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Dreistellige Zahl an Menschen aus Aufnahmeeinrichtungen weg

923 Flüchtlinge sind aus rheinland-pfälzischen Aufnahmeeinrichtungen verschwunden – und keiner weiß wohin. Was hinter den Zahlen steckt und warum das Ministerium jetzt reagieren muss.

Von dpa

20.01.2026

Auch Zahlen zur Landesaufnahmeeinrichtung in Trier legte das Ministerium vor. (Archivfoto)Harald Tittel/dpa

Auch Zahlen zur Landesaufnahmeeinrichtung in Trier legte das Ministerium vor. (Archivfoto)Harald Tittel/dpa

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Eine dreistellige Zahl an Flüchtlingen ist in Rheinland-Pfalz in anderthalb Jahren aus Aufnahmeeinrichtungen verschwunden, ohne dass der Verbleib dieser Menschen bekannt ist. Nach Angaben des Integrationsministeriums in Mainz summiert sich die Zahl der Menschen, bei denen zwischen dem 1. Juli 2024 und Ende vergangenen Jahres der Aufenthaltsort nicht bekannt war, auf insgesamt 923. Die Zahl legte das Land im Nachgang zur Debatte über Geflüchtete vor, die aus einer Einrichtung verschwanden.

Bewohner gelten als „abgängig“, wenn sie seit mehr als drei Tagen nicht mehr in der Einrichtung waren. Das Ministerium wählte für die Zahlen den Zeitraum von Anfang Juli 2024 bis Ende Dezember 2025, weil Geflüchtete in Aufnahmeeinrichtungen für Asylbegehrende des Landes maximal 18 Monate untergebracht werden, bevor sie auf die Kommunen verteilt werden. 

Rund 9,1 Prozent der Flüchtlinge verschwinden

Von den 923 sogenannten „Abgängigen“ sind laut Ministerium 94 aus der Einrichtung in Bitburg, 173 aus Hermeskeil, 81 aus der am Flughafen Hahn, 150 aus Kusel, 180 aus Speyer und 245 aus Trier. Insgesamt nahm Rheinland-Pfalz in dem Zeitraum 10.120 Personen auf - das entspricht also einer Quote an verschwundenen Menschen von rund 9,1 Prozent. 

Diese Zahlen werden normalerweise nicht offengelegt. In der vergangenen Woche hatte jedoch ein Datenleck Zahlen aus der Aufnahmeeinrichtung in Bitburg öffentlich gemacht. Ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma hatte eine von mehreren Mails mit der Information an die Aufsichtsbehörde ADD und alle Landtagsabgeordneten verschickt. Die ADD erstattete Strafanzeige gegen den Mann, er ist freigestellt.

Das Integrationsministerium betonte bereits in der vergangenen Woche, dass die Bewohner einer Landes-Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge nicht eingesperrt werden könnten. „Unsere Aufnahmeeinrichtungen sind keine Gefängnisse“, sagte Integrationsstaatssekretär Janosch Littig (Grüne). Das Thema wird am Dienstag (ab 14.00 Uhr) auch den Ausschuss für Familie, Jugend, Integration und Verbraucherschutz des Landtages in Mainz beschäftigen.

„Unsere Aufnahmeeinrichtungen sind keine Gefängnisse“, sagt Integrationsstaatssekretär Littig. (Archivfoto) Harald Tittel/dpa

„Unsere Aufnahmeeinrichtungen sind keine Gefängnisse“, sagt Integrationsstaatssekretär Littig. (Archivfoto) Harald Tittel/dpa

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