Bleibt Blessin doch beim FC St. Pauli? „Ist eine Option“
Trainer Alexander Blessin zögert mit der Entscheidung, ob er beim Absteiger FC St. Pauli bleibt. Erst nach einer Analyse soll der Entschluss feststehen. Ganz ausschließen will er sein Bleiben nicht.
Wie geht es weiter?: FC St. Paulis Trainer Alexander Blessin zögert noch mit einer Zukunftsentscheidung. Christian Charisius/dpa
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Gemeinsam mit Präsident Oke Göttlich und Sportchef Andreas Bornemann trat Trainer Alexander Blessin zwei Tage nach dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga vor die Medien. War es seiner letzter Auftritt im Millerntor-Stadion? Noch steht gar nicht fest, ob der 52-Jährige auch in der Zweitliga-Saison für den Kiezclub arbeiten wird.
Wer eine Antwort auf die Frage „Bleibt Blessin oder bleibt er nicht?“ erwartet hatte, muss sich gedulden. Erst nach einer Analyse der Abstiegssaison wird sich entscheiden, ob der Trainer seine Zukunft am Millerntor sieht. „Ich glaube, eine Aufarbeitung ist einfach wichtig“, sagte der Schwabe, der bei der Medienrunde mit Hoodie und Hose ohne Vereinslogo auftrat.
Bornemann will in zwei, drei Tagen Klarheit
Bornemann möchte noch ein Meeting mit den Mitarbeitenden des FC St. Pauli am Dienstag abwarten. „Dann beginnt für mich die neue Saison“, meinte er. „Spätestens in den nächsten zwei, drei Tagen soll klar sein, wo es hingeht.“
Blessin hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass der am Ende erfolglose Abstiegskampf ihm viel Kraft gekostet hat. Nach dem entscheidenden 1:3 gegen den VfL Wolfsburg beim Saisonfinale am Samstag wirkte er erschöpft und niedergeschlagen. Daher war schon zeitnah mit einem freiwilligen Abschied gerechnet worden.
Als alles begann: St. Paulis-Sportchef Andreas Bornemann (l) bei der Vorstellung von Trainer Alexander Blessin 2024. (Archivbild) Marcus Brandt/dpa
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Blessin: Verein braucht Trainer, das sagt ‚Hey, wir rocken das Ding‘
„Ich glaube, dieser Verein braucht am Ende einen Trainer, der sagt, ‚Hey, wir rocken das Ding‘“, sagte der Trainer. „Wir müssen genauso brennen, wir drei, wie das Millerntor. Und da musst du einfach komplett mit dabei sein, mit den Sinnen dabei und dass du auch alles abrufen kannst. Und darum geht’s.“
Es dürfe jetzt „keine Lethargie entstehen, es darf keine Untergangsstimmung entstehen, sondern es geht in dem Moment trotzdem auch weiter“. Weil der Verein so groß ist und wegen der Fans, „sei es einfach extrem wichtig, dass man sehr, sehr schnell auch Klarheit hat“, sagte Blessin.
Alles auf dem Prüfstand
„Was bleibt, ist ein ganz bitterer Abstieg, der hätte auch vermieden werden können“, sagte er. „Es gibt auch von mir viele Fragen: Was hätte ich besser machen können? Und da bin ich jetzt selbst noch in der Findungsphase.“
Gemeinsam mit Göttlich und Bornemann hat er bereits begonnen, die vergangene Saison zu analysieren und mit Blick auf die Spielzeit in der 2. Bundesliga Schlüsse zu ziehen. Einig ist das Trio, dass der Abstieg verdient gewesen ist.
Würde gern Trainer Alexander Blessin halten:St. Pauli-Präsident Oke Götlich. Philipp Szyza/dpa
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Präsident Göttlich betonte zugleich: „Wir wissen, dass wir kein naturgeborener und etablierter Erstligist sind. Das können wir nicht sein, das müssen wir uns über Jahre und teilweise, wie in Mainz, Augsburg und anderen Standorten, über Jahrzehnte erarbeiten“, sagte er. „Wenn wir dahin kommen wollen, müssen wir überperformen. Wir müssen auf allen Ebenen überperformen.“
Daher wird alles auf den Prüfstand kommen. Wer im Kader bleibt, ist offen. Selbst Spieler wie Kapitän Jackson Irvine stehen zur Disposition. Wer kommt, ist auch von der künftigen Spielweise abhängig.
Blessin interessant für andere Clubs
Ob er mit in die 2. Bundesliga geht, hängt wohl allein von Blessin ab. „Daran zu arbeiten, das wiedergutzumachen, ist auf jeden Fall eine Option“, sagte er.
Sollte er diese Option nicht wahrnehmen, hat Blessin genug andere Möglichkeiten. Er hat sich mit seiner Arbeit beim FC St. Pauli trotz des Abstiegs einen guten Namen gemacht. In der Vorsaison hatte er den finanziell limitierten Club immerhin in der Liga gehalten.
Auf dem Trainer-Markt in der Bundesliga gibt es offene Stellen. Mit dem VfL Wolfsburg und dem FC Augsburg wurde er bereits in Verbindung gebracht. „Ich habe Vereine wegen der Leute, mit denen ich zusammenarbeite und die ich wahrscheinlich mehr sehe als meine Familie, ausgesucht“, sagte Blessin.
„Egal, wo ich war, diese Entscheidungen haben mich immer bestätigt, dass mein Bauch richtig reagiert hat.“ Auch jetzt wird wohl sein Bauch über seine Zukunft entscheiden.
Bleibt er, geht sein Weg um den 21. Juni herum am Millerntor weiter. Dann startet die Mannschaft in die Saisonvorbereitung.