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Gemeinsam statt allein - Der Reiz von Gesellschaftsspielen

Spiele-Cafés wie das „Playce“ in Frankfurt sind beliebt. Was Besucher an dem Angebot schätzen und welche Brettspiele sich besonderer Beliebtheit erfreuen.

Von Ronja Oelke, dpa

09.05.2026

Es ist kaum 17.00 Uhr, da sind die ersten Tische im „Playce“ bereits besetzt. Manche Gäste sind in größeren Gruppen gekommen, andere zu zweit. Aber alle zieht es zu den großen Regalen, in denen rund 1.500 Spiele darauf warten, ausprobiert zu werden. 

„Man fühlt sich hier wie zu Haus“, erzählen zwei der Besucher. „Es ist sehr locker und ungezwungen.“ Das war auch die Grundidee von Katja Eisert und Dennis Horn. Die beiden „Playce“-Gründer sind seit langem spielbegeistert und wollten einen Ort der Begegnung schaffen, an dem man Zeit miteinander verbringen und spielen kann, ohne sich über genug Platz auf den Tischen, Snacks oder Ähnliches Gedanken machen zu müssen. 

Auch deshalb gibt es im „Playce“ eine Selbstbedienung auf Vertrauensbasis: Jeder darf sich das nehmen, worauf er gerade Lust hat. Die Tischgebühr von acht Euro ist für alle gleich. „Das gesellige Zusammensein wird hier wiederentdeckt“, sagt Eisert.

Jeder kann für sich und seine Gruppe in dem Spiele-Café einen Tisch reservieren.Helmut Fricke/dpa

Jeder kann für sich und seine Gruppe in dem Spiele-Café einen Tisch reservieren.Helmut Fricke/dpa

© Helmut Fricke/dpa

Umsatzwachstum bei Spielen und Puzzles 

„Das Thema Spielen hat einen höheren Stellenwert bekommen“, sagt Hermann Hutter, Vorsitzender des Spieleverlage e.V., in Bezug auf das wirtschaftliche Wachstum der Branche. Die Warenkategorie der Spiele und Puzzles erlebt seit Jahren einen fast kontinuierlichen Umsatzzuwachs, einen deutlichen Sprung gab es während der Corona-Pandemie. 2025 habe es bis September ein Plus von 18 Prozent gegeben.

Neben Sammelkarten haben sich auch sogenannte Kennerspiele etabliert. Es gebe nun immer mehr Spiele, die sich auf Taktik und Strategie fokussierten. „Solche Regelwerke haben dann gerne mal zwölf Seiten“, sagt Hutter.

Kennerspiele seien meistens auch kostspielig, erklären Philipp und Carina, die zum ersten Mal im „Playce“ zu Gast sind. „Spiele-Cafés sind eine gute Möglichkeit, um Spiele auszuprobieren“, sagen die beiden.

Und das funktioniert im „Playce“ so: Jeder kann für sich und seine Gruppe einen Tisch reservieren und bezahlt die Tischgebühr - egal, wie lange man bleibt oder wie viele Spiele man ausprobieren möchte. 

Rund 1.500 Brettspiele gibt es im „Playce“ zur Auswahl.Helmut Fricke/dpa

Rund 1.500 Brettspiele gibt es im „Playce“ zur Auswahl.Helmut Fricke/dpa

© Helmut Fricke/dpa

Das „Playce“-Team legt sehr viel Wert darauf, für alle Altersgruppen und Nationalitäten zugänglich zu sein. Spiele, die mit einem orangefarbenen Punkt markiert sind, kann man zum Beispiel auch spielen, wenn man kein Deutsch spricht. 

Von Studenten bis Rentner sind alle Altersgruppen vertreten

„Die Brettspielszene ist eine der Buntesten, die ich kenne“, sagt Patricia Fritzen, Schriftführerin des Spielkultur Frankfurt e.V, einem Verein, dessen Mitglieder regelmäßig gemeinsam spielen. „Brettspieler sind grundsätzlich sehr offen.“

Nur bei einer Zielgruppe scheinen Gesellschaftsspiele bisher nicht so ganz im Trend zu sein: Jugendliche. Sowohl im Verein als auch im „Playce“ sind die jüngsten Gäste meistens im Studentenalter. Nach oben gebe es aber kaum eine Grenze. Tatsächlich sind laut des Vereins die meisten Mitglieder etwa 30 bis 50 Jahre alt. 

Spiele als treibende Kraft in der Gesellschaft

Spielkultur Frankfurt e.V. ermöglicht seit 2018 seinen Mitgliedern, sich per Vereins-Discord - einer Kommunikationsplattform - mit anderen Spielern zu vernetzen und dienstags an Spieleabenden teilzunehmen. Die Spiele bringt jeder selbst mit, die Räumlichkeiten werden durch die Mitgliedsbeiträge finanziert. 

„Es ist uns wichtig, dass gerade das Brettspiel die Hürden senkt, neue Leute in einer sehr anonymen Großstadt kennenzulernen. Da ist das Hobby ein guter Anker“, sagt Fritzen.

Neben Brettspielen steht das soziale Miteinander in dem Spiele-Café im Vordergrund.Helmut Fricke/dpa

Neben Brettspielen steht das soziale Miteinander in dem Spiele-Café im Vordergrund.Helmut Fricke/dpa

© Helmut Fricke/dpa

Den Moment gemeinsam zu erleben sei die Kraft, die solche Spiele hätten, findet auch „Playce“-Gründerin Eisert. „Sich spielend zu begegnen, ist für mich ein Grundstein, der unsere Gesellschaft treibt.“

Die meisten Spiele-Cafés und Vereine bringen nicht nur ihre Besucher zusammen, sondern sind auch untereinander gut vernetzt. Die „Mainspiel“, eine jährliche Veranstaltung, bei der kostenfrei gemeinsam gespielt werden kann und die auch dieses Jahr im Herbst stattfinden soll, ist eines von vielen gemeinsamen Projekten.

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