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Ministerin: Haben ganzen Werkzeugkoffer für Krisenmanagement

Zalando ist in der Thüringer Wirtschaft das bekannteste Beispiel für ein drohendes Standort-Aus. Auch andere Unternehmen wollen Produktionsstätten aufgeben oder verlagern. Wie reagiert die Politik?

Von dpa

19.02.2026

Eine Industriebranchen schwächeln - immer wieder ist das Wirtschaftsministerium gefragt.  (Symbolbild)  Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Eine Industriebranchen schwächeln - immer wieder ist das Wirtschaftsministerium gefragt. (Symbolbild) Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

© Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Thüringen kann nach Einschätzung von Wirtschaftsministerin Colette Boos-John bei Standortkrisen von Unternehmen wirksam helfen. „Wir haben eine Art Krisennotfallkoffer, mit dem wir auch auf komplexe Probleme reagieren können, um Arbeitsplätze zu sichern“, sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. Schließlich mache es einen Unterschied, ob ein Unternehmen wegen eines verlorenen Großauftrags in Probleme gerate oder ob vom Management ein Produktionsstandort infrage gestellt werde oder eine finanzielle Schieflage drohe. 

„Krisenmanagement gibt es bei uns nicht nur mit Blick auf Zalando“, so Boos-John. Das Logistikzentrum des Internet-Modehändlers mit 2.700 Beschäftigten wird vom Konzern-Vorstand infrage gestellt - es soll Ende September schließen. Wirtschafts- und Arbeitsministerium haben daraufhin eine Taskforce gegründet, um für die Beschäftigten eine berufliche Zukunft zu suchen sowie mögliche Alternativen für die Nutzung der riesigen Logistikhalle.

Notfallkoffer mit Betreuungsangeboten und Geld 

Wichtigste Bestandteile des Notfallkoffers ihres Ministeriums seien die Landesentwicklungsgesellschaft mit langjährigen Erfahrungen bei der Standortbetreuung und Investorensuche sowie die Thüringer Aufbaubank. Sie könne Investitionen durch Förderprogramme unterstützen und Kapitalspritzen durch Unternehmensbeteiligungen gewähren. Aber auch eine enge Zusammenarbeit mit den Arbeitsagenturen sowie Gewerkschaften, die oft frühzeitig Signale bei Problemen bekämen, seien ihr wichtig.

Thüringens Wirtschaftsministerin ist zu Krisenmanagement bei Notfällen bereit. (Archivbild) Martin Schutt/dpa

Thüringens Wirtschaftsministerin ist zu Krisenmanagement bei Notfällen bereit. (Archivbild) Martin Schutt/dpa

© Martin Schutt/dpa

 „Wir können nur gut sein, wenn wir alle Informationen auf dem Tisch haben“, sagte die Ministerin. „Ich sehe mich in der Verantwortung, wo Chancen sind, sie auch zu nutzen.“ Anders als in der Zeit nach der Wiedervereinigung könnten Probleme aber nicht vor allem mit Geld gelöst werden. Bei einer drohenden Insolvenz sei das auch beihilferechtlich gar nicht möglich. 

„Es mangelt an Investitionsbereitschaft“ 

Nach Angaben von Boos-John stehen in Thüringen allein 73 Millionen Euro in verschiedenen Fonds für Unternehmensbeteiligungen zur Verfügung. Mit einem sogenannten Transformationsfonds, den die oppositionelle Linke bei den Haushaltsverhandlungen durchgesetzt hat, solle das Instrumentarium erweitert und abgerundet werden. Er soll ein Volumen von allein 70 Millionen Euro haben. „Im Moment mangelt es nicht an Geld, sondern an Investitionsbereitschaft“, so die CDU-Politikerin. 

Im Blick der Beteiligungsfonds seien auch Unternehmen, die hohe Kosten haben, um sich durch eine Neuausrichtung am Markt zu behaupten. „Klar ist: Das Angebot kann sich nur an gesunde Unternehmen richten, die sich und ihre Geschäftsmodelle anpassen oder neu aufstellen müssen.“ Das ist bei einigen Thüringer Automobilzulieferern der Fall, die mit dem Trend zur Elektromobilität vor solchen Herausforderungen stehen. 

2026 wirtschaftlich kein Selbstläufer 

Nach einem wahrscheinlich leichten Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr - bisher liegen nur die Halbjahreszahlen vor mit einem im Vergleich zu anderen Bundesländern guten Plus von 0,6 Prozent - werde 2026 wirtschaftlich kein Selbstläufer, so Boos-John. Sie erwarte aber, dass die Investitionsprogramme von Bund und Land eine erste Wirkung zeigen. 

Als einen begrenzenden Wachstumsfaktor sieht sie die sinkende Zahl an Erwerbstätigen in Thüringen. Allein 2025 waren es 11.400 weniger - vor allem, weil viele Arbeitnehmer das Rentenalter erreichen. „Der demografische Faktor wird uns in der wirtschaftlichen Entwicklung hemmen.“ 

Nach Zahlen des Statistischen Landesamtes erwirtschaftete Thüringens Industrie im vergangenen Jahr einen Umsatz von 36,8 Milliarden Euro. Das waren 178,0 Millionen Euro oder 0,5 Prozent mehr als im Jahr 2024. 
Schwach präsentierten sich der Maschinenbau mit einem Umsatzrückgang von 18 Prozent sowie die Automobilindustrie mit einem Minus von 10,6 Prozent.

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