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Mehr Tempo für marode Brücken – NRW setzt auf Innovationen

NRW will marode Brücken schneller sanieren – mit weniger Bürokratie und neuen Bauverfahren. Die Zeit drängt, denn sonst droht vielerorts ein Verkehrskollaps.

Von Marc Herwig, dpa

18.09.2026

Ein Gewirr aus Brücken: Das Kreuz Kaiserberg in Duisburg. (Archivbild)Christoph Reichwein/dpa

Ein Gewirr aus Brücken: Das Kreuz Kaiserberg in Duisburg. (Archivbild)Christoph Reichwein/dpa

© Christoph Reichwein/dpa

30.000 Brücken gibt es in NRW - und viele von ihnen sind in keinem guten Zustand. Die Folgen sind längst spürbar: In Bonn fahren Autos und Lastwagen weite Umwege um die gesperrte Nordbrücke, zwischen Köln und Wuppertal fahren wegen einer kaputten Brücke weniger Züge, und in Duisburg legen die Arbeiten am Autobahnkreuz Kaiserberg bald wieder den Bahnverkehr im westlichen Ruhrgebiet weitgehend lahm. 

„Wenn Brücken ausfallen, gerät alles ins Stocken“, sagt NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne). Die Landesregierung hat deshalb alle Verkehrs-Akteure bei einer Infrastrukturkonferenz an einen Tisch gebracht. Herausgekommen ist eine gemeinsame Absichtserklärung. Mit weniger Bürokratie und mehr Pragmatismus wollen Politik, Bahn und Straßenbaubehörden die Probleme angehen. 

Welches Ziel verfolgt NRW mit der Brücken-Initiative? 

Das Land brauche ein höheres Sanierungstempo, betont Krischer. „Deshalb arbeiten wir enger zusammen, räumen Hürden aus dem Weg und beschleunigen die Umsetzung.“ Entscheidend sei, durch mehr Tempo bei der Brückensanierung zu verhindern, dass wichtige Verkehrswege ganz oder zumindest für schwere Fahrzeuge gesperrt werden müssten. 

Dringt auf mehr Tempo beim Brückenbau: NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne).Henning Kaiser/dpa

Dringt auf mehr Tempo beim Brückenbau: NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne).Henning Kaiser/dpa

© Henning Kaiser/dpa

Wie ist der Zustand der Brücken in Nordrhein-Westfalen? 

Mehr als 30.000 Brücken gibt es in Nordrhein-Westfalen. Sie bringen Autos über Flüsse, Züge über Täler oder sorgen in Autobahnkreuzen für einen reibungslosen Verkehrsfluss - zumindest im Optimalfall. Denn viele Brücken sind in keinem guten Zustand. „In Nordrhein-Westfalen ist der Sanierungsbedarf von Brücken größer als in anderen Bundesländern. Das stellt alle Beteiligten vor große Herausforderungen“, schreibt das NRW-Verkehrsministerium. 

Wie genau soll der Bau neuer Brücken beschleunigt werden? 

Die Verkehrs-Akteure versprechen in der gemeinsamen Erklärung, bei allen Projekten schneller und unkomplizierter zusammenzuarbeiten. Es komme darauf an, „pragmatische Lösungen vor Ort zu finden“, heißt es in dem Papier. 

So soll in vielen Fällen auf ein aufwendiges Planfeststellungsverfahren verzichtet werden, wenn alte Brücken eins zu eins durch einen Neubau ersetzt werden. Außerdem sollen Bauunternehmen mehr Freiheiten bei der Planung und Umsetzung von Projekten bekommen - bislang machen ihnen die Behörden oft detaillierte Vorgaben. 

Im Gegenzug wollen die Behörden den Unternehmen mehr Druck bei der Bauzeit machen: Wie schnell eine Firma eine Brücke fertigstellen kann, soll bei der Vergabe zum entscheidenden Kriterium werden. 

Welche Rolle spielen technische Innovationen? 

Darauf ruhen große Hoffnungen. Mehrere Firmen arbeiten seit einigen Jahren an Methoden, bei denen Brücken aus Fertigteilen zusammengebaut werden. Das geht viel schneller als der klassische Brückenbau vor Ort. Prominentestes Beispiel ist der Neubau der Rahmedetalbrücke auf der A45 bei Lüdenscheid im Sauerland. 

Aus mehr als 40 Meter langen Fertigteilen entsteht in Oberhausen eine Autobahnbrücke. So große Teile wurden in Deutschland vorher noch nie verbaut. (Archivbild)Christoph Reichwein/dpa

Aus mehr als 40 Meter langen Fertigteilen entsteht in Oberhausen eine Autobahnbrücke. So große Teile wurden in Deutschland vorher noch nie verbaut. (Archivbild)Christoph Reichwein/dpa

© Christoph Reichwein/dpa

In Oberhausen wurde in diesem Jahr eine Brücke auf der A516 aus mehr als 40 Meter langen Fertigteilen zusammengesetzt. So große Einzelteile sind in Deutschland noch nie beim Brückenbau verwendet worden. Das Ergebnis: Die Brücke war nach 7 Monaten fertig - in klassischer Bauweise hätte es wohl rund 24 Monate gedauert. Die Politik setzt große Hoffnungen in diese neuen Methoden. Das nächste wichtige Projekt, das davon profitieren soll, ist der Neubau der Bonner Nordbrücke. 

Was ist mit den vielen kleinen Brücken? 

Der öffentliche Fokus liegt oft auf den Großprojekten - denn wenn eine Autobahnbrücke gesperrt wird, leidet oft eine große Region. Aber 15.000 Brücken - und damit jede zweite in NRW - sind Teil des kommunalen Straßennetzes. Auch dort ist der Sanierungsbedarf groß. Für viele Städte und Gemeinden ist das ein echtes Problem. „Sie stehen vor der Mammutaufgabe, in den kommenden Jahren eine Vielzahl dieser Bauwerke sanieren oder neu bauen zu müssen“, betont das NRW-Verkehrsministerium. Das Land will sie deshalb bei Planung und Umsetzung von Brückenprojekten stärker unterstützen. 

Die Kommunen fordern aber mehr als bloß Unterstützung beim Planen: „Den Sanierungsstau können sie nicht aus eigener Kraft auflösen“, betonten die Hauptgeschäftsführer der drei kommunalen Spitzenverbände. Dafür bräuchten die finanziell angeschlagenen Kommunen vor allem auch ausreichend Geld. 

Wie geht es bei den Bahnbrücken weiter? 

Die für die Schieneninfrastruktur zuständige Bahn-Tochter DB InfraGO kündigte bei der Konferenz in Düsseldorf ein neues Brückenprogramm an. Mit mehr Geld und 90 zusätzlichen Mitarbeitern will die Bahn die Erneuerung maroder Brücken in Nordrhein-Westfalen beschleunigen. Das Ziel sei, 23 Brückenmaßnahmen pro Jahr stemmen zu können, sagte der Vorstandsvorsitzende der DB InfraGO, Philipp Nagl. „Wir wissen um den dringenden Bedarf in NRW.“

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