Fussball

Stärken, Schwächen, Taktik: Die DFB-Frauen im Halbzeit-Check

WM-Ticket in Reichweite, aber nicht alles läuft rund: Wück fordert mehr Präzision, neue Gesichter sorgen für Konkurrenz – wer überzeugt, wo hakt es? Ein Überblick nach drei von sechs Quali-Spielen.

Von David Joram und Ulrike John, dpa

17.04.2026

Die WM-Quali dürfte für die DFB-Elf um Vivien Endemann (M) zur Formsache werden.Daniel Karmann/dpa

Die WM-Quali dürfte für die DFB-Elf um Vivien Endemann (M) zur Formsache werden.Daniel Karmann/dpa

© Daniel Karmann/dpa

Die deutschen Fußballerinnen stürmen durch die WM-Qualifikation, doch Bundestrainer Christian Wück hat einiges zu meckern. Vor dem Rückspiel gegen Österreich am Samstag (18.00 Uhr/sportschau.de) in Ried fordert der 52-Jährige, „die Überlegenheit gegen kleinere Nationen anders auf dem Platz zu zeigen“. Beim 5:1 in Nürnberg hatte die DFB-Auswahl nur nach der Pause überzeugt. Wo steht das Wück-Team zur Quali-Halbzeit auf dem Weg nach Brasilien 2027?

Stärken 

Olympia-Heldin Ann-Katrin Berger ist auch mit 35 Jahren ein ganz wichtiger Rückhalt im Tor - wenn sie denn gebraucht wird. Bisher nur ein Gegentor in der Qualifikation ist auch ein Verdienst der Bereitschaft aller Spielerinnen zu verteidigen. Im defensiven Mittelfeld überzeugen regelmäßig Sjoeke Nüsken, die viel aus der starken englischen Liga mitbringt, und Elisa Senß. Auf den Flügeln können Rückkehrerin Vivien Endemann und Dauerbrennerin Jule Brand für Tempo und Gefahr sorgen. Klara Bühl fehlte zuletzt verletzt.

Im Mittelfeld gesetzt: Sjoeke Nüsken.Daniel Karmann/dpa

Im Mittelfeld gesetzt: Sjoeke Nüsken.Daniel Karmann/dpa

© Daniel Karmann/dpa

Schwächen 

Das Spiel mit Ball ist zu oft noch fahrig und ungenau. Wück nervt es, immer wieder Passsicherheit und -schärfe anmahnen zu müssen. Und: „Was vom Timing her nicht wirklich gut funktioniert hat, war das Spiel ohne Ball. Die Spielerinnen, die nicht am Ball waren, waren zu wenig in Bewegung“, kritisierte der Chefcoach. Auch wenn das Trainerteam die DFB-Frauen zu den Topteams der Welt zählt: Spielerisch liegt noch immer einiges im Argen - von einer Ballsicherheit, wie es die Weltmeisterinnen aus Spanien immer wieder vorführen, ist das Wück-Team noch weit entfernt.

Kritisch: DFB-Coach Christian Wück.Daniel Karmann/dpa

Kritisch: DFB-Coach Christian Wück.Daniel Karmann/dpa

© Daniel Karmann/dpa

Newcomer

Debütantinnen wie zuletzt Larissa Mühlhaus von Werder Bremen im Angriff oder Jella Veit von Eintracht Frankfurt in der Abwehr machen den Etablierten Druck. Das gilt auch für Wolfsburgs Verteidigerin Camilla Küver und Stürmerin Shekiera Martinez von West Ham United. Neueste Nachwuchshoffnung im Kader ist die U23-Nationalspielerin Sarah Mattner-Trembleau (22) vom SKN St. Pölten.

Sorgt für frischen Wind: Larissa Mühlhaus (r).Daniel Karmann/dpa

Sorgt für frischen Wind: Larissa Mühlhaus (r).Daniel Karmann/dpa

© Daniel Karmann/dpa

Schlüsselspielerinnen

Abwehrchefin Janina Minge ist nicht nur nach dem erneuten Ausfall von Giulia Gwinn (Schulter ausgekugelt) eine, die immer vorangeht. Die Wolfsburgerin sprang schon bei der EM 2025 als Kapitänin ein. Die zentrale Achse mit Berger, Minge und Nüsken ist gesetzt - aber wer spielt Mittelstürmerin? Lea Schüller muss sich nach einem schwierigen Jahr und ihrem Wechsel vom FC Bayern zu Manchester United erst wieder ins Team kämpfen. Frankfurts Nicole Anyomi zeigt mal Licht, mal Schatten. Die künftige Wolfsburgerin Giovanna Hoffmann fehlt nach einem Kreuzbandriss noch.

Traf gegen Österreich zur Führung: Nicole Anyomi.Daniel Karmann/dpa

Traf gegen Österreich zur Führung: Nicole Anyomi.Daniel Karmann/dpa

© Daniel Karmann/dpa

Taktik

Wücks Team spielt vor allem gegen schwächere Gegner extrem offensiv. Die Außenverteidigerinnen schieben im 4-2-3-1-System kräftig mit an, auf links Bayerns Franziska Kett, auf rechts Vereinskollegin Gwinn. Teils ergibt sich auf den Flügeln sogar eine doppelte Zange. Grundsätzlich erwartet Wück eine hohe Variabilität und viel Bewegung ohne Ball. Um die Anfälligkeit bei Kontern weiß der Coach - so gesehen beim Gegentor gegen Österreich, als die für Gwinn eingewechselte Wamser von einem langen Ball überrumpelt wurde und die DFB-Abwehr offen stand.

Gegen stärkere Gegner könnte Wück die Zehner-Position, zuletzt von Linda Dallmann besetzt, zugunsten einer weiteren Sechs und mehr Kompaktheit opfern. Oder Brand, die läuferisch und kämpferisch enorm zugelegt hat, rückt wieder ins Zentrum. Die Hauptfrage wird sein, ob der Coach gegen Spitzenteams eher auf Ballbesitz und Dominanz oder Konter setzen will.

Ballgewandt: Linda Dallmann.Daniel Karmann/dpa

Ballgewandt: Linda Dallmann.Daniel Karmann/dpa

© Daniel Karmann/dpa

Perspektiven

Der Gruppensieg und das direkte WM-Ticket kann aus eigener Kraft bereits am 5. Juni in Köln gegen Norwegen klargemacht werden. Bis zur WM muss die DFB-Auswahl noch an Tempo, Ballsicherheit und Effizienz vor dem Tor zulegen. Wück hat mehr Alternativen als im vergangenen Jahr, die Breite ist stärker geworden, das erhöht den Konkurrenzkampf. Zusammen mit seinen Assistentinnen Saskia Bartusiak und Maren Meinert hat der Coach ein gutes Händchen bei Neuligen wie den EM-Entdeckungen Wamser und Kett bewiesen. 

Seine Kritik solle man nicht falsch verstehen, so Wück zuletzt auch: „Wir sind generell sehr zufrieden mit der Performance und Entwicklung der Mannschaft.“ Mittelfristig kann er wieder mit Gwinn und Bühl rechnen, langfristig vielleicht auch auf Lena Oberdorf (zweiter Kreuzbandriss/alle FC Bayern). Richtig weiter bringen das Team vor allem Topgegner wie Spanien und Frankreich, wie im vergangenen Jahr bei EM und Nations League zu sehen war.

Karte
Das könnte Sie auch interessieren