Lehrer: Mentale Gesundheit entscheidend für Schulleistungen
Jeder dritte Jugendliche hat laut Pisa-Studie massive Probleme beim Lesen und Rechnen. Aus Sicht eines Lehrers liegen dahinter oft mentale Probleme.
„Man merkt, dass die Jugendlichen in Deutschland leiden“, sagt Felmy. (Archivbild)Sebastian Christoph Gollnow/dpa
© Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Nach den verheerenden Pisa-Ergebnissen plädiert der im vergangenen Jahr mit dem Deutschen Lehrkräftepreis ausgezeichnete Lehrer Jotam Felmy dafür, das schlechte Abschneiden nicht isoliert zu betrachten. Viel habe mit mentaler Gesundheit zu tun, sagt Felmy, der an der Gustav-Heinemann-Oberschule in Berlin Philosophie, Deutsch und Ethik unterrichtet.
„Man merkt, dass die Jugendlichen in Deutschland leiden“, sagt Felmy der Deutschen Presse-Agentur: Unter Leistungsdruck und Problemen im häuslichen Umfeld etwa. Viele Schüler seien psychisch belastet, „natürlich merken die auch, dass sie nicht die erwartete Leistung zeigen“, sagt Felmy. Schulische Leistungen und mentale Gesundheit seien zwei Seiten einer Medaille: „Wer innerlich leidet, kann kaum gute Leistungen erbringen. Wer schlechte Leistungen erbringt, leidet oft darunter.“
In der neuen Bildungsstudie Pisa schneiden Schülerinnen und Schüler in Deutschland so schlecht ab wie nie zuvor. Die getesteten Schülerinnen und Schüler haben die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Pisa-Erhebungen, wie Studienleiter Samuel Greiff sagte. Jedem dritten Jugendlichen fehlten grundlegende Kompetenz in Lesen und Mathematik, jedem vierten in Naturwissenschaften. Gut jeder Fünfte habe in keinem der drei Felder „ausreichende Basiskompetenzen“, warnte Greiff.
Felmy plädiert dafür, dass die Förderung der mentalen Gesundheit von Schülerinnen und Schülern schulische Aufgabe werde. Die Schule sei mittlerweile der Ort, an dem Schülerinnen und Schüler die meiste Zeit des Tages verbringen. Daher müsse auch die Schule den Auftrag haben, die mentale Gesundheit zu fördern, um damit die Voraussetzungen für bessere Leistungen zu schaffen.