Duftöl für mehr Komfort - Wie die Bahn Züge sauber hält
Zug voll, Toilette schmutzig? Damit das möglichst nicht der Fall ist, hat die Bahn ein Programm für mehr Komfort aufgelegt. Was das für das Reinigungspersonal bedeutet.
„Unterwegsreiniger“ sollen für mehr Sauberkeit im Zug sorgen.Jan Woitas/dpa
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Wenn Sandra Lux beruflich Zug fährt, klebt sie als Erstes einen rot-weißen Zettel an die Tür der Toilette. „Wir reinigen für Sie. In Kürze steht Ihnen dieses WC wieder zur Verfügung. Vielen Dank für Ihre Geduld“, steht darauf in Deutsch und Englisch.
Lux ist „Unterwegsreinigerin“. Sie soll dafür sorgen, dass ein ICE ordentlich und sauber ist, auch wenn er schon seit vielen Hundert Kilometern fährt. Die Deutsche Bahn hat das Personal bundesweit gerade verdoppelt.
Duftöl „Karibik“ in der Zugtoilette
Lux streift sich blaue Handschuhe über und beginnt ihre Arbeit. „Toilette, Stangen, Müllbehälter, Spiegel, Fußboden, Griffe“ - in dieser Reihenfolge geht die 62-Jährige vor. Am Schluss verteilt sie noch etwas Duftöl „Karibik“. „Die Toiletten sehen mal so aus und mal so. Das ist nicht so wie zu Hause immer“, sagt Lux. Verdreckte Sanitärräume seien natürlich nicht schön. Aber Lux nimmt es gelassen: „Es ist mein Job“, sagt sie.
Lux ist schon seit 1981 bei der Bahn, wie sie erzählt. Sie hat Lokschlosserin gelernt und ist nun schon seit 25 Jahren „Unterwegsreinigerin“. Meistens arbeitet sie im ICE zwischen Leipzig und Berlin. Zweimal hin und zweimal zurück - so sieht ein normaler Arbeitstag für sie aus. Während sie putzt und den Müll der Reisenden in den Waggons einsammelt, fliegen draußen insgesamt 600 Kilometer an ihr vorbei.
Sauberkeit leidet im Laufe eines Tages
Die Sauberkeit eines Zuges ist eine ziemlich komplexe Angelegenheit. Es gibt unterschiedliche Arten der Reinigung zu unterschiedlichen Zeiten. Grundsätzlich gilt: Wenn ein Zug morgens seine erste Fahrt beginnt, ist er sauber hergerichtet. „Und dann beginnt der Tag mit all seinen Herausforderungen“, sagt Olaf Berger (61), Anwendungstechniker bei den Fahrzeugdiensten der DB Services.
Sauberkeit im Zug kann eine Herausforderung sein.Jan Woitas/dpa
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Rund 400 ICE sind bundesweit auf den Schienen unterwegs. Rechnerisch befördert die Bahn im Fernverkehr mehr als 370.000 Reisende täglich. „Es wird immer schwieriger über den Tag, einen Zug sauber zu halten“, weiß Berger. Damit das besser gelingt, hat die Bahn ein Sofortprogramm für mehr Komfort im Fernverkehr aufgelegt. Die Zahl der „Unterwegsreiniger“ stieg von 110 auf 220. Sie sind vor allem auf den stark nachgefragten Strecken im Einsatz.
Gurkenscheiben an der Decke
Jeder, der für Sauberkeit im Zug sorgen will, kann kleine Geschichten erzählen, warum das gar nicht so einfach ist. Am kritischsten seien die Sanitärräume, aber auch so manches Kleinkindabteil müsse einiges aushalten, sagt Berger. „Ich hatte auch mal einen frustrierten Fahrgast, der hat Gurkenscheiben aus einem Glas an die Decke geklebt.“ Der allergrößte Teil der Reisenden verhalte sich aber absolut angemessen.
Das Feedback der Fahrgäste auf die Reinigungskräfte sei positiv, sagt Berger. Eine 32 Jahre alte Mutter, die mit ihrem vier Monate alten Sohn im ICE sitzt, bestätigt, dass Sauberkeit für sie ein wichtiges Thema sei. Sie pendele häufig mit Baby zwischen Berlin und München. „Da kommt es dann natürlich auch darauf an, dass ein Zug auch pünktlich ist und nicht nur sauber“, fügt sie hinzu.
Freundliche Reisende freuen Reinigungspersonal
„Unterwegsreinigerin“ Lux hat aufgrund des Sofortprogramms jetzt noch einen weiteren Kollegen, der mit ihr im ICE zwischen Leipzig und Berlin arbeitet. Alleine sei so ein Zug auf der Strecke nicht zu schaffen gewesen, zu zweit klappe das schon eher, berichten beide. Anstrengend werde es, wenn die Züge sehr voll sind und man kaum noch durchkomme.
Es ärgere sie, wenn Fahrgäste ihre Arbeit nicht schätzten, sagt die 62-Jährige. „Es gibt aber auch Reisende, die bedanken sich und freuen sich, wenn sie in ein gerade gereinigtes WC gehen können“, sagt sie. „Ich mache dann auch meinen Spaß und sage: „Nur für Sie, extra frisch geputzt!“.“
Die Bahn hat das Reinigungspersonal für unterwegs verdoppelt. Jan Woitas/dpa
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Die Reinigungskräfte sind auf stark befahrenen Strecken unterwegs.Jan Woitas/dpa
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Das Personal reinigt die WCs und sammelt den Müll der Reisenden ein.Jan Woitas/dpa
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