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Ein Roboter bekocht Soldaten in Alt-Duvenstedt

Noch mindestens bis Jahresende kommt das Essen in der Kaserne aus der Maschine. Die Bundeswehr testet einen Kochroboter. Was er alles kann.

Von dpa

20.10.2026

Unternehmensgründer Nikolas Bullwinkel präsentiert einen autonomen Koch-Roboter für die Bundeswehr. Frank Molter/dpa

Unternehmensgründer Nikolas Bullwinkel präsentiert einen autonomen Koch-Roboter für die Bundeswehr. Frank Molter/dpa

© Frank Molter/dpa

Getrüffelte Penne, Chili con Carne oder doch Kaiserschmarrn mit Vanille-Schokolade? Die rund 900 Soldatinnen und Soldaten der Hugo-Junkers-Kaserne im schleswig-holsteinischen Alt-Duvenstedt sind derzeit nicht auf die Essenszeiten der Truppenküche angewiesen, sondern bestellen beim autonomen, KI-gestützten Kochroboter CA-1 der Münchner Firma Circus Group. „Man kann sich das vorstellen wie eine Kantine, aber komprimiert auf sieben Quadratmeter, vollautonom“, sagt der Gründer, Geschäftsführer und gebürtige Flensburger Nikolas Bullwinkel. „Wir kochen effektiv in einem Kühlschrank.“ Im Inneren herrschten sechs Grad, die Kühlkette werde zu keiner Zeit unterbrochen.

Der Kochroboter ist so groß wie ein kleiner Wohnwagen, im Inneren rotieren auf zwei Roboterarme. Sie ziehen Nudeln und andere Bestandteile aus drei Dutzend Silos und schütten diese in rotierende Kochtöpfe. Sensoren sollen die Sinne des menschlichen Kochs ersetzen. Der Kunde kann zusehen. Innerhalb weniger Minuten landen die Gerichte in einem der acht Ausgabefächer. Einen Menschen benötigt die Roboterküche nur für das Befüllen und die Reinigung.

Im Innern werkeln zwei Roboterarme.Frank Molter/dpa

Im Innern werkeln zwei Roboterarme.Frank Molter/dpa

© Frank Molter/dpa

Noch bis Jahresende läuft der Pilotbetrieb bei der Truppe. Ein paar Tausend Gerichte habe sie dort seit April gekocht, schätzt Bullwinkel. Ende 2026 werde das Unternehmen rund 50 Roboter installiert haben, unter anderem bei Firmen, in Supermärkten und Kliniken. Zudem werde in der Ukraine der Einsatz bei Bodentruppen getestet.

In der Kaserne in Schleswig-Holstein steht auch ein kleineres Modell für Suppen, Smoothies und Shakes. Das große Modell CA-1 schlage mit 265.000 Euro zu Buche, hinzu kämen bis zu 8.000 Euro monatlich für Service, sagt Bullwinkel. Notwendig seien nur so viel Strom wie für eine Handvoll großer Kühlschränke und Wasser.

Die Bundeswehr testet das Gerät bis Jahresende in Alt-Duvenstedt.Frank Molter/dpa

Die Bundeswehr testet das Gerät bis Jahresende in Alt-Duvenstedt.Frank Molter/dpa

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Das sagt die Bundeswehr

Einige Geräte wie die Trüffel-Penne seien super, sagt Kasernen-Kommandantin Romy Petersen. „Das ist Geschmackssache. Was ich weiß: Der Renner ist der Kaiserschmarrn.“ Ihr persönliches Fazit der Gerichte falle aber durchwachsen aus.

Eine Entscheidung über den Kauf von Geräten hat die Bundeswehr noch nicht getroffen. „Das ist ein zusätzliches Angebot zur Gemeinschaftsverpflegung“, sagt Hauptmann Ryl vom Verpflegungsamt. Die Rückmeldungen seien positiv. „Es wird super angenommen, weil es eine Alternative ist zu dem typischen Schnitzel.“

Die deutsche Firma Circus Group ist nicht der einzige Anbieter kommerzieller Kochroboter. Das ebenfalls deutsche Unternehmen Goodbytz entwickelt auch Modelle. Seit September kocht an einer Tankstelle im Münchner Südosten ein Roboter des Unternehmens.

Er beherrscht nicht nur Pasta-Gerichte.Frank Molter/dpa

Er beherrscht nicht nur Pasta-Gerichte.Frank Molter/dpa

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Bullwinkel betont, die Maschinen bildeten den gesamten Kochzyklus ab. Es sei als Zusatzangebot zur Kantine gedacht. Außer Burger und Pizza sei alles möglich, was in Töpfe passe. Er sieht für die Automatisierung der Lebensmittel-Produktion durch KI-Robotik großes Potenzial, auch bei der Modernisierung der Bundeswehr.

Das sagt die Branche

Der Hauptgeschäftsführer des Gaststättenverbands Dehoga, Andreas Tedsen, sagte der Deutschen Presse-Agentur, „als Ersatz für Köchinnen und Köche sehen wir in solchen Robotern keine Perspektive für unsere Gastronomie“. Kochen sei Handwerk, Leidenschaft und Kreativität. „Es lebt von Erfahrung, einem guten Gespür für Lebensmittel und der Fähigkeit, auf individuelle Wünsche unserer Gäste einzugehen.“ Genau diese Menschen machten die gastronomische Vielfalt Schleswig-Holsteins aus.

„Technik kann im Küchenalltag sinnvoll unterstützen und bei Routinearbeiten entlasten“, sagte Tedsen. Die Zukunft liege aber in gut ausgebildeten Fachkräften. „Ein Roboter kann ein Rezept abarbeiten. Eine eigene kulinarische Handschrift tragen unsere Köchinnen und Köche.“ Zum Einsatz vergleichbarer autonomer Kochroboter im Norden gebe es keine gesicherten Informationen.

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