Mehr Kosten oder Nutzen? Debatte um Hessentag bleibt
Bringt der Hessentag mehr als Unterhaltung? Städte und Touristiker betonen positive Effekte für Entwicklung, Image und Wirtschaft. Der Steuerzahlerbund prangert hohe Ausgaben an.
Auch zum diesjährigen Hessentag in Fulda wenden Stadt und Bundesland Millionen auf. Michael Bauer/DPA
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Gewinnbringendes Landesfest oder überteuertes Spektakel? Seit einigen Tagen läuft der Hessentag in Fulda, und auch dieses Mal wird er von Debatten um die Kosten begleitet. Schon lange fordert der Bund der Steuerzahler (BdSt) Hessen, bei dem Fest abzuspecken - doch Landesregierung, Touristiker und auch die Städte, denen der Hessentag Millionen an Investitionsmitteln in die Kassen spült, stemmen sich ebenso vehement dagegen. Wie argumentieren die Beteiligten?
Steuerzahlerbund für sparsameren Hessentag
Hessentag ja, aber kürzer und bescheidener - dafür macht sich der Steuerzahlerbund stark. „Wir wollen sicher keine Spaßbremse sein – Feiern gehört zum Leben dazu. Was wir aber wollen, ist eine Kostenbremse“, erklärt Joachim Papendick, Vorsitzender des BdSt Hessen. Die Ausgaben für das zehntägige Landesfest seien „völlig ausgeufert“, in Krisenzeiten sei das nicht mehr tragbar. „Wenn überall nach Reformen gerufen wird, muss die Landesregierung endlich auch den Hessentag abspecken.“
Den Millionenaufwendungen der Gastgeberstädte - Fuldas Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU) hatte diese auf rund 8 Millionen Euro beziffert - stünden millionenschwere Investitionszuschüssen des Landes und weitere Kosten gegenüber. Auch wegen höherer Aufwendungen für Sicherheit, Energie und Löhne mache es zudem sehr wohl einen Unterschied, wie lange gefeiert werde - auch wenn das Land etwas anderes behaupte, so der Steuerzahlerbund.
Landesregierung bleibt bei zehntägigem Fest
Dagegen verteidigte die Landesregierung den Hessentag. Das Landesfest sei „eine bewusste Investition in den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Zukunftsfähigkeit unserer Städte und Regionen“, erklärte Staatskanzlei-Chef Benedikt Kuhn. Der Blick allein auf die Kosten greife zu kurz. Der wirtschaftliche Nutzen und die Infrastrukturgewinne würden die Ausgaben „deutlich relativieren“.
Auch von einer Verkürzung will Kuhn nichts wissen. Die zehntägige Dauer sei eine Voraussetzung für die Qualität des Hessentags, betonte er. „Nur so gelingt die Mischung aus Kultur, Politik, Ehrenamt und Bürgerfest für Hunderttausende Menschen.“ Eine Verkürzung würde nicht nur das Programm beschneiden, sondern auch die Reichweite mindern. Zudem würden zahlreiche Kosten unabhängig von der Dauer anfallen. „Wer den Hessentag ernsthaft will, muss ihm auch den notwendigen Raum geben“, unterstrich Kuhn.
Bad Vilbel profitiert von Hessentag-Effekt
Auch in Bad Vilbel, wo der Hessentag im vergangenen Jahr fast eine Million Besucher anlockte, ist man vom Nutzen des Landesfests überzeugt. Neben Millionen-Investitionen in die Stadtentwicklung - in Bad Vilbel flossen sie beispielsweise in die Gestaltung eines Stadtparks sowie den Bau einer Skateanlage - habe die Stadt vor allem die Chance bekommen, sich zu präsentieren, sagt Bad Vilbels Hessentagsbeauftragter Claus-Günther Kunzmann.
Darauf könne man jetzt aufbauen: Das Interesse etwa an den Bad Vilbeler Burgfestspielen auch von auswärtigen Gästen sei nach dem Hessentag merklich gestiegen, sagt Kunzmann, der auch Intendant der Theater-Festspiele ist. Schöne Veranstaltungen, eine attraktive Innenstadt und gute Infrastruktur - all das sei essenziell wichtig, um Innenstädte zu beleben, und auf diesem Weg habe der Hessentag Bad Vilbel deutlich vorangebracht.
Fritzlar betont wirtschaftliche und touristische Impulse
Auch für Fritzlar hat sich der Hessentag gelohnt, wie Bürgermeister Hartmut Spogat (CDU) sagt. Die Stadt im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis war 2024 Gastgeber des Landesfestes. Laut Spogat verzeichnete sie letztlich ein Defizit von 3,8 Millionen Euro. „Hierbei sind die 2 Millionen des Landes Hessen, für die Ausrichtung der Pflichtmodule, bereits eingerechnet.“
Der Hessentag sei für Fritzlar ein wichtiger Impulsgeber gewesen, „um Investitionen, die man sonst über mehrere Jahre verteilt hätte, in einem kürzeren Zeitraum mutig - auch finanziell gesehen, anzugehen“. „Als Hessentagsstadt rutscht man bei den Investitionszuschüssen an oberste Stelle bei den Ministerien“, so Spogat. Unter anderem seien die Stadthalle saniert, Sportstätten verbessert und die Infrastruktur gefördert worden. Auch spüre die Stadt noch heute die wirtschaftlichen und touristischen Impulse. „Es sind deutlich mehr Stadtführungen und Busreisen festzustellen.“
Touristiker loben Effekte für Stadt-Image
Auch der Hessische Tourismusverband wirbt für das jährliche „Großereignis“ Hessentag - er sei eine wertvolle Chance, die Vielfalt des Bundeslandes erlebbar zu machen und Städte „überregional ins Rampenlicht zu rücken“, erklärt Verbandsgeschäftsführerin Yvonne Heider. „Die Gastgeberstadt profitiert in mehrfacher Hinsicht: Mit dem Hessentag richtet sich die Aufmerksamkeit weit über die Region hinaus auf eine Kommune, die sich als lebenswerte Destination präsentieren kann.“
Auch die lokale Hotellerie und Gastronomie profitierten durch spürbare Auslastungsspitzen – „mit handfesten Umsatzeffekten“, so Heider. Die Stärkung des Stadt-Images trage dazu bei, dass Gäste wiederkehren, „auch wenn der Hessentag längst weitergezogen ist“.
Städtetag sieht Chance zur Aufwertung der Innenstädte
Ähnliche Pluspunkte hebt der Hessische Städtetag hervor. Tourismussteigerung, Infrastrukturverbesserungen, mediale Aufmerksamkeit, Investitionsförderungen - das seien einige Vorteile, die der Hessentag den Gastgeberstädten ermögliche, erklärte Referatsleiter Michael Hofmeister vom Städtetag. Mit einer vernünftigen Planung könne dies auch zu einer Aufwertung von Innenstädten führen.