Freiheitsgefühl und Harley-Sound - Frühling auf zwei Rädern
Ein Motorradclub in Hessen und Rheinland-Pfalz startet in die Saison - und erzählt von einem besonderen Lebensgefühl. Was sagen die Harley-Davidson-Biker zu Krach und Unfallgefahr?
Saisonbeginn im Frühling: Auch Harley-Davidson-Motorräder sind wieder öfters auf den Straßen in Hessen und Rheinland-Pfalz zu sehen. (Archivbild)Marcus Brandt/dpa
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Endlich Frühling, endlich zeitweise warmer Sonnenschein, endlich Naturerwachen: Das lockt in Hessen und Rheinland-Pfalz auch Tausende Motorradfahrer auf die Straßen. „Das ist ein besonderer Reiz, wenn du auf der Harley sitzt und die Natur riechst, das kannst du nicht mit einem offenen Autofenster erleben“, schwärmt Tobias Geller, Präsident des Harley-Davidson Clubs Rüdesheim.
Der Verein mit rund 25 Mitgliedern beidseitig des Rheins in Hessen und Rheinland-Pfalz widmet sich ganz der US-amerikanischen Motorrad-Marke, die er im Namen führt. Abendliches Clubtreffen in einem Restaurant in Waldalgesheim bei Bingen: Die meisten Vereinsmitglieder sind gekommen, diesmal noch mit ihren Autos - um Erfahrungen auszutauschen, zu fachsimpeln und Frühlingspläne auf zwei Rädern zu schmieden.
Fahrt eines früheren Magic-Bike-Treffens vorbei an der Burg Rheinstein am gegenüberliegenden Flussufer. Auch der Harley-Davidson Club Rüdesheim hilft alljährlich bei der Organisation des Biker-Spektakels im Sommer mit. (Archivbild)Frank Rumpenhorst/dpa
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Es geht um gemeinsame Erinnerungen, etwa an das alljährliche Sommer-Spektakel Magic Bike in Rüdesheim im hessischen Rheingau mit Tausenden Harley-Davidsons und Zehntausenden Zuschauern. Dort unterstützt ihr Club den Veranstalterverein Buddies & Bikes bei der Organisation. Und es geht um die neue Motorradsaison 2026.
Landstraßen, die sich durch Wald und Flur schlängeln, behagen dem Harley-Davidson Club Rüdesheim mehr als Autobahnen in flurbereinigter Agrarlandschaft oder in Ballungsräumen. „Wir fahren gerne Kurven - und auch unsere Beschleunigung ist angenehm“, sagt Präsident Geller, der in Lorchhausen am Rhein wohnt. Rasen sei aber nicht das Ziel, versichert der Produktmanager. Das überließen sie den Fahrern leistungsstarker Sportbikes anderer Marken.
„Ein Genuss für sich“
Karl-Heinz Weber, Vizepräsident des Vereins, sagt, Motorradfahren „ist ein Genuss für sich. Wenn man gestresst ist und eine Stunde fährt, wird man ruhig.“ Gerade die Clubausflüge am Wochenende in die Umgebung oder gelegentlich auch ins benachbarte Ausland „machen mit unserer Gemeinschaft richtig Laune“, ergänzt Weber, der in Bad Kreuznach wohnt und vor seinem Ruhestand Geschäftsführer in einem Heimtextilfachmarkt gewesen ist.
Viele Harley-Davidson-Biker putzen ihre Maschine sorgfältig. (Archivbild)Matthias Rietschel/dpa/ZB
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Beata Gobs, Hotelfachfrau aus dem rheinland-pfälzischen Heidesheim am Rhein, findet nach eigenen Worten auf ihrem Motorrad eine ganz besondere Freiheit: „Ich genieße die Landschaft und fahre langsam. Manche sagen, ich könnte dabei Blumen pflücken.“
Des einen Freud‘, des anderen Leid: Immer wieder beschweren sich insbesondere Anwohner besonders beliebter Motorradstrecken über den Lärm. Clubpräsident Geller winkt ab: „Bei unseren Harleys wird bei unter 50 Stundenkilometern in Ortschaften automatisch zugemacht, dann sind die nicht mehr laut.“
„Wie Musik in der Konzerthalle“
Außerorts, das geben mehrere Clubmitglieder in dem für sie reserviertem Nebenraum des dörflichen Restaurants in Waldalgesheim zu, sei der kernige Sound ihrer US-Maschinen für sie schon ein Klanggenuss. Eine Fahrerin sagt: „Ich kann den Auspuff mit einem „Spaßknopf“ lauter machen. In einem Tunnel ist das wie Musik in der Konzerthalle für mich - ich liebe das.“
Und die erhöhte Unfallgefahr? Laut Statistiken sind Motorradtrips besonders gefährlich - es fehlt eine teils schützende Karosserie wie beim Autofahren. Tobias Gellers Frau und Motorrad-Sozia Bärbel spricht von einem eher besonnenen Fahrverhalten vieler Harley-Biker. Sie weiß aber auch: „Gefährlich wird es, wenn Autofahrer nicht aufpassen und zum Beispiel auf eine Straße einbiegen, ohne genug zu schauen. Da hast du keine Chance.“ Ihr Mann Tobias Geller pflichtet ihr bei: „Viele Autofahrer unterschätzen die Geschwindigkeit von Motorradfahrern.“
Harley-Davidson-Motorräder gibt es in vielen Variationen. (Archivbild)Federico Gambarini/dpa
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Harley-Davidson-Maschinen haben ihren Preis. Vizepräsident Weber sagt, mit rund 20.000 Euro gehe es los, viele kosteten mehr als 30.000 Euro. Keine zwei dieser Maschinen seien genau gleich, „weil da jeder individuell was anderes macht - es gibt eine Riesenauswahl an Zubehör“. Manche Biker legen sich auch Chopper-Harleys zu - ähnlich wie im Hippie-Kultfilm „Easy Rider“.
Stimmt also das Klischee, dass vor allem Anwälte und Ärzte Harley-Davidsons fahren? Präsident Geller lacht: „Einen Rechtsanwalt haben wir nicht im Club, einen Zahnarzt aber schon. Der fährt sogar ziemlich am meisten.“ Ansonsten gebe es etwa noch einen Bauingenieur, einen IT-Spezialisten, eine Hausverwalterin, Rentner und eine Fährbetreiberin in den eigenen Reihen.
Sitz- und Griffheizung
Auf ihren US-Maschinen sind sie eher keine Berufspendler, sondern Freizeit-Biker. „Wir fahren auch nicht im Winter“, sagt Tobias Geller. „Das Streusalz greift die Speichenfelgen unserer älteren Harleys an.“ Ansonsten seien die Clubmitglieder offen für Wärmekomfort etwa in kühlen Morgenstunden im Frühling und Herbst: „Manche haben Sitzheizung und auch Griffheizung.“