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Ein Jahr Waffenverbotszonen: 149 Messer sichergestellt

Nach einem Jahr Waffenverbotszonen an drei kritischen Orten zieht die Berliner Polizei eine positive Bilanz – doch Gewerbetreibende erleben die Lage rund ums Kottbusser Tor weiter als schwierig.

Von dpa

14.02.2026

Gelbe Schilder weisen auf die Waffen- und Messerbotszone am Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg hin.Torsten Holz/dpa

Gelbe Schilder weisen auf die Waffen- und Messerbotszone am Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg hin.Torsten Holz/dpa

© Torsten Holz/dpa

Im ersten Jahr der neuen Messer- und Waffenverbote in drei kritischen Zonen hat die Polizei in Berlin nach eigenen Angaben 149 Messer sichergestellt. Rund um das Kottbusser Tor und den Görlitzer Park in Kreuzberg sowie am Weddinger Leopoldplatz – alle stark von Kriminalität belastet – gab es von Mitte Februar 2025 bis Ende Januar 5.220 Kontrollen, wie ein Sprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. 

Am häufigsten kontrollierten Polizisten am Leopoldplatz, ob das Verbot eingehalten wurde – und zwar 3.366 Mal. Dabei seien bis 2. Februar insgesamt 110 Messer beschlagnahmt worden. 

Ungeachtet des Verbots kam es laut Polizei in den knapp zwölf Monaten bis zum 31. Januar am Leopoldplatz zu 19 Messerangriffen, dreimal wurden sogar Schusswaffen eingesetzt. 

Im Bereich des Görlitzer Parks wurden 29 Messerattacken und ein Vorfall mit einer Waffe registriert. Am Kottbusser Tor wurde nach 28 Messerangriffe sowie vier Vorfällen mit Waffen ermittelt. 

Die Polizei leitete neben Ermittlungen zu den Straftaten nach den Angaben insgesamt 269 Verfahren wegen Verstößen gegen die neue Regelung ein. 

Erste Bilanz der Polizei positiv

Die Berliner Polizei zog nach den ersten Monaten eine positive Bilanz. „Gezielte Kontroll- und insbesondere Durchsuchungsmaßnahmen von Personen entfalten eine deutlich höhere abschreckende Wirkung als eine reine Streifentätigkeit oder Präsenz, da sie aktives polizeiliches Handeln und unmittelbare Rechtsdurchsetzung sichtbar machen“, erklärte der Behördensprecher. 

Ein erster Vergleich der Kriminalitätslage bezogen auf Messerattacken und Straftaten mit Schusswaffen in den drei Zonen habe ergeben, dass die Vorfälle im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit Stand vom 7. Januar abgenommen hätten. 

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) äußerte sich dagegen kritisch. „Waffen- und Messerverbotszonen sind und bleiben Placebo und lösen das Problem nicht, auch wenn unsere Kollegen vor Ort gute Arbeit machen“, meinte der Berliner GdP-Landeschef Stephan Weh. „Natürlich ist jede Waffe, die aus dem Verkehr gezogen wird, ein Gewinn, aber es ist eben nicht so, dass sie zwei Meter neben dem Leopoldplatz oder außerhalb der U-Bahn ungefährlicher ist.“ Die Messergewalt habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, die Politik habe dafür aber bisher keine Lösung gefunden.

Verbot gilt seit 15. Februar 

Das Verbot gilt seit dem 15. Februar in den drei Zonen. Es erstreckt sich auf öffentliche Straßen, Wege und Plätze sowie die U-Bahnhöfe Görlitzer Park, Kottbusser Tor und Leopoldplatz. Laut der Verordnung sind jegliche Waffen wie auch alle Messer inklusive Küchen- und Gebrauchsmesser verboten - das gilt für alle Personen.

Hintergrund der Regelung, die ein neues Bundesgesetz möglich machte, ist eine steigende Anzahl von Messerangriffen mit Verletzten und Toten in der Hauptstadt. Berlins Innensenatorin Iris Spranger erklärte damals, die Waffen- und Messer-Verbotszonen seien ein Baustein eines Gesamtkonzeptes, um gegen die gestiegene Anzahl von Messerangriffen in der Öffentlichkeit vorzugehen. „Sie stützen die Sicherheit gezielt dort, wo es erforderlich ist“, so die SPD-Politikerin. 

„Es hat sich nichts verändert“

Ein Mitarbeiter eines türkischen Supermarkts direkt am „Kotti“ bilanzierte am Freitag, die Sicherheitslage sei trotz Waffen- und Messerverbots aus seiner Sicht gleich schlecht. „Es hat sich nichts verändert“, sagt der Mann, der lieber anonym bleiben will. Jetzt bei der Kälte sei es auf dem Platz und unten in der U-Bahn ein wenig ruhiger, aber sonst sei es oft gefährlich. „Die schlagen sich oder die klauen, also Handys oder Taschen.“ Auch in seinem Laden werde weiter viel gestohlen, die Drogenszene sei ebenfalls gleich groß geblieben.

Ein Mitarbeiter einer Bar äußerte einen etwas anderen Eindruck. Schon mit der Corona-Pandemie habe die Bandenkriminalität, der Diebstahl und auch die Gewalt am Kottbusser Tor nachts nachgelassen, wenn er arbeite. „Das kam aber vor Verbotszone und vor der neuen Polizeiwache hier.“

Ein am Platz ansässiger Schuster zeigte sich etwas ratlos, wie sich die Situation verbessern ließe. Mutmaßliche Dealer würden zwar regelmäßig in Handschellen von der Polizei abgeführt, kämen aber umgehend wieder frei. „Wenn man die jetzt hier alle verscheuchen würde - wo sollen die hin? Ich schätze mal, hier werden die geduldet, warum auch immer. Ich meine: Warum sind die nicht in Zehlendorf oder in Mitte?“

Die Bilanz nach einem Jahr fällt gemischt aus. Torsten Holz/dpa

Die Bilanz nach einem Jahr fällt gemischt aus. Torsten Holz/dpa

© Torsten Holz/dpa

„Verbotszone“ steht auch auf dem Schild, das an einem Einsatzwagen der Polizei hängt. (Archivbild) Annette Riedl/dpa

„Verbotszone“ steht auch auf dem Schild, das an einem Einsatzwagen der Polizei hängt. (Archivbild) Annette Riedl/dpa

© Annette Riedl/dpa

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