Hoffenheim verliert Spiel und sich: „Viel Kopfarbeit“
Kommt Hoffenheim unter Trainer Christian Ilzer wieder in die Spur? Die Mannschaft ist kaum wiederzuerkennen - und hat vor dem Bundesliga-Kellerduell viele Baustellen zu beackern.
Hoffenheim um Abwehrspieler Bernardo (l) steckt in der Krise.Uwe Anspach/dpa
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Oliver Baumann fluchte kurz, als er nach einem ausführlichen Fernsehinterview die Krise der TSG Hoffenheim auch noch der schreibenden Presse erklären musste. Doch der Torwart und Kapitän stellte sich geduldig den Fragen nach der 2:3-Niederlage gegen Besiktas Istanbul in der Europa League - und gab vor dem Kellerduell bei Borussia Mönchengladbach eine deutliche Warnung aus.
Am Sonntag bei Schlusslicht Gladbach
„Die Situation ist natürlich gefährlich. Wenn du jetzt denkst, wir haben fünf Spiele gespielt in der Bundesliga. Und wir sind noch am Anfang“, sagte der 36-Jährige mit Blick auf die „extrem wichtige“ Partie am Sonntag (17.30 Uhr/DAZN). „Und irgendwann bist du in der Mitte und irgendwann bist du im Winter.“ Man bekomme aktuell „einfach zu viele Gegentore. Und das kotzt natürlich an, gerade mich“, klagte Baumann.
Nachdem die Kraichgauer schon zum Auftakt bei OFI Kreta mit 0:2 verloren hatten, stehen sie international ohne Punkte da. „Wir sind enttäuscht. Das nervt, das vierte Spiel jetzt 2:3 zu verlieren“, sagte Trainer Christian Ilzer. „Die 2:3-Niederlagen, das ist kein Zufall, wenn es in dieser Häufigkeit passiert. Das ist unser Auftrag, das abzustellen.“ Von sieben Pflichtspielen hat die TSG nur in der Liga gegen den VfB Stuttgart und im DFB-Pokal bei Erzgebirge Aue gewonnen.
Ehemalige Leistungsträger haben mit sich selbst zu kämpfen
Der Österreicher räumte auch angesichts der zunehmenden Unsicherheit und Anfälligkeit seiner Mannschaft ein: „In solchen Phasen ist natürlich immer die Gefahr da, dass man das Vertrauen in sich, in das große Ganze verliert.“
Im Gegensatz zur überaus erfolgreichen Vorsaison ist das Team kaum wiederzuerkennen. Dabei hatten die Hoffenheimer in Bazoumana Touré, den sie für 50 Millionen Euro zu Newcastle United verkauften, und Grischa Prömel (zum VfB Stuttgart) nur zwei Stammspieler verloren und ordentlich eingekauft, unter anderem das belgische Supertalent Nathan De Cat.
Doch von jenen Profis, die damals Leistungsträger waren, ist kaum einer in Topform oder es hängt ihm eine Verletzung nach: Leon Avdullahu, Wouter Burger, Vladimir Coufal, Ozan Kabak, Fisnik Asllani - und auch Andrej Kramaric. Der kroatische TSG-Star spielte nach seiner Leistenoperation im Anschluss an die WM erstmals von Anfang an - und setzte kaum Impulse. Allerdings lahmte auch das Flügelspiel mächtig. Dazu fallen Innenverteidiger Albian Hajdari und Neuzugang Patrick Wimmer aus.
Baumann will nicht draufhauen
„Es sind nicht alle auf dem gleichen körperlichem Level“, räumte Ilzer ein. Gleichzeitig sprach er davon, seine Fußball-Profis taktisch stabilisieren zu müssen. Baumann forderte dennoch, „im Hier und Jetzt“ zu sein und die Lage sachlich zu analysieren. „Wir haben zu wenig Punkte - in beiden Wettbewerben. Es bringt jetzt nichts, wenn ich vor euch voll draufhaue und intern voll draufhaue“, betonte er vor den Journalisten.
Im Höllenlärm, für den Tausende türkische Fans im ausverkauften Sinsheimer Stadion sorgten, ließen sich die Gastgeber am Ende von Besiktas auskontern. Der Südkoreaner Hyeongyu Oh, der 2025 beim VfB durch den Medizincheck fiel, traf zweimal. Asllani und Koki Machida erzielten die Tore für die TSG, der Überzeugung, Spielfreude und Durchsetzungskraft fehlte.
Bereits am vergangenen Wochenende hatte das Ilzer-Team zuhause 2:3 gegen den Hamburger SV verloren. International geht es am kommenden Donnerstag gegen Olympique Marseille weiter.
„Die Last der Niederlagen ablegen“
Ilzer ist jetzt - wie in seinem ersten Halbjahr 2024/25 in Hoffenheim, als der Club gegen den Abstieg kämpfte und der Coach am Ende auf der Kippe stand - als Krisenmanager gefragt. Der 48-Jährige weiß: „Die Mannschaft aus der Talsohle zu führen, das ist jetzt mein Job. Da ist auch viel Kopfarbeit gefragt. Die Last der Niederlagen müssen wir so schnell wie möglich ablegen.“
Hängende Köpfe bei Stürmer Fisnik Asllani und der TSG Hoffenheim.Uwe Anspach/dpa
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TSG-Coach Christian Ilzer ist als Krisenmanager gefordert.Uwe Anspach/dpa
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