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Katharina Kiel: Wie tickt die Präsidentin der Bundesliga?

Das Nationalteam der Fußballerinnen sorgt für hohe Einschaltquoten und wird immer populärer. Beim längst erhofften Boom der Bundesliga ist nun die Frankfurterin Katharina Kiel gefordert.

Von Ulrike John und David Joram, dpa

21.08.2026

Katharina Kiel soll die Frauen-Bundesliga in eine neue Ära führen.Hannes P. Albert/dpa

Katharina Kiel soll die Frauen-Bundesliga in eine neue Ära führen.Hannes P. Albert/dpa

© Hannes P. Albert/dpa

Im Büro von Katharina Kiel saßen in Christian Seifert und Oliver Bierhoff einst zwei der mächtigsten Männer des deutschen Fußballs. Die Präsidentin des neu gegründeten Frauen Bundesliga FBL e. V. räumt vor dem Fototermin noch schnell ein paar Unterlagen („Alle sensibel“) von ihrem Schreibtisch in der einstigen DFB-Zentrale an der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise.

„Vom Männerfußball freischwimmen“

Die 34-Jährige, die auch noch Direktorin für die Fußballerinnen bei Eintracht Frankfurt ist, steht an der Spitze eines der spannendsten Prozesse im Sport hierzulande - und auch mächtig unter Druck. An der Wand hängt die Gründungsurkunde der FBL vom Dezember. Damals hatten sich die 14 Frauen-Bundesligisten mit einigem Getöse vom DFB abgespalten.

An diesem Freitag startet die Übergangssaison: Von 2027/28 an vermarktet und organisiert sich die höchste deutsche Spielklasse, geregelt durch den Grundlagenvertrag mit dem Verband, selbst. Kiels Versprechen: „Wir werden uns vom Männerfußball freischwimmen.“

In einer „Liste der Macht“ sieht „Die Welt“ Kiel bereits unter den 50 einflussreichsten Akteuren im deutschen Fußball, auf Platz 45. „Sie ist extrem fachkundig, engagiert und mit den Clubs bestens vernetzt“, sagt Axel Hellmann über die einstige Hoffenheimer Bundesliga-Spielerin. Wortführer der Revolution im Frauenfußball waren bisher eher der Eintracht-Boss sowie Jan-Christian Dreesen, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern.

Unbändigen Ehrgeiz schon auf dem Eis und dem Rasen

Kiel wägt ihre Sätze sorgsam ab, gilt eher als besonnen, aber durchsetzungsfähig. Und als jemand, die im Hintergrund unermüdlich und hartnäckig an der Weiterentwicklung ihres Sports und ihrer Karriere arbeitet. Ihre Eltern kamen einst mit zwei Koffern aus Kasachstan und bauten ein Unternehmen im Erdwärmesegment auf. „Mir wurde in die Wiege gelegt, hart zu arbeiten. Eben weil wir kein Vitamin B, C und D hatten“, sagt sie im dpa-Gespräch. „Ich bin nicht gerade in Reichtum aufgewachsen, aber mit sehr viel Reichtum an Werten.“

Kiel landete mit ihrem Ehrgeiz in jungen Jahren erst beim Eiskunstlaufen und wurde hessische Meisterin. Später entschied sie sich für Fußball, auch da kam sie mit eiserner Disziplin weit. „Total ausdauerstark, sehr athletisch, sehr bissig, technisch nicht die Versierteste“ sei sie gewesen, „eher ein Arbeitstier“. Nach dem ersten Kreuzbandriss kämpfte sich Kiel noch zurück, nach dem zweiten rieten ihr die Ärzte vom aktiven Sport ab.

Ex-DFB-Chef Seifert als Ratgeber

So machte sie eine Ausbildung im Fußball-Management, als Stipendiatin vorschlagen von der DFL. Das Know-how des langjährigen Ligabosses Seifert kann dem Frauen-Ligaverband nur helfen. „Ich schätze mich glücklich, Christian Seifert auch mal um Rat fragen zu können“, sagt Kiel offen. „Als er sein Büro hier übernommen hat, war er 35. Ich bin jetzt 34. Er kann viele Themen beim Aufbau der Liga nachvollziehen. Und das schätze ich sehr.“

Die FBL hatte ein 100-Millionen-Angebot des Deutschen Fußball-Bundes über acht Jahre für ein gemeinsames Joint Venture ausgeschlagen und will laut Kiel zwischen 700 und 800 Millionen Euro in den nächsten acht Jahren über die Clubs investieren.

Seit vielen Jahren hinkt die Liga der Popularität des Nationalteams hinterher. Grundsätzlich ist der Frauenbereich immer noch ein Minusgeschäft: Die Ausgaben der damals zwölf Bundesligisten lagen 2024/2025 bei knapp 70 Millionen Euro - bei nur 43 Millionen Euro Einnahmen.

Neuer TV-Vertrag als erster Härtetest

Aber schaffen Kiel und Co. den erhofften Boom? Die erste Bewährungsprobe steht im Herbst an, wenn sie eigenständig die neuen und von 2027/28 an gültigen TV-Verträge aushandeln. Bisher tat dies der DFB mit dem Vermarktungsexperten Holger Blask. Die jährlichen Einnahmen liegen derzeit bei 5,17 Millionen Euro brutto. 

Über Details - wie eine mögliche Einführung von Meister-Playoffs - will sich Kiel (noch) nicht öffentlich äußern. Die zweite derzeit große Baustelle ist die Besetzung einer Geschäftsführung, die wohl noch ein paar Monate dauern wird. Die Zeit drängt, diesen Sommer ist so manche Nationalspielerin ins Ausland abgewandert.

Für was steht eigentlich die Frauen-Bundesliga?

Die Liga-Präsidentin spricht lieber über Grundsätzliches. Zum Beispiel über die Nachwuchsarbeit („Wir haben noch keine Strukturen“) - und für was die Frauen-Bundesliga eigentlich steht. „Diese Frage hat sich ehrlicherweise in der Vergangenheit keiner gestellt. Rückblickend ist vieles eher Schritt für Schritt entstanden - oft aus der nächsten konkreten Herausforderung heraus, weniger aus einem langfristigen Plan“, sagt Kiel. „Wenn wir es schaffen, eine eigene Identität für diese Liga zu entwickeln, bin ich mir sehr sicher, dass sich Stars bewusst dafür entscheiden, in der Frauen-Bundesliga zu spielen.“

Die Präsidentin des neuen Ligaverbandes der Frauen-Bundesliga: Katharina Kiel. Hannes P. Albert/dpa

Die Präsidentin des neuen Ligaverbandes der Frauen-Bundesliga: Katharina Kiel. Hannes P. Albert/dpa

© Hannes P. Albert/dpa

Sorgt sie für einen Boom der Frauen-Bundesliga? Katharina Kiel führt den neuen Ligaverband an.  Hannes P. Albert/dpa

Sorgt sie für einen Boom der Frauen-Bundesliga? Katharina Kiel führt den neuen Ligaverband an. Hannes P. Albert/dpa

© Hannes P. Albert/dpa

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