Warum in Förderstedt ein Großspeicher entsteht
Sie speichern Strom aus Wind und Sonne und sollen das Netz stabilisieren. Doch warum werden gerade jetzt so viele Großspeicher gebaut? Ein Blick nach Förderstedt liefert Antworten.
Mit dem Batteriegroßspeicher entsteht ein privat finanziertes Batteriespeicherprojekt.Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
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Reihen weißer Batteriecontainer prägen inzwischen das Gelände nördlich von Förderstedt im Salzlandkreis. Äußerlich ist eines der größten Batteriespeicherprojekte Deutschlands nahezu fertig. In den kommenden Wochen beginnt die technische Anbindung des ersten Bauabschnitts. Das Projekt steht exemplarisch für einen Wandel im deutschen Energiesystem: Großbatterien sollen künftig helfen, Strom aus Wind und Sonne dann verfügbar zu machen, wenn er gebraucht wird.
Der Speicher in Förderstedt soll nach seiner Fertigstellung eine Leistung von 300 Megawatt und eine Speicherkapazität von mehr als 700 Megawattstunden erreichen. Während die Leistung angibt, wie schnell Strom aufgenommen oder wieder abgegeben werden kann, beschreibt die Speicherkapazität, wie viel Energie insgesamt gespeichert werden kann. Rechnerisch könnte er damit bis zu 500.000 Haushalte rund zwei Stunden lang mit Strom versorgen. Der erste Bauabschnitt mit 100 Megawatt soll noch in diesem Jahr in Betrieb gehen, die Gesamtanlage im Jahr 2027.
Warum Großspeicher gebraucht werden
Der Grund für den Boom solcher Anlagen ist einfach: Windräder und Solaranlagen liefern Strom nicht immer dann, wenn er benötigt wird. An sonnigen oder windreichen Tagen entsteht oft mehr Energie als verbraucht werden kann. Kann dieser Strom weder gespeichert noch über das Netz abtransportiert werden, müssen Wind- und Solaranlagen ihre Erzeugung zeitweise drosseln.
Batteriespeicher nehmen diesen Überschuss auf und geben ihn später wieder ab. Zudem reagieren sie innerhalb von Sekunden auf Schwankungen im Stromnetz und tragen so dazu bei, Frequenz und Spannung stabil zu halten. Je mehr Wind- und Solarstrom erzeugt wird, desto wichtiger werden deshalb Speicher, um Erzeugung und Verbrauch zeitlich voneinander zu entkoppeln.
Die Inbetriebnahme der Gesamtanlage mit insgesamt 300 Megawatt ist für 2027 vorgesehen.Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
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Warum sich Großspeicher inzwischen rechnen
Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Anreiz. Betreiber können Strom dann speichern, wenn viel davon im Netz und der Preis niedrig ist, und ihn später wieder verkaufen, wenn die Nachfrage steigt. Gleichzeitig können die Anlagen Dienstleistungen für das Stromnetz übernehmen und so zusätzliche Einnahmen erzielen. Sinkende Batteriepreise und der schnelle Ausbau der erneuerbaren Energien haben dazu geführt, dass derzeit bundesweit immer mehr Großspeicher geplant oder gebaut werden.
Sachsen-Anhalt wird zum Speicherstandort
Nach Daten der RWTH Aachen sind inzwischen 545 Großspeicher in Deutschland in Betrieb. Weitere Anlagen mit einer Speicherkapazität von mehr als 30 Gigawattstunden sollen bis Herbst 2029 hinzukommen. Auch Sachsen-Anhalt entwickelt sich zu einem Schwerpunkt dieses Ausbaus. Neben Förderstedt entsteht derzeit in Klostermansfeld im Landkreis Mansfeld-Südharz ein weiterer Großspeicher, der nach Angaben des dortigen Betreibers nach seiner Fertigstellung der größte Deutschlands werden soll.
Ein Baustein der Energiewende
Sachsen-Anhalts Energieminister Armin Willingmann (SPD) sieht Batteriespeicher als einen entscheidenden Baustein für den Umbau des Energiesystems. „Mit dem Ausbau von Batteriespeichern schaffen wir die notwendige Flexibilität für ein Stromsystem, das immer stärker auf Wind- und Solarenergie basiert“, sagte er. So könnten überschüssige Strommengen besser genutzt werden, anstatt Wind- und Solaranlagen bei einem Überangebot abzuregeln.
Auf dem Gelände wurden zahlreiche Batterie-Container installiert. Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
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„Mit Förderstedt entsteht weit mehr als ein weiterer Batteriespeicher“, sagte Eco-Stor-Geschäftsführer Georg Gallmetzer. Das Projekt stehe beispielhaft für eine neue Generation privat finanzierter Energieinfrastruktur. Dass der Speicher erfolgreich finanziert und langfristig vermarktet werden konnte, zeige, dass große Batteriespeicher heute wirtschaftlich betrieben werden können.
Förderstedt gilt damit als eines der ersten sichtbaren Beispiele für den beschleunigten Ausbau großer Batteriespeicher im Land. Mit dem technischen Anschluss des ersten Bauabschnitts beginnt nun der Übergang von der Baustelle in den regulären Betrieb - ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einem Stromsystem, das erneuerbare Energien flexibler nutzen kann.