Mehr ADHS-Diagnosen bei Kindern und Jugendlichen in Sachsen
Die Zahl der ADHS-Neudiagnosen bei Kindern und Jugendlichen in Sachsen steigt. Besonders bei Mädchen wird die Erkrankung häufiger erkannt, doch eine Expertin sieht weiter Nachholbedarf.
Menschen mit ADHS sind oft unaufmerksam. (Symbolbild)Nicolas Armer/dpa
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Bei immer mehr Kindern und Jugendlichen in Sachsen wird die Aufmerksamkeitsstörung ADHS diagnostiziert. Die Anzahl der Neudiagnosen stieg 2024 im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent an, wie aus dem aktuellen Kinder- und Jugendreport der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervorgeht. Nach der Hochrechnung der DAK wurde bei rund 6.400 jungen Menschen ADHS neu diagnostiziert. Sachsen liegt unter dem bundesweiten Anstieg von 16 Prozent.
Charlotte Ballauf, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie am Städtischen Klinikum Dresden, vermutet bei dem Anstieg der Diagnosen einen Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. In dieser Zeit sei möglicherweise die Symptomatik durch Homeschooling weniger sichtbar geworden und Diagnosestellungen aufgeschoben worden, die nun nachgeholt würden.
3,5 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit ADHS-Diagnose
ADHS zählt laut DAK zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Kindesalter. Typische Merkmale sind Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Die Daten zeigen, dass 3,5 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Sachsen im Alter von 3 bis 17 Jahren mit einer ADHS-Diagnose medizinisch versorgt werden. Damit ist die Diagnose seltener als im Bundesschnitt (5,2 Prozent)
Betroffen von einer Neudiagnose waren dem Report zufolge mehr als doppelt so viele Jungen (4.700) wie Mädchen (1.600). Allerdings war bei Mädchen der Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr mit 11 Prozent stärker als bei Jungen mit 6 Prozent.
Expertin sieht Erkenntnisrückstand bei Mädchen
Ballauf zufolge gibt es bei Mädchen einen Erkenntnisrückstand. Es freue sie, dass man diesen zunehmend aufhole, sagte sie. „Auf unserer Station sehen wir aktuell noch einige Mädchen im Jugendalter, deren ADHS bereits in der Grundschulzeit übersehen wurde und die nun mit Erschöpfung, psychosomatischen Beschwerden oder Schulabsentismus zu kämpfen haben – Folgen, die bei einer früheren Diagnose möglicherweise vermeidbar gewesen wären.“ Die Lücken bei Erkenntnis und Versorgung müssten weiter geschlossen werden.
Für die aktuelle DAK-Sonderanalyse im Rahmen des Kinder- und Jugendreports untersuchte ein Wissenschaftsteam des Beratungs- und Datenanalyseunternehmens Vandage und der Universität Bielefeld Abrechnungsdaten von rund 19.100 Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren, die bei der DAK-Gesundheit in Sachsen versichert sind.