Kein Hubschrauber in Stendal – Magdeburg wird 24/7-Standort
Seit Jahren wird in Sachsen-Anhalt darüber diskutiert, wo Rettungshubschrauber stationiert werden sollten. Nun legt das Innenministerium seine Reformpläne vor. Warum die Altmark trotzdem leer ausgeht.
Schon seit mehreren Jahren wird in Sachsen-Anhalt darüber diskutiert, ob ein eigener Hubschrauber im Norden des Landes benötigt wird. (Symbolbild)Waltraud Grubitzsch/dpa-Zentralbild/dpa
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Kein eigener Hubschrauber in der Altmark, dafür ein nachtflugfähiger Hubschrauber in Magdeburg – die Luftrettung in Sachsen-Anhalt soll nach Plänen des Innenministeriums reformiert werden. „Mit der Ausweitung des Rettungshubschraubers am Standort Magdeburg auf einen 24/7-Betrieb wird die notärztliche Versorgung des nördlichen Landesteils in den Nachtstunden erheblich verbessert“, sagte Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. „Sachsen-Anhalt verfügt mit zukünftig zwei in Sachsen-Anhalt stationierten, rund um die Uhr im Einsatz befindlichen Rettungshubschraubern über eine der besten Versorgungen in den Nachtstunden bundesweit.“
Schon seit mehreren Jahren wird in Sachsen-Anhalt darüber diskutiert, ob ein eigener Hubschrauber im Norden des Landes benötigt wird. Insgesamt stehen derzeit drei Rettungshubschrauber zur Verfügung: zwei in Oppin bei Halle („Christoph Sachsen-Anhalt“ und „Christoph Halle“) sowie einer in Magdeburg („Christoph 36“). Doch bisher ist nur „Christoph Sachsen-Anhalt“ rund um die Uhr einsatzfähig, die anderen beiden fliegen von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Im vergangenen Jahr wurden die drei Rettungshubschrauber insgesamt 2.318 Mal alarmiert.
Acht weitere Hubschrauber aus anderen Bundesländern
Ferner werden die Menschen in Sachsen-Anhalt bei Notfällen mit acht weiteren Hubschraubern aus anderen Bundesländern versorgt. Im Notfall wird der nächstgelegene Rettungshubschrauber alarmiert. „Im Tagesbetrieb werden im Norden des Landes auch weiterhin fünf Rettungshubschrauber im Einsatz sein und alle nördlichen Landkreise vollständig abdecken“, sagte Zieschang. „Im Süden des Landes sind weiterhin vier Rettungshubschrauber im Tagesbetrieb im Einsatz.“
Gesundheitsexperten hatten zuvor in einem Gutachten empfohlen, dass der in Magdeburg stationierte Hubschrauber rund um die Uhr eingesetzt werden sollte. Sie schlugen zudem vor, den Standort von Magdeburg weiter nordwestlich in den Bereich Haldensleben (Landkreis Börde) zu verlegen.
Empfohlene Verlegung gescheitert – warum?
Doch zur Verlegung des Standorts in den Landkreis Börde kommt es nicht. Aus Sicht des Innenministeriums gibt es „erhebliche praktische Umsetzungsschwierigkeiten“. Angeführt werden etwa eine fehlende luftfahrtrechtlichen Genehmigung, die nicht vorhandene Infrastruktur und fehlendes notärztliches Personal. „Nach intensiver Prüfung und vielen Gesprächen mit allen relevanten Akteuren musste von dieser Empfehlung Abstand genommen werden.“
Auch in der Altmark hatte man sich Hoffnungen gemacht, dass ein Hubschrauber in Stendal stationiert werden könnte. Davon rieten die Gutachter jedoch ab, weil ihnen zufolge dann Versorgungsengpässen in anderen Landesteilen entstehen könnten. Auch die Krankenkassen, die den Rettungsdienst grundsätzlich finanzieren, sehen das so. Es sei nicht sinnvoll, einen Hubschrauber in der Altmark zu stationieren, sagte eine Sprecherin der AOK Sachsen-Anhalt. „Der Bedarf ist schlichtweg nicht vorhanden.“
Das Landesverwaltungsamt soll nun eine europaweite Ausschreibung für drei Rettungshubschrauber vorbereiten: Zwei davon am Standort in Oppin, von denen einer über 24 Stunden und der andere tagsüber im Betrieb sein soll, sowie einen im 24/7-Betrieb am Standort Magdeburg. Ab wann genau der in der Landeshauptstadt stationierte Hubschrauber rund um die Uhr zur Verfügung stehen wird, ist noch offen.