder Katastrophenschutz oder bei der Bundeswehr leisten, sagt Özdemir.(Archivfoto) Bernd Weißbrod/dpa

Junge Menschen sollen selbst entscheiden, ob sie den Dienst im sozialen Bereich, im Natur- oder Katastrophenschutz oder bei der Bundeswehr leisten, sagt Özdemir.(Archivfoto) Bernd Weißbrod/dpa

© Bernd Weißbrod/dpa

Nach den Jugendprotesten in Stuttgart, Frankfurt und anderen deutschen Städten dringt Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir weiter auf einen allgemeinen Pflichtdienst. Statt die Debatte über die Wehrpflicht zu führen, sollten Politik und Gesellschaft über „ein Jahr für die Gesellschaft“ sprechen, sagte der Grünen-Politiker dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die Idee eines „republikanischen Jahres“ hatte er unter anderem bereits im Oktober 2025 geäußert.

Junge Menschen sollten selbst entscheiden, ob sie den Dienst im sozialen Bereich, im Natur- oder Katastrophenschutz oder bei der Bundeswehr leisten. „Wir brauchen kein Jahr, das von jungen Menschen als Zwang empfunden wird, sondern eines, auf das sie stolz sind“, sagte Özdemir der Zeitung. Als Anreiz schlug er unter anderem einen kostenlosen Führerschein vor. 

Nicht über die Köpfe hinweg entscheiden

Der baden-württembergische Regierungschef warnte davor, eine Wehrpflicht „über die Köpfe hinweg“ anzuordnen. „Die Gerechtigkeitsfrage verläuft heute bei weitem nicht mehr nur zwischen Arm und Reich, sondern auch zwischen Jung und Alt“, sagte er weiter. „Wer das übergeht, vertieft den Graben zwischen den Generationen.“

Außerdem hätten nicht erst die Gen-Z-Proteste gezeigt, dass junge Leute nicht mit Druck, sondern mit einem guten Angebot zu gewinnen seien. Wer ein Jahr für andere da sei, nehme etwas für das ganze Leben mit. 

Wehrpflicht ist ausgesetzt

Zehntausende Menschen hatten am vergangenen Wochenende unter dem Motto „Gen Z regelt“ in mehreren Städten für bessere Bildung, Klimaschutz und gegen eine Wiedereinführung der Wehrpflicht demonstriert. Unter anderem in Köln und Frankfurt griffen einzelne Gruppen nach den friedlichen Demonstrationen Polizisten an; die Polizei sah aber keinen Zusammenhang zwischen den Randalen und der überwiegend friedlichen Protesten.

Die Wehrpflicht ist zwar ausgesetzt, aber im Grundgesetz verankert. Unabhängig von der Aussetzung bleibt das Recht bestehen, den Kriegsdienst mit der Waffe aus Gewissensgründen gemäß Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes zu verweigern.

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