Wissenschaft

Tarifstreit Metallindustrie: Gewerkschaft fordert Angebot

Die IG Metall will Kaufkraft und Arbeitsplätze sichern, die Arbeitgeber sehen die Branche unter massivem Druck. Geht es in der zweiten Verhandlungsrunde voran? Samstagnacht endet die Friedenspflicht.

Von dpa

27.10.2026

Wird die IG Metall ihre Mitglieder auch in dieser Tarifrunde zu Warnstreiks aufrufen?Oliver Berg/dpa

Wird die IG Metall ihre Mitglieder auch in dieser Tarifrunde zu Warnstreiks aufrufen?Oliver Berg/dpa

© Oliver Berg/dpa

Die IG Metall NRW hat vor der zweiten Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie ein Angebot der Arbeitgeber gefordert. „Neben einer belastbaren Zukunftsstrategie erwarten die Beschäftigten auch ein Angebot zur nachhaltigen Sicherung ihrer Kaufkraft“, hieß es in einer Mitteilung der Gewerkschaft. Sie verwies auf finanzielle Belastungen vieler Haushalte.

Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld. Der Tarifvertrag soll eine Laufzeit von 12 Monaten haben. Zudem möchte die Gewerkschaft eine Gewinnbeteiligung für Beschäftigte in „Boom-Unternehmen“ durchsetzen sowie über die Absicherung von Arbeitsplätzen und Standorten verhandeln.

IG Metall-Verhandlungsführer: „Zeit der Ausreden ist vorbei“

Eine stabile Einkommensentwicklung sei ein Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilität und zur Stärkung der Binnennachfrage, betonte die IG Metall. „Die Zeit der Ausreden ist vorbei. In der zweiten Verhandlung müssen die Arbeitgeber zeigen, dass sie bereit sind, ihren Beitrag zur Zukunft des Industriestandorts Deutschland zu leisten“, sagte Verhandlungsführer Knut Giesler, der auch IG Metall-Chef in NRW ist, laut der Mitteilung.

Die Arbeitgeber erklärten, dass sich die Metall- und Elektroindustrie in NRW nach wie vor in einer „dramatisch schlechten Wirtschaftslage“ befinde. Dies zeige eine aktuelle Umfrage unter den Unternehmen. Nur zehn Prozent der Firmen würden mit einer Verbesserung ihrer Lage rechnen und nur gut sieben Prozent mit einem Beschäftigungszuwachs. „Die Umfrage ist ein weiterer Beleg für das Ausmaß der fortschreitenden Deindustrialisierung in unserem Land“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Metall NRW, Johannes Pöttering, laut einer Mitteilung.

Arbeitgeber fordern „klares tarifpolitisches Signal“

Für die „fatale Entwicklung“ machte der Arbeitgeberverband „massive Verwerfungen auf den globalen Märkten“ verantwortlich, vor allem aber „gravierende hausgemachte Wettbewerbsnachteile“. Hohe Energiekosten, überbordende Bürokratie und massiv gestiegene Arbeitskosten hätten deutsche Standorte ins Hintertreffen gebracht. „Unsere Unternehmen brauchen jetzt auch ein klares tarifpolitisches Signal, das sie wieder mehr Vertrauen in den Standort Deutschland schöpfen lässt“, so Pöttering weiter. 

Nach Ansicht des Metall-Verhandlungsführers Arndt G. Kirchhoff ist die laufende Tarifrunde keine „nach dem Motto „Business as usual““, wie er in einem Interview einer Verbandszeitung sagte. „Und die Lösung wird nicht mit Trillerpfeifen und Streikaktionen erreicht. Dafür ist die Lage viel zu ernst, eine Eskalation wäre ganz sicher der falsche Weg.“ Kirchhoff ist Präsident des Arbeitgeberverbandes NRW.

Branche beschäftigt 640.000 Menschen in NRW

Die Tarifverhandlungen für die bundesweit gut 3,7 Millionen Beschäftigten in der größten deutschen Industriebranche hatten vor knapp drei Wochen mit Verhandlungen in den Bezirken NRW und Baden-Württemberg begonnen. In NRW sind rund 640.000 Menschen in der Branche beschäftigt. Die Friedenspflicht endet mit Ablauf des 31. Oktobers. Ab dann sind Warnstreiks möglich.

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