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Zahl der Verkehrstoten sinkt auf 21 – jeder Zweite fuhr Rad

Die Zahl der Verkehrstoten in Hamburg ist im vergangenen Jahr um fast die Hälfte gesunken. Mehr als jedes zweite Todesopfer war ein Radfahrer.

Von dpa

23.02.2026

Elf Radfahrer sind im vergangenen Jahr im Hamburger Straßenverkehr ums Leben gekommen. (Archivbild)Christian Charisius/dpa

Elf Radfahrer sind im vergangenen Jahr im Hamburger Straßenverkehr ums Leben gekommen. (Archivbild)Christian Charisius/dpa

© Christian Charisius/dpa

21 Menschen sind im vergangenen Jahr bei Unfällen auf Hamburgs Straßen ums Leben gekommen. Im Vorjahr waren 39 Verkehrstote gezählt worden. Das bedeutet einen Rückgang um 46 Prozent, wie Polizeivizepräsident Mirko Streiber bei der Vorstellung der Verkehrssicherheitsbilanz 2025 sagte. Niedriger lag die Zahl nur im Jahr 2015 mit 20 Todesopfern und im Coronajahr 2020 mit 15 Toten.

Besonders deutlich ging die Zahl der tödlich verunglückten Fußgänger zurück, und zwar von 14 auf drei. Alle drei Opfer waren Senioren, im Schnitt 86 Jahre alt. 11 der 21 Unfalltoten waren Radfahrer, einer mehr als 2024. Vier von ihnen waren mit einem E-Bike unterwegs. Neun der tödlichen Fahrradunfälle ereigneten sich an Kreuzungen oder Fehler beim Abbiegen. In zwei Fällen hatte das unachtsame Öffnen einer Autotür tödliche Folgen.

Bundesweite Aufmerksamkeit hatte das Problem der sogenannten Dooring-Unfälle durch den Tod der Schauspielerin Wanda Perdelwitz (41) bekommen. Die Hamburgerin, bekannt aus der Serie „Großstadtrevier“, war am 28. September in der Nähe des Dammtorbahnhofs beim Fahrradfahren ums Leben gekommen, als ein unachtsamer Beifahrer die Tür eines Campingbusses öffnete.

Zahl der verunglückten Kinder steigt um 25 Prozent

Die Zahl der verunglückten Kinder nahm von 365 auf 457 zu – ein Anstieg um 25,2 Prozent. Ein Kind kam ums Leben. Der Elfjährige wurde von einem Transporter erfasst, als er im Stadtteil Neugraben-Fischbek mit dem Fahrrad zur Schule fuhr. Im Jahr 2024 waren zwei Kinder im Hamburger Straßenverkehr gestorben, eins davon bei einem verbotenen Kraftfahrzeugrennen. Die Zahl der Schulwegunfälle stieg im vergangenen Jahr um 40 Prozent auf 130. Bezogen auf 100.000 Einwohner verunglückten 253 Kinder im Straßenverkehr. Im Vorjahr waren es mit 222 deutlich weniger gewesen, im Jahr 2023 mit 256 aber noch etwas mehr.

Die Zahl der Unfälle mit E-Scootern ist im vergangenen Jahr in Hamburg um 22,7 Prozent gestiegen. (Archivbild)Daniel Bockwoldt/dpa

Die Zahl der Unfälle mit E-Scootern ist im vergangenen Jahr in Hamburg um 22,7 Prozent gestiegen. (Archivbild)Daniel Bockwoldt/dpa

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E-Scooter-Fahrer meist selbst Unfallverursacher

Einen starken Anstieg um 22,7 Prozent verzeichnete die Polizei auch bei den E-Scooter-Unfällen. 712 der insgesamt 962 Unfälle – also 74 Prozent – wurden von den Fahrern selbst verursacht. Jeder Dritte war ein sogenannter Alleinunfall, das heißt, es war niemand sonst beteiligt. 130 Mal war Alkohol im Spiel. Der Leiter der Verkehrsdirektion, Thomas Model, betonte, dass für E-Scooter-Fahrer die gleichen Promillegrenzen wie für Autofahrer gelten. Das bedeutet, 0,0 Promille für unter 21-Jährige. Ab 21 werde ein Alkoholgehalt im Blut ab 0,5 Promille als Ordnungswidrigkeit geahndet, ab 1,1 Promille als Straftat.

Die Zahl der alkoholbedingten Unfälle insgesamt ging um 2,4 Prozent zurück. Bei den 864 Unfällen wurden 410 Menschen verletzt und 3 getötet. Weitere 250 Unglücke ereigneten sich infolge unter dem Einfluss von Drogen (Vorjahr: 251). Dabei war 155 Mal der Cannabis-Wirkstoff THC im Spiel. Model kündigte weitere Drogenkontrollen an. Die Hamburger Polizei sei Vorreiter in Deutschland und habe 701 für solche Kontrollen geschulte Beamte.

Die Hamburger Polizei setzt zur Überwachung des Straßenverkehrs inzwischen vier Drohnen ein. (Archivbild)Jonas Walzberg/dpa

Die Hamburger Polizei setzt zur Überwachung des Straßenverkehrs inzwischen vier Drohnen ein. (Archivbild)Jonas Walzberg/dpa

© Jonas Walzberg/dpa

Verkehrsüberwachung auch mit Drohnen

Polizei-Vize Streiber kündigte eine Verstärkung der Verkehrsüberwachung an. Im vergangenen Jahr seien pro Tag rund 2.500 Fahrzeuge geblitzt worden. „Es wird immer noch zu schnell gefahren in dieser Stadt, trotz der Baustellensituation, die wir haben“, sagte Streiber. Verkehrsströme überwache die Polizei mit Drohnen, die auch Rotlichtverstöße, zu geringen Abstand und Missachtung von Überholverboten von Lastwagen erfassen könnten. Die Einsätze der vier Drohnen hätten auch schon Bußgeldbescheide zur Folge gehabt.

Das Geschwindigkeitsniveau des Hamburger Straßenverkehrs insgesamt sinkt. Die Polizei brauche bei Messungen mehr Zeit als früher, um eine gleichbleibende Anzahl an Geschwindigkeitsverstößen zu erfassen, sagte Leiter der Verkehrsdirektion. Das habe mit technischen Weiterentwicklungen zu tun. Autos seien automatisch langsamer, weil die KI den Fahrern sage: „Du darfst hier nur 50 fahren.“ In den nächsten Jahren würden in Hamburg außerdem mehrere Tausend Fahrzeuge hinzukommen, die autonom und vorschriftsmäßig fahren werden.

Opposition kritisiert rot-grüne Verkehrspolitik

Die CDU-Bürgerschaftsfraktion bezeichnete die Unfallzahlen als weiterhin besorgniserregend. „Es zeigt sich, dass weniger Autos nicht zwangsläufig zu weniger Unfällen führen“, erklärte Fraktionschef Dennis Thering.

AfD-Fraktionschef Dirk Nockemann hält die drastisch gestiegene Zahl der verunglückten Kinder für ein Warnsignal. „Unsere Straßen dürfen kein Experimentierfeld grüner Verkehrspolitik sein, sondern müssen wieder zu geschützten, kindersicheren Wegen werden“, erklärte Nockemann.

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