Mobilfunker O2 verkauft zwei Callcenter
Im Wettbewerb mit der Telekom und Vodafone hat der Mobilfunker O2 zuletzt Gegenwind bekommen. Ein neuer Chef zückte den Rotstift, es wird Personal abgebaut. Zwei Callcenter werden nun verkauft.
Unter der Marke O2 verkauft Telefónica Deutschland Handyverträge.Wolf von Dewitz/dpa
© Wolf von Dewitz/dpa
Der Telekommunikationsanbieter O2 Telefónica verkleinert sein Netz aus Callcentern. Wie die Firma in München bekanntgab, verkauft sie ihre Standorte in Rostock und Bremen mit insgesamt knapp 430 Beschäftigten an den französischen Callcenter-Betreiber TP. Zur Gültigkeit des Kaufvertrags fehlt noch die Zustimmung der Kartellbehörden, der Verkauf soll zum Jahreswechsel vollzogen werden. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Bei O2 verbleiben die Callcenter in Hamburg, Potsdam und Nürnberg.
In Rostock sind rund 240 Beschäftigte tätig und in Bremen rund 180. TP hieß früher Teleperformance, der Anbieter digitaler Dienstleistungen ist bereits für andere Unternehmen aus der Auto-, Technologie- oder Versicherungsbranche tätig. Mit Aufträgen von O2 könnte TP seine neuen Standorte künftig auslasten. Man wolle „die langjährige vertrauensvolle Partnerschaft mit Telefónica nutzen, um einen reibungslosen Übergang für Mitarbeiter und Kunden sicherzustellen“, sagte TP-Manager Rainer Majcen.
Jede sechste Stelle wird bei O2 gestrichen
O2 Telefónica ist unter Druck, Umsatz und Betriebsergebnis sinken. 2024 wechselte der Großkunde 1&1 zum Konkurrenten Vodafone, die Spätfolgen dieses Verlustes bekommt O2 noch heute zu spüren. Der langjährige Chef musste gehen, seit Jahresbeginn ist mit Santiago Argelich Hesse ein neuer Manager am Ruder. Im Sommer verkündete die Firma einen herben Jobabbau, noch dieses Jahr sollen 1100 Stellen wegfallen und damit etwa jede sechste Stelle - zu Jahresbeginn hatte Telefónica Deutschland 6820 Vollzeitstellen. Der Verkauf der Callcenter ist Teil dieses Jobabbaus.
Im Digitalzeitalter samt Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI) sinkt der Bedarf an Menschen, die in Callcentern arbeiten: Haben Kunden ein Problem, wird ihnen häufig über Chatbots auf Webseiten oder KI-Sprachassistenten am Telefon geholfen.
Von O2 Telefónica hieß es, der Kundenservice erlebe einen tiefgreifenden Wandel, etwa weil Kunden immer häufiger auf Self-Service-Optionen zurückgriffen. „Diese Entwicklungen müssen wir in unserer Organisation und unseren Servicekonzepten abbilden“, sagte der Operativchef von Telefónica Deutschland, Mallik Rao. „Der Spezialist TP verfügt über die Ressourcen, die Größe und das Fachwissen, um Kundenservices zukunftsfähig weiterzuentwickeln.“ TP wolle die Standorte in Rostock und Bremen in sein umfangreiches internationales Netzwerk integrieren und stärken.