Die Woche nach der Tat – Wie geht es an der Schule weiter?
Nach dem Gewaltakt mit zwei Toten sucht die Privatschule in Gosen-Neu Zittau in Ostbrandenburg einen Weg zurück zur Normalität. Wie wird mit der Trauer weiter umgegangen?
Nach der gewaltsamen Tat mit zwei Toten an einer Schule in Gosen-Neu Zittau soll die Betreuung durch Seelsorger weitergehen.Britta Pedersen/dpa
© Britta Pedersen/dpa
Vier Tage nach der Gewalttat mit einer toten Schülerin und einem toten Erzieher kommt die Schule in Gosen-Neu Zittau wieder zusammen. Die Seelsorge bleibt, mehrere Gedenken stehen an.
Ist wieder normaler Unterricht?
Der private Schulträger Docemus bietet weiter Unterstützung an. „Die Seelsorger genauso wie die Psychologinnen und Psychologen stehen weiterhin zur Verfügung“, sagte der Sprecher der Academedia Education GmbH, der Muttergesellschaft, Michael Kunz. Er lobte die Zusammenarbeit mit dem Klinikum Frankfurt (Oder) und der Notfallseelsorge durch die Kreise Oder-Spree und Dahme-Spreewald.
Heute sei eine zentrale Veranstaltung für Schülerinnen und Schüler geplant. Damit solle Zeit gegeben werden, noch nicht in regulären Unterricht zurückzukehren. Mit jüngeren Klassen werde schrittweise geprüft, in der Woche darauf normalen Unterricht anzubieten.
Zu Docemus gehören Gymnasium, Oberschule und Fachoberschule. Die staatliche Grundschule auf dem Gelände bietet nach Angaben des Bildungsministeriums am Montag wieder regulären Unterricht an.
Wird es weitere Gedenkfeiern geben?
Ja. Für kommenden Donnerstag (3. September) ist um 10.00 Uhr ein Trauergottesdienst in der Schule geplant. Das teilte Kunz mit. Am Freitag (4. September) soll es nach Angaben des Bürgermeisters von Gosen-Neu Zittau, Frank Nakoinz (BVB/Freie Wähler), um 17.00 Uhr vor der Schule ein Gedenken mit Schweigeminute für den getöteten Erzieher geben, der im Hort der Kita von Neu Zittau tätig war. Der Bürgermeister bittet Medienvertreter, den Feiern aus Respekt vor den Trauernden fernzubleiben.
Wie weit sind die Ermittlungen?
Der mutmaßliche Täter, ein 19-jähriger Deutscher, ist in Untersuchungshaft. Er steht laut Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) im Verdacht, am Donnerstag eine 18 Jahre alte Schülerin und einen 30 Jahre alten Erzieher getötet zu haben. Ihm wird zweifacher Mord vorgeworfen.
Die Schülerin soll laut Staatsanwaltschaft die Ex-Freundin des Verdächtigen gewesen sein. Der Erzieher soll versucht haben, der Schülerin zu helfen. Bei der Tatwaffe soll es sich um ein Messer handeln. Der mutmaßliche Täter trat bisher strafrechtlich nicht in Erscheinung, ist der Polizei aber bekannt.
Gegen ihn wurde laut Staatsanwaltschaft nach einem Fußballspiel 2023 in Berlin wegen Mitführens eines verbotenen Gegenstands ermittelt, das Verfahren gegen den damals 16-Jährigen wurde wegen Geringfügigkeit aber eingestellt. „T-Online“ hatte darüber berichtet. Zunächst war von Volksverhetzung die Rede gewesen.
Das Verfahren wurde gemäß § 45 Abs. 1 JGG in Verbindung mit § 153 Abs. 1 StPO eingestellt. Eine weitergehende Bewertung oder Auskunft zu Einzelheiten des damaligen Verfahrens erfolgt mit Blick auf das Alter des Beschuldigten zur Tatzeit und die gesetzlichen Schutzvorschriften nicht.
Welche Hilfe gibt es noch für die Hinterbliebenen?
Die Gemeinde Gosen-Neu Zittau richtet nach Angaben des Bürgermeisters zudem ein Spendenkonto für die Hinterbliebenen ein. „Den erlittenen Verlust können wir nicht ungeschehen machen. Gemeinsam können wir jedoch ein Zeichen der Anteilnahme, der Solidarität und des Zusammenhalts setzen“, schrieb er. Der Sportverein SG Grün-Weiß Deutsch Wusterhausen, bei dem der Erzieher im Tor stand, rief zu Spenden für dessen Familie auf.