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Bekommt Helgoland doch noch eine Landverbindung zur Düne?

Wohnungsnot, marode Häfen, leere Kassen: Helgolands Bürgermeister bringt eine alte Idee zurück auf den Tisch – und setzt damit eine Debatte in Gang. Was steckt hinter dem Plan?

Von Sönke Möhl, dpa

31.03.2026

Berühmt ist der frei stehende Felsen „Lange Anna“ auf Helgoland.(Archivbild)Jonas Walzberg/dpa

Berühmt ist der frei stehende Felsen „Lange Anna“ auf Helgoland.(Archivbild)Jonas Walzberg/dpa

© Jonas Walzberg/dpa

Helgoland ist eine andere Welt. Der Rest Deutschlands liegt außer Sichtweite. Die exponierte Lage in der Nordsee macht das Leben der mehr als 1.300 Bewohner oft schwierig. Bürgermeister Thorsten Pollmann (parteilos) fürchtet wegen nicht zu stemmender Sanierungskosten unter anderem in den Häfen und an den Küstenschutzbauwerken um die Zukunftsfähigkeit der Insel.

Bürgermeister Pollmann sieht in einer Landaufspülung eine große Entwicklungschance für Helgoland. (Archivbild) Marcus Brandt/dpa

Bürgermeister Pollmann sieht in einer Landaufspülung eine große Entwicklungschance für Helgoland. (Archivbild) Marcus Brandt/dpa

© Marcus Brandt/dpa

Wegen fehlender räumlicher Entwicklungsmöglichkeiten und leerer Kassen hat Pollmann einen großen Plan aus der Schublade geholt, der 2011 bereits einmal in einer Abstimmung gescheitert war. Es geht um Sandaufspülungen zwischen Hauptinsel und Düne. Fast ein Quadratkilometer neues Land würde unter anderem den Bau von dringend benötigten Wohnungen und Hotels ermöglichen. Die Gemeinde bekäme die Chance zu wachsen, sagte Pollmann der Nachrichtenagentur dpa. Zuvor hatte er seinen Plan in einem Bericht des „Hamburger Abendblatts“ vorgestellt.

Geschätzt bis zu 500 Millionen Euro Sanierungsstau

Er schätzt den Investitionsbedarf alleine zur Instandsetzung der Inselhäfen und Küstenschutzanlagen auf bis zu 500 Millionen Euro. Rund die Hälfte davon, etwa für den Dünenhafen, könnte mit einer Landverbindung entfallen. Die Baukosten für die Aufspülung sollen durch den Verkauf der neuen Grundstücke gedeckt werden.

Düne und Felseninsel wurden vor langer Zeit während einer Sturmflut getrennt. (Archivbild) Stefan Rampfel/dpa

Düne und Felseninsel wurden vor langer Zeit während einer Sturmflut getrennt. (Archivbild) Stefan Rampfel/dpa

© Stefan Rampfel/dpa

Pollmann sagte, er selbst sei - wie schon 2011 - hin- und hergerissen. „So wie es jetzt ist, ist es schon cool.“ Die Zeit habe sich aber geändert. „Die drei Hafenanlagen und die Landungsbrücke sind richtig marode.“ Die Gemeinde habe für diese Aufgabe kein Geld - Bund, Land und Kreis auch nicht. Er sei kein Freund davon, die Insel zu verändern, betont Pollmann. „Aber ich sehe im Moment keine andere Lösung.“

Der Bürgermeister ist überzeugt, dass Investoren an Projekten wie Hotelbauten Interesse haben. Aktuell gibt es auf Helgoland - geografisch nicht ganz korrekt als Deutschlands einzige Hochseeinsel bekannt - etwa 2.500 Gästebetten. Auch bestehe eine große Nachfrage nach Wohnungen. „Im Moment haben wir auf jede Wohnung, die wir ausschreiben, rund 20 Bewerbungen.“ Für viele Menschen, die einen Arbeitsvertrag auf der Insel haben oder in Aussicht haben, gibt es keinen Wohnraum.

Der bestehende Siedlungsbereich auf Helgoland lässt kaum noch Entwicklung zu. (Archivbild) Marcus Brandt/dpa

Der bestehende Siedlungsbereich auf Helgoland lässt kaum noch Entwicklung zu. (Archivbild) Marcus Brandt/dpa

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Manche Bewohner verlassen Helgoland sogar, weil es ihnen zu teuer werde, so Pollmann. Eine andere Entwicklung wäre nötig. „Wir brauchen mehr Einwohner, um die Kosten stabil zu halten.“ Aktuell gehe die Einwohnerzahl aber nach unten. Auch der Zuzug von Rentnern und Pensionären sei wegen des Wohnungsmangels nicht möglich. Großes Interesse gebe es schon, weiß Pollmann aus zahlreichen Anfragen. Dabei könnte der Zuzug von Senioren helfen, die Lebensbedingungen aller Älteren auf der Insel zu verbessern, etwa indem ein Pflegedienst auskömmlich wirtschaften könnte.

Pollmann wünscht sich vernünftige und strukturierte Diskussion

Der Bürgermeister hat nach eigenen Angaben vorab niemanden in seinen Plan, die Diskussion neu zu beleben, eingeweiht. „Das war der erste Aufschlag. Alle sollten davon überrascht werden.“ Er wolle vermeiden, dass es einen Streit wie beim letzten Mal gibt. „Wir wollen das hier ganz vernünftig und strukturiert diskutieren. Wenn es bessere Ideen gibt, ist das auch okay.“

Helgoland bietet beeindruckende Natur. (Archivbild)Jonas Walzberg/dpa

Helgoland bietet beeindruckende Natur. (Archivbild)Jonas Walzberg/dpa

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Als Nächstes möchte Pollmann mit der Gemeindevertretung und anschließend mit den Insulanern ins Gespräch kommen. Am Ende stünde ein neuer Bürgerentscheid. Er habe bereits sehr viele Reaktionen bekommen. Von den Gewerbetreibenden sei das durchweg positiv. Viele Einwohner goutieren, dass über die Frage diskutiert wird - „weil sie sich mitgenommen fühlen“. Negative Reaktionen kämen zum Teil von Gästen, die sagten, alles solle so bleiben, wie es ist. Pollmann betont aber, dass die Insulaner mit den Konsequenzen einer negativen Entwicklung leben müssten.

Bauunternehmer Weber: Pläne sind ausgearbeitet 

Der Hamburger Bauunternehmer Arne Weber, der schon 2008 den Vorschlag für eine Verbindung von Insel und Düne gemacht hatte, reagierte positiv auf Pollmanns Vorstoß. „Technisch ist eine solche Aufspülung gar kein Problem“, sagte er dem „Hamburger Abendblatt“. „Die Pläne sind bis ins Detail ausgearbeitet. Zwar ist der Masterplan 15 Jahre alt, wir müssten aber nur die Details anpassen. Wir stehen bereit.“

Hotelier Rickmers sieht Überlebensfrage für Helgoland:

Der Helgoländer Hotelier Detlev Rickmers sieht in dem Plan gar die einzige Chance für Helgoland. „Es geht mir nicht um den Tourismus, sondern ums Überleben der Helgoländer“, sagte er dem „Hamburger Abendblatt“.

Kegelrobbennutzen die Düne zur Aufzucht ihrer Jungen. (Archivbild)Jonas Walzberg/dpa

Kegelrobbennutzen die Düne zur Aufzucht ihrer Jungen. (Archivbild)Jonas Walzberg/dpa

© Jonas Walzberg/dpa

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