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Ermittler: Kaum Empathie von Angeklagter nach Fund Fabians

In mitgeschnittenen Telefonaten betont die im Fall des getöteten Fabian angeklagte Frau vor allem ihre eigene Belastung. Darüber und über andere abgehörte Telefonate sagte der leitende Ermittler aus.

Von dpa

23.06.2026

Im Prozess um den getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow sagten am Dienstag Polizeibeamte aus.Danny Gohlke/dpa

Im Prozess um den getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow sagten am Dienstag Polizeibeamte aus.Danny Gohlke/dpa

© Danny Gohlke/dpa

Für das Schicksal des getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow hat die wegen Mordes angeklagte Frau laut leitendem Ermittler kaum Empathie nach dem Fund des Jungen gezeigt. Sie habe in abgehörten Telefonaten zwar gesagt, was mit Fabian passiert ist, sei schlimm. Die 30-Jährige habe aber stets betont, wie schlecht es ihr selbst gehe. Am Dienstag spielte das Landgericht Rostock Audiomitschnitte vor, in denen sie etwa von der Belastung durch die Ermittlungen oder das Medieninteresse berichtete.

Auch für den Vater des getöteten Jungen zeigte die Frau in abgespielten Audiomitschnitten kurz nach Auffinden Fabians kaum Mitgefühl. Sie selbst sei ganz allein, während Fabians Vater durch seine Familie unterstützt werde, sagte sie etwa. Nach Angaben des Ermittlers, der als Zeuge aussagte, habe sie auch in anderen Gesprächen kaum Beileid zum Ausdruck gebracht.

Ermittler: Zeitweise gutes Verhältnis zu Fabian glaubwürdig

Er glaube ihr aber, dass sie zeitweise ein gutes Verhältnis zu dem Jungen gehabt habe, sagte der Polizist. Mit Fabians Vater hatte sie eine Beziehung, die aber vor dem Tod des Jungen beendet wurde. Inzwischen sind beide nach früheren Aussagen des Vaters wieder ein Paar.

Die Frau hatte am 14. Oktober 2025 den Fund der Leiche an einem Tümpel südwestlich von Güstrow gemeldet. Zeugen sagten aus, dass sie bereits am Tag zuvor mit ihr am Fundort gewesen seien. Nach Aussage des Ermittlers sprach sie mit einem dieser Zeugen Alibis ab, nachdem beide realisiert hatten, dass sie in getrennten Vernehmungen nicht deckungsgleich ausgesagt hatten. Sie habe dem Mann vorgegeben, was er sagen sollte. Dieser habe sich an vieles selbst nicht erinnert. 

Der Ermittler leitete innerhalb einer Mordkommission nach eigener Aussage mehrere Beamte und verantwortete etwa Telefonüberwachungen und Vernehmungen. Unter anderem sei man auch bestimmte Strecken abgefahren, um Fahrtzeiten zu überprüfen und habe einen Zeitstrahl des mutmaßlichen Tattages erstellt. Es gehe darum, im Großen und Ganzen einen Überblick zu bekommen. Ein perfektes Bild bekomme man nicht hin, erklärte er.

Vier Telefonüberwachungen

Man habe die Telefone von vier Menschen überwacht: nämlich der Angeklagten, von Fabians Vater sowie zweier Zeugen, mit denen die Angeklagte bereits am 13. Oktober 2025 bei dem Tümpel war.

Am Folgetag fuhr die Angeklagte mit einer damaligen Freundin, die bereits vergangene Woche vor Gericht ausgesagt hat, und zwei Hunden zum Fundort. Während die Zeugin nach eigener Aussage in einiger Entfernung mit ihrem Rollator stehen geblieben sei, sei die Angeklagte zielstrebig mit den Hunden über einen Acker zum Fundort gegangen. Der Polizei sagte die Angeklagte, sie habe die Leiche zufällig gefunden. 

In einem am Dienstag abgespielten Telefonmitschnitt sagte die Angeklagte der Bekannten, sie habe mit ihren Aussagen andere in den Fall mit hereingezogen und ihnen umfassende Vernehmungen beschert.

Frau spricht von sich aus mögliche Spuren an

Nach Aussage des leitenden Ermittlers fertigten die Beamten für wichtige Telefongespräche Wortprotokolle an. Andere Gespräche hätten sie zusammenfassend verschriftlicht.

Nach einer Vernehmung in Rostock fuhr der Ermittler die damals noch als Zeugin geltende Frau zusammen mit einem weiteren Beamten nach Hause. Dabei habe die Frau ungefragt von sich aus gesagt, dass die Polizei wahrscheinlich Spuren von Fabian in ihrem Auto finden werde. Sie habe das damit erklärt, dass sie Fabian im Sommer noch mit dem Auto gefahren und danach nicht den Wagen gereinigt habe. Das stehe allerdings im Widerspruch mit Hinweisen von ihrem Handy, nach denen sie das Auto doch im fraglichen Zeitraum gereinigt habe.

Angaben nicht bestätigt

Auch frühere Angaben der Angeklagten, nach denen sie am mutmaßlichen Tattag zu einem Tierheilpraktiker gefahren sein will, habe man überprüft. Demnach hatte die Frau gesagt, der Tierheilpraktiker sei nicht da gewesen. Der Polizei habe dieser hingegen gesagt, dass er erreichbar gewesen und mitgekommen wäre, wenn die Frau ihn tatsächlich besucht hätte.

Sehr aufgebracht reagierte die Angeklagte laut Ermittler auf Aussagen eines Bekannten, nach denen im Umfeld des Fundorts der Leiche in Wäldern Wildkameras angebracht seien. In einem ebenfalls abgespielten Telefonmitschnitt widerspricht die Angeklagte dem mehrmals. Laut Ermittler hatte die Polizei tatsächlich keine entsprechenden Videoaufnahmen zur Verfügung.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau vor, Fabian bereits am 10. Oktober getötet zu haben. Die Frau schweigt bislang zu den Vorwürfen, will sich aber nach Angaben ihrer Verteidiger Anfang August äußern. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.

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